Kohlenmonoxid: Ein teuflisches Gas

Gernsbach (vgk) – Die hohe Konzentration von Kohlenmonoxid in einem Pellets-Tank hätte beinahe zwei Menschenleben gekostet. Wie kann so etwas passieren? Wie kann man Gefahren im Vorfeld vermeiden?

Einer von zwei Hubschraubern wartet am Sportplatz in Gernsbach auf die Vergifteten. Foto: Stephan Nusser/DRF Luftrettung

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Einer von zwei Hubschraubern wartet am Sportplatz in Gernsbach auf die Vergifteten. Foto: Stephan Nusser/DRF Luftrettung

Zwei Menschen erlitten in Gernsbach eine Kohlenmonoxid-Vergiftung im Lagerraum für Holzpellets. Diese Nachricht vom Samstag, 22. Januar, sorgte für Aufsehen.

Die Meldungen knapp und alarmierend: Zwei bewusstlose Personen im Pellets-Keller. Verdacht auf Kohlenmonoxid-Vergiftung. Jetzt musste es schnell gehen. Schon während der Anfahrt bereiteten sich die Atemschutzträger auf ihren Einsatz vor, erzählt Gesamtwehrkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Gernsbach, Dennis Reiser. Bei einer Kohlenmonoxid-Vergiftung (CO) zählt für alle Beteiligten jede Sekunde.

Entscheidend für das Überleben eines Verunglückten ist die Höhe der CO-Konzentration in der Atemluft und „für die Retter selbst eine schwierige und eventuell gefährliche Situation“, ergänzt Mediziner Dr. Peter Ulrich aus Rastatt.

Kohlenmonoxid ist ein teuflisches Gas. Geruchlos ist es auch schon Rettern zum Verhängnis geworden, die eine bewusstlose Person aus solchen Räumen retten wollten, nichts ahnend, dass CO-Gas mit im Spiel ist. So ähnlich muss es sich auch vor gut einer Woche abgespielt haben. Die am gemeinsamen Einsatz mit der Freiwilligen Feuerwehr Gernsbach, DRK und ASB beteiligte DRF-Luftrettung schrieb dazu hinterher auf ihrer Facebook-Seite: „Dort verlor ein junger Mann in einem Pellets-Speicher sein Bewusstsein. Der Familienvater wollte ihn retten und stieg seinem Sohn nach und wurde ebenso bewusstlos. Die Mutter alarmierte daraufhin Feuerwehr und Rettungsdienst. Sie erlitten eine Kohlenmonoxid-Vergiftung. Beide sind mittlerweile wieder auf dem Weg der Besserung (...).“

„Ein ganz natürlicher Prozess“

Während eines Verbrennungsprozesses kann sich Kohlenmonoxid bilden – soweit bekannt. Aber Pellets und Kohlenmonoxid? Auch Pellets können dieses Gas ausdünsten. „Was ein ganz natürlicher Prozess ist“, erläutert dazu Hartmut Schweikhardt aus Loffenau. Er ist Heizungsbaumeister und Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr seines Ortes.

Die Herausforderungen, denen sich die 35 Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen an diesem bewussten Samstag gegenübersahen, reichten von einem zur Sackgasse erklärten Merkurweg über eine Baustelle bis hin zu einem nur rund 60 Zentimeter breiten Einstiegsloch in die Pellets-Lagerstätte. Aufgrund Letzterem blieb den Einsatzkräften nichts anderes übrig, als die Atemluftflaschen den maskentragenden Rettern hinterherzureichen.

Die Einsatzfahrzeuge mussten rückwärts aus dem Weg herausmanövriert werden, um den Sanitätskräften Platz zu machen. Eingeleitet wurde eine Sofortrettung, erläutert Daniel Klumpp, einer der stellvertretenden Gesamtwehrkommandanten. Dies ist eine Vorgehensweise, die den Rettern eine schnelle Bergung ermöglicht für eine schnellstmögliche medizinische Betreuung.

