„Können geräuschlos durchstarten“

Baden-Baden (vo) – Martin Semmet übernimmt zum 1. Januar den Vorstandsvorsitz der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau.

Martin Semmet ist seit 1995 bei Sparkasse Baden-Baden Gaggenau und tritt nun die Nachfolge von Lothar Volle an. Foto: Jürgen Volz

© Jürgen Volz

Martin Semmet ist seit 1995 bei Sparkasse Baden-Baden Gaggenau und tritt nun die Nachfolge von Lothar Volle an. Foto: Jürgen Volz

Der Jahreswechsel bringt für die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau mit dem Wechsel an der Vorstandsspitze von Lothar Volle, der in den Ruhestand geht, zu Martin Semmet eine personelle Zäsur. Gleichzeitig steht das Geldinstitut in einem schwierigen Marktumfeld vor neuen Herausforderungen. „Wir müssen uns für die Zukunft modern aufstellen und dürfen gleichzeitig unsere regionale Verankerung nicht vernachlässigen“, sagt Semmet (58) im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Jürgen Volz.

BT: Herr Semmet, Sie wussten vergleichsweise früh, nämlich schon im März, dass Sie die Nachfolge von Lothar Volle an der Spitze der Sparkasse antreten werden. Hat das den Übergang erleichtert?
Martin Semmet: Klar, es vereinfacht den Prozess, wenn man aus dem eigenen Haus kommt, das man seit mehr als 26 Jahren kennt, und wenn man zudem bereits im Vorstand an verantwortlicher Stelle tätig war. Im Team mit meiner Stellvertreterin Susanne Burg konnten wir rechtzeitig den Umbruch mit nur noch zwei statt drei Vorständen vorbereiten und die Weichen entsprechend stellen, sodass wir zu Jahresbeginn 2022 mit einer entsprechenden Aufgabenverteilung geräuschlos durchstarten können. Ich denke, dass dies gerade in der jetzigen Zeit durchaus von Vorteil ist.

BT: Sie haben in Ihrer bisherigen Funktion als stellvertretender Vorstandsvorsitzender eine ganze Reihe wichtiger Entscheidungen aufs Gleis gestellt, deren Umsetzung nun ansteht. Können Sie uns bitte auf den neuesten Stand bringen?
Semmet: Sie sprechen damit sicherlich die Umstrukturierung im Zusammenhang mit der Neuausrichtung unserer Standorte in Baden-Baden und Gaggenau an. Es sind beides Maßnahmen, mit denen wir uns noch zukunftsorientierter aufstellen möchten. Wir wollen damit nicht nur Prozesse optimieren, sondern gleichzeitig auch moderne Arbeitsplätze schaffen, die die Sparkasse als Arbeitgeber für junge Menschen attraktiv halten.

Verwaltungszentrale in Baden-Baden

BT: Das heißt konkret für den Standort Rheinstraße in Baden-Baden?
Semmet: Er wird zur künftigen Verwaltungszentrale der Sparkasse, dort werden die Stabs- und Marktfolgebereiche zusammengefasst. Die Vorbereitungen sind soweit abgeschlossen, dass wir wohl im März mit der umfassenden energetischen Sanierung des Gebäudes beginnen können. Zusammen mit dem geplanten Neubau soll ein moderner und zukunftsgewandter Gebäudekomplex entstehen, der nicht nur eine nachhaltige Bewirtschaftung ermöglicht, sondern auch Kosteneinsparungen. Wenn alles nach Plan läuft, könnten Sanierung und Umbau des jetzigen Gebäudes im Herbst 2023, und der Neubau mit Tiefgarage dann Mitte 2024 abgeschlossen sein. Insgesamt werden dort rund 150 moderne Arbeitsplätze entstehen, die auch künftig die notwendige Qualität und Stabilität gewährleisten, um unsere Kunden mit Bankdienstleistungen an unseren Marktstandorten vor Ort gut versorgen zu können.

