Köln-Fan und Hardrocker: BGV-Vorstandschef Edgar Bohn

Bühl (BNN) – Deep Purples „Child in time“? Ist legendär? Und wer hört es besonders gern? Edgar Bohn. Der Vorstandschef der BGV/Badische Versicherungen-Gruppe hat noch mehr Überraschungen parat.

Tief im Herzen auch Hard-Rocker: Edgar Bohn, Chef der BGV/Badische-Versicherungen-Gruppe, kann viel über Fußball und Bands wie Deep Purple erzählen. Foto: Andrea Fabry

Tief im Herzen auch Hard-Rocker: Edgar Bohn, Chef der BGV/Badische-Versicherungen-Gruppe, kann viel über Fußball und Bands wie Deep Purple erzählen. Foto: Andrea Fabry

Der Mann kennt ziemlich viele badische Bürgermeisterinnen und Bürgermeister – schließlich arbeitet er seit 1989 beim Badischen Gemeinde-Versicherungs-Verband, und die Kommunen sind alle Mitglieder des BGV. Mit Rathaus-Chefs plauscht er schon mal. Die wissen, dass der BGV-Vorstandsvorsitzende Edgar Bohn Fußball seit seiner Kindheit liebt. Zeitweise hat er in der Landesliga gespielt, ist heute Präsident des VfB Bühl.

„Wolfgang Overath war mein Idol“

Mindestens einmal im Monat geht er ins Stadion zum Karlsruher SC oder SC Freiburg; beide Vereine sponsert die Versicherungsgruppe. Bohns Herz schlägt aber vor allem für den 1. FC Köln. Badener hin (Bohn ist in Lörrach geboren), Badener her (Bohn wohnt seit Ewigkeiten in Bühl), da verbiegt sich der 62-Jährige erst gar nicht. „Wolfgang Overath war als Kind mein Idol. Deshalb bin ich Fan und Mitglied des FC Köln“, sagt Bohn und grinst, weil ihm der Überraschungseffekt gelungen ist.

Edgar Bohn ist Chef der größten Versicherungsgesellschaft, die in der Region ihren Sitz hat. Angefangen hat er dort einst als „juristischer Schadenregulierer“, wie es damals hieß. Langjährige Beobachter wissen: Das ist einer, der sich – durchaus detailverliebt – vorbereitet. Der strukturiert arbeitet, nach links und rechts schaut, bevor er entscheidet. Der es juristisch exakt mag. Und doch hat er sich, seit er 2019 Vorstandschef wurde, gewandelt. Bohn ist lockerer geworden, „immer weniger ein Aktenfresser“, wie er selbst feststellt. Dazu passt ganz gut, dass er immer seltener Krawatte trägt.

„Herr Professor“ und „der Edgar“

Beim BGV und auf Geschäftsterminen wird er oft als „Herr Professor“ angesprochen. „Ich korrigiere da keinen, weder in die eine noch in die andere Richtung“, sagt Bohn. Es stimmt: Er ist stolz, dass ihm die Duale Hochschule in Karlsruhe den Titel verliehen hat. Übrigens als einer von nur Fünfen in über 40 Jahren. Aber den Professoren-Titel „habe ich nicht auf dem Klingelschild stehen“. Und bei langjährigen BGV’lern, mit denen er einst in der Betriebsmannschaft gekickt hat, ist er eh „der Edgar“.

So wie im heimischen Bühl, wo Bohn – abgesehen vom Studium in Lörrach und der Bundeswehrzeit in Mittenwald – seit 53 Jahren lebt. Ins dortige Wirtshaus „Schwanen“ ist er schon als Schüler gekommen. Später, als Kapitän seiner Fußballmannschaft, hat er dort beschwingt den Bierstiefel erhoben. Seine erste Flugreise? Auch mit den Fußball-Kumpels, zum Feiern als Saisonabschluss nach Mallorca. Da war er 22.

Urlaub mit den Eltern und den zwei jüngeren Geschwistern gab es in Bohns Kindheit und Jugend so gut wie nie; aus finanziellen Gründen. „Das war die Zeit“, sagt der 62-Jährige und zuckt kurz mit den Schultern. „Ich habe es nicht vermisst und habe eine schöne Kindheit gehabt.“

Der Vater ist damals Zollbeamter, die Mutter Hausfrau. Wenn die Kumpels, vom vielen Kicken müde geworden, aufhören, zieht der junge Edgar eine Straßenecke weiter – und tritt dort mit anderen gegen den Ball.

Mitarbeiter als Mensch sehen

Doch nun aufgepasst, Abiturienten von heute: Der junge Edgar Bohn weiß schon zwei Jahre vor der Hochschulreife, dass er Jura studieren will, auch weil er sich für Politik, Geschichte, öffentliches Recht interessiert – letzteres ist ein Grund, warum es ihn nach kurzer Zeit in einer Bühler Anwaltskanzlei zum BGV nach Karlsruhe zieht. Heute ist sie als BGV/ Badische-Versicherungen-Gruppe mehr denn je in Baden von Gewicht, hat 770 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Auch beim BGV wird auf Effizienz getrimmt: Bei der sogenannten Dunkelverarbeitung muss beispielsweise kein Mitarbeiter eine Akte anfassen. Die Branche ist da, wie andere auch, unter (Wettbewerbs-)Druck. „Wir wissen aber immer, für wen wir das machen: für den Menschen“, sagt Bohn. Der Satz sagt viel über seine Einstellung aus. Wer Bohn kennt, weiß: Das ist kein Manager-Sprech. Bohn sieht im Mitarbeiter den Menschen – und engagiert sich übrigens auch ehrenamtlich in der „Lebenshilfe“ in seiner Heimatstadt.

Apropos Heimat: Bohn war auf den Seychellen, Malediven, in Südafrika, New York – seine Frau hatte ein Reisebüro. Fernreisen oder teure Hobbys brauche er aber nicht für Glück und Zufriedenheit. Die Heimat werde ihm immer wichtiger. „Ich bin auch zufrieden, wenn ich in einem schönen Wellnesshotel im Schwarzwald bin“, sagt er.

Oder auf einem Rockkonzert: Bohn behauptet, „ich war in Bühl der erste Genesis-Fan“. Im März 1975 hat er die legendäre Band zum ersten Mal in der Offenburger Oberrheinhalle erlebt und danach etliche weitere Male – für nächstes Jahr hat er Karten fürs Konzert in Köln. Oder Deep Purple. Vor einigen Jahren hat er die Hardrocker in Freiburg live gehört. Sogar das Badnerlied hätten die dort gespielt, sagt Bohn und fuchtelt mit den Händen, als wolle er es gerade dirigieren. „Da hat man gemerkt, denen macht das Spaß, die haben sich vorbereitet. Das finde ich klasse“, sagt Bohn.

Nur, ausgerechnet, „Child in time“, hätten die Rock-Giganten nicht im Programm gehabt. Kann aber gut sein, dass Bohn den Deep-Purple-Klassiker demnächst wieder im Auto hört, wenn er zu einem der vielen Bürgermeister im BGV-Gebiet unterwegs ist.

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