Kliniken in Straßburg und Wiesbaden

In diesem Zusammenhang zeigt sich Gesamtkommandant Dennis Reiser zudem stolz auf seine Frauen und Männer, die trotz Corona und eines eingeschränkten Übungsbetriebs präzise Arbeit leisteten.

Nach rund elf Minuten konnten die Bewusstlosen den Rettungskräften von DRK und ASB übergeben werden. Im Gernsbacher Stadion warteten schon die Rettungshubschrauber, um die Patienten schnellstmöglich in Kliniken mit einer Druckkammer (Straßburg und Wiesbaden) fliegen zu können.

„Zum Glück sind solche Einsätze sehr selten“, sagt Kreisbrandmeister Heiko Schäfer.

Schon frühzeitig werden angehende Feuerwehrkräfte auf Gaseinsätze mit Kohlenmonoxid, Kohlendioxid oder hochexplosivem Methan vorbereitet.

Das Üben von Rettungseinsätzen in Silos, Schächten und Behälter sind Teil der Grundausbildung: „Denn es kann immer etwas explodieren.“

„Vorsicht ist der beste Berater“

Wie kann man einer CO-Vergiftung im Pellets-Tank vorbeugen?

Pellets werden unter Druck und Dampf ohne weitere Zusätze zu jenen kleinen Stückchen gepresst, die jeder kennt, der diese Form des Heizens bevorzugt. Schuld an der Gasbildung sind natürliche Zersetzungsprozesse. „Vorsicht ist deshalb der beste Berater“, betont Heizungsexperte und Feuerwehrmann Hartmut Schweikhardt aus Loffenau. Er warnt: „Ein Erdtank birgt immer die Gefahr der Gasbildung.“ Deshalb sind Silos oder entsprechende Räumlichkeiten vor dem Betreten gut zu lüften. Die Luftzirkulation muss in Gang gebracht werden. „Das kann je nach Alter des Behältnisses zwischen 15 und 60 Minuten dauern“, fügt Schweikhardt hinzu. Ein kleines Gerät, das Leben rettet und schützt, ist der CO-Gefahrenmelder – nützlich auch für Einsatzkräfte.

Kohlenmonoxid (CO) ist ein farb- und geruchloses Gas und extrem giftig, führt zu diesem Thema Mediziner Dr. Peter Ulrich aus und erläutert weiter: Die Toxizität beruht darauf, dass das CO eine 300-fach höhere Affinität zum roten Blutfarbstoff hat als der Sauerstoff. Kohlenmonoxid verdrängt somit den Sauerstoff vom roten Blutfarbstoff (Hämoglobin).

Der Sauerstofftransport des Blutes wird dadurch kräftig gemindert oder vielmehr ganz eingeschränkt.

Deshalb führen schon geringe Mengen von Kohlenmonoxid zu einer starken Verminderung der Sauerstofftransportfähigkeit des Blutes.

Die Folge ist Sauerstoffmangel im Körper verbunden mit zunehmender Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen, gefolgt von einem Lähmungsstadium mit Schwäche und Kraftlosigkeit, Willenlosigkeit, Verwirrtheit und schlussendlich Bewusstlosigkeit und Tod.

Je nach Höhe der CO-Konzentration kann dieser sehr schnell eintreten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt dazu auf seiner Homepage: Pellets haben in großer Menge eine potenziell gefährliche Eigenschaft. Durch das Erwärmen und Trocknen werden Autoxidationsprozesse bei bestimmten Holzbestandteilen (Oxidation durch Luftsauerstoff) in Gang gesetzt.

Eine wichtige Rolle spielen dabei Lignine, die von der Pflanze in die Zellwand eingelagert werden und die Verholzung der Zelle bewirken (Wikipedia).

Im Rahmen von natürlich stattfindenden Abbauprozessen kann sich das gesundheitsschädliche Kohlenmonoxid bilden. Noch Monate nach der Herstellung können Pellets das Gas freisetzen.


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