Beratungszentrum in Gaggenau

BT: Und was geschieht in Gaggenau mit dem dortigen Standort am Bahnhof?
Semmet: Auch er ist vom Gebäude und den Räumlichkeiten her sanierungsbedürftig. Gleichzeitig wollen wir ihn dauerhaft aufwerten. Geplant ist dort ein zentrales Beratungszentrum für unsere Sparkasse, ein Teil ist bereits umgesetzt, etwa im Geschäftsfeld Baufinanzierung. Außerdem soll Gaggenau der Digitalstandort für das gesamte Geschäftsgebiet werden. Das Ganze wird auf zwei der sechs Etagen des Gebäudes konzentriert. Noch nicht endgültig geklärt ist, was wir mit den anderen vier Etagen machen. Denkbar ist eine gewerbliche Nutzung, aber auch eine Wohnnutzung. Letztlich ist dies auch mit dem neuen Umsetzungskonzept verknüpft, das am jetzigen Sparkassen-Parkhaus und Bahnhof entstehen soll. Allerdings muss man hier eher von einer mittelfristigen Realisierung, etwa 2024 bis 2025 ausgehen.

BT: Was steht für 2022 neben den genannten Vorhaben noch auf der Agenda?
Semmet: Es sind die bekannten Themen wie Digitalisierung, Onlinebanking oder unser Filialnetz, die wir weiter vorantreiben wollen. Vor allem die Digitalisierung beschäftigt uns, und zwar nicht nur bei den Geschäftsprozessen, sondern auch mit Blick auf unsere Kunden. Nicht jedem fällt es bekanntlich leicht, sich mit den vielen digitalen Neuerungen zurechtzufinden. Deshalb können wir uns als zusätzliche Serviceleistung eine spezielle Anlaufstelle vorstellen, die Kunden bei allen Fragen rund um die neue digitale Bankenwelt zur Seite steht.

Bankenlandschaft drastisch verändert

BT: Die Bankenlandschaft in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren zum Teil drastisch verändert – auch auf regionaler Ebene. Fusionen führen zu immer größeren Einheiten. Mit der Volksbank Karlsruhe Baden-Baden gibt es dafür ein aktuelles Beispiel. Bei den Sparkassen ist es dagegen noch vergleichsweise ruhig.
Semmet: Natürlich beobachten wir die Entwicklung gerade in unserer Region mit Interesse. Wir haben eine Fusion ja schon eine ganze Weile hinter uns. Rückblickend lässt sich sagen, dass der Zusammenschluss der damaligen Stadtsparkasse Baden-Baden mit der Sparkasse Gaggenau richtig und erfolgreich war. Aktuell ist eine weitere Fusion aber kein Thema. Wir konzentrieren uns auf uns selbst und glauben, mit unserer Größe regional gut aufgestellt zu sein – auch, wenn die Herausforderungen nicht kleiner werden.

BT: Sie geben ein Stichwort. Die anhaltende Niedrigzinsphase einerseits, die Corona-Pandemie andererseits sind für alle Banken herausfordernde Zeiten. Wie wird sich das in der Bilanz des Geschäftsjahres 2021 bemerkbar machen?
Semmet: Wir sind eigentlich ganz gut durch die letzten zwölf Monate gekommen. Ich denke, man kann sagen, dass wir unsere Ziele erreicht haben. Das heißt, dass wir uns im Ergebnis im Rahmen des vorangegangenen Geschäftsjahrs 2020 bewegen (Bilanzgewinn rund 551.000 Euro, Anmerkung der Redaktion). Natürlich sind die Belastungen durch die Geldpolitik der EZB weiterhin spürbar. Gleichzeitig haben wir aber Bereiche wie das coronabedingte Fördergeschäft oder das Wertpapiergeschäft spürbar ausbauen können. Und unsere Kunden vertrauen uns weiterhin in hohem Maße ihr Geld an, was zu dauerhaft steigenden Einlagen führt.

Ihr Autor

Jürgen Volz

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Erstellt:
31. Dezember 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
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