König Metall gliedert Firmen ein

Gaggenau (tom) – König Metall sieht sich auf einem guten Weg, um nach der Corona-Krise wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Die nun erfolgte Eingliederung zweier Betriebe in Kroatien in die Unternehmensgruppe sei dabei ein wichtiger Schritt. Darüber hinaus verfolge das Unternehmen die Erschließung neuer, zukunftsträchtiger Geschäftsfelder.

In den beiden Betrieben in Kroatien arbeiten insgesamt rund 320 Menschen. Foto: König Metall

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In den beiden Betrieben in Kroatien arbeiten insgesamt rund 320 Menschen. Foto: König Metall

Die geschäftsführende KM-Gesellschafterin Nina Zwiebelhofer macht aber deutlich: „Wir bleiben auch Automobilzulieferer.“

Seit Kurzem gehören die KMK (KM Kovnica) und KMA (KM Alati) mit rund 320 Mitarbeitern vollständig zur Unternehmensgruppe. Die bisherige Gesellschafterin war Anna Gutgsell, die Schwester von Nina Zwiebelhofer. Gutgsell behält aber weiterhin ihren 25 Prozent Anteil als Minderheitsgesellschafterin an der Holdinggesellschaft Dr. Zwiebelhofer GmbH. Hauptgesellschafterin ist Nina Zwiebelhofer mit 75 Prozent. Die Holding bündelt alle operativen Einheiten; operative Entscheidungen können dort mit einfacher Mehrheit getroffen werden. „Wir sind also schnell und flexibel in unseren Entscheidungen“, versichern Nina Zwiebelhofer und KM-Geschäftsführer Hans-Jörg Leuze im BT-Gespräch.

„Zwei Werke kommen nach Hause“, freut sich Zwiebelhofer. Die KMK produzierte bislang insbesondere Serienteile für das Lkw-Werk in Wörth; die KMA konzentrierte sich auf den Werkzeugbau. KM in Gaggenau war bereits bislang zu 90 Prozent Kunde der kroatischen Unternehmen. Zwischenzeitlich wurden bei der KMA große Aufträge im Werkzeugbau platziert. „Wir bekommen gute Werkzeuge zu einem vernünftigen Preis“, bilanziert Leuze.

Die Reaktionen in der Belegschaft in Kroatien seien sehr positiv. Beide Firmen waren 2013 aus steuerlichen Gründen ausgegliedert worden. Hans-Jörg Leuze wird weiterhin deren Geschäftsführer sein; die Geschäfte vor Ort leitet Daniel Hrup. Christian Gutgsell, Ehemann von Anna Gutgsell, ist nicht mehr Geschäftsführer.

Effiziente Energiespeicher

Die KM-Geschäftsleitung richtet derweil den Blick über die derzeitige Corona-Krise hinaus: „Im Moment gehen wir davon aus, dass wir beim Umsatz 2021 rund 80 Prozent des Vor-Corona-Niveaus erreichen werden“, sagt Geschäftsführer Leuze. Man rechne derzeit fürs laufende Jahr mit einem „starken vierten Quartal“, aber auch Nina Zwiebelhofer richtet das Augenmerk auf die Corona-Risikogebiete: „Wir blicken mit Spannung auf die Rückkehr unserer Mitarbeiter aus ihren Urlaubsländern.“

Die langfristige KM-Strategie umschreiben die beiden Geschäftsführer so: Man werde weiterhin auf Wachstum setzen, weiter internationalisieren und weiter den Umsatzanteil des Bereichs außerhalb des Automobilsektors steigern.

Neben dem klassischen Automotive-Bereich gebe es dabei vier wichtige Stränge: Elektro-Mobilität, Energiespeicher, Gebäudemanagement, Maschinenbau.

So betreibt KM seit 2013 Technologie-Entwicklung rund um GVI – also Gestützte Vakuum-Isolierungen. Diese sorgen beispielsweise bei Elektrofahrzeugen für optimale Temperaturen der Energiespeicher. Zwiebelhofer: „Wir glauben an die GVI-Technologie, weil eine Batterie ,sich wohlfühlen muss‘“ und weil GVI auch für mehr Sicherheit sorgen könne – Stichwort Batteriebrände. Zurzeit laufe die TÜV-Prüfung für die Technologie. Die Eigenentwicklung soll nun bald am Markt sein, nun könne man anfangen, Umsätze zu generieren.

Als extrem effiziente Energiespeicher könnten die Entwicklungen von KM aber auch für Privathaushalte „sehr interessant werden“, erläutert Leuze. So könne Sonnenstrom vom Hausdach effizient für Nachtzeiten gespeichert werden. Eine kostenneutrale eigene Energieversorgung rücke damit in den Bereich des Machbaren – auch bei Altbauten. Ein marktfähiger Prototyp werde gerade gebaut. „Energie ist ausreichend vorhanden, das Problem ist nur, wie wir sie speichern“, erklärt Leuze. Er hofft, dass die neue Technologie auch die Energieversorgung am eigenen Firmenstandort optimieren könne.

Bei aller Freude über die neuen Entwicklungen verstehe sich KM weiterhin auch als kompetenter Automobilzulieferer, betont Nina Zwiebelhofer. „Das eine tun, das andere nicht lassen“, lautet die Devise. „Wir sind im Betriebsmittelbau sehr gut ausgelastet“, freut sich Hans-Jörg Leuze. Dieser Bereich ist gewissermaßen Indikator für Neuprojekte.

Die Stammbelegschaft am Stammsitz Gaggenau sei weiterhin sehr wichtig für das Unternehmen, versichern die Geschäftsführer und verweisen dabei auf die jüngste Betriebsvereinbarung zum Kündigungsschutz (wir berichteten). Gleichwohl arbeite man an der Kostenstruktur, sagt Leuze: „Damit wir auch mit nur noch 80 Prozent Umsatz vernünftig arbeiten können und kein Geld mehr verlieren.“

Geholfen habe bei der Kostensenkung, dass die Anfang 2020 noch beschäftigten rund 100 Leasingmitarbeiter nicht mehr an Bord sind; ebenso wurden die Arbeitsverhältnisse von 25 befristet Beschäftigten nicht mehr verlängert.

Weitere Standorte

Ende Mai ist die Produktion am neuen König-Metall-Standort in Serbien angelaufen. In der Kleinstadt Ivanjica werden überwiegend Teile für Abgasanlagen hergestellt. Knapp 50 Leute arbeiten derzeit dort, langfristig sollen es 120 werden. In der Rohrendbearbeitung ist der Handarbeitsanteil sehr hoch; insofern bietet sich diese Fertigung an, um in Niedriglohnländer außerhalb der EU verlagert zu werden. Bei König Metall am Stammsitz in Gaggenau sind derzeit rund 650 Mitarbeiter beschäftigt. Weitere Standorte gibt es in Europa und Nordamerika.


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