Kommandeur des Landes besucht Soldaten im Gesundheitsamt

Rastatt (naf) – Lebensberatung inklusive: Seit Oktober helfen Soldaten im Gesundheitsamt in Rastatt bei der Kontaktermittlung im Kampf gegen die Pandemie. Manche Telefonate sind durchaus ungewöhnlich.

Oberst Thomas Koehring (hinten rechts) und Jörg Peter beim Besuch der Corona-Helfer im Landratsamt.Foto: Frank Vetter

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Oberst Thomas Koehring (hinten rechts) und Jörg Peter beim Besuch der Corona-Helfer im Landratsamt.Foto: Frank Vetter

Nach dem Ende seines Urlaubs erwartete Tim Schulz eine Überraschung. Statt auf den Übungsplatz im oberbayrischen Bischofswiesen ging es für den Oberfeldwebel vergangene Woche ins Landratsamt Rastatt. Schulz ist einer von insgesamt 21 Soldatinnen und Soldaten, die das Gesundheitsamt aktuell bei der Kontaktermittlung im Kampf gegen die Pandemie unterstützen. Am Mittwoch stattete Oberst Thomas Köhring, Kommandeur des Landeskommandos in Baden-Württemberg, der Kompanie einen Besuch ab.
Es ist ein ungewöhnliches Bild, dass sich in einem der Räume des Landratsamts zeigt. Schulz und drei seiner Kameraden sitzen vor Computer und Telefon, tragen neben ihrer Uniform in Camouflage Headsets sowie FFP2-Masken und sind von Akten und Listen umgeben. Von 8 bis 17 Uhr greift die vierte Kompanie der Gebirgsjägerbrigade 23 aus Bayern den Mitarbeitern des Gesundheitsamts täglich unter die Arme. Die Soldaten telefonieren mit positiv Getesteten sowie Kontaktpersonen, erfassen deren Symptome und legen die Quarantänedauer fest.

Die Arbeit wird nie langweilig

Die Gespräche sind „komplett unterschiedlich“, erzählt Schulz. „Es kommt zwar auf die Sprachbarriere an, bei den meisten laufen die Telefonate aber gut.“ Viele Betroffenen wüssten bereits, dass sie Kontakt mit einem Infizierten hatten. Dass ein Gesprächspartner laut wird, komme selten vor. Dann kann der 25-Jährige das Telefonat an einen Amtsarzt weiterleiten, der versucht, mit Expertise zu überzeugen. An diesem Morgen musste Schulz bereits zwischen zerstrittenen Expartnern vermitteln, um zu klären, bei wem sich deren Kind in Quarantäne begibt. Die Arbeit im Gesundheitsamt wird nie langweilig.

Das weiß auch Sozialdezernent Stefan Biehl, der den ein oder anderen Anruf mit einer Art „Lebensberatung“ vergleicht. „Ohne den Einsatz der Soldaten wäre die Kontaktverfolgung im bisherigen Umfang nicht möglich gewesen“, sagt Biehl. Und auch der erste Landesbeamte Jörg Peter erwähnt in diesem Zusammenhang, dass man der „Bundeswehr als Organisator und allen Soldaten vor Ort sehr dankbar“ ist.

885 Soldaten unterstützen Behörden landesweit

Seit dem 27. Oktober wird das Gesundheitsamt von der Bundeswehr unterstützt, die jetzige Kompanie ist seit dem 14. Januar vor Ort. Am 2. Februar werden sie von einer anderen Truppe ihrer Brigade abgelöst, welche wiederum bis zum 19. Februar bleibt. „Danach muss die Situation, anhand der Infektionszahlen, neu bewertet werden“, sagt Köhring. Er ist das Verbindungsglied zwischen Landesregierung und Bundeswehr und koordiniert die zivilmilitärische Zusammenarbeit, „die auch schon vor Corona stattgefunden hat“, so Köhring.

In Baden-Württemberg unterstützen aktuell 885 Soldaten die Behörden im Kampf gegen die Pandemie. 675 helfen in den Gesundheitsämtern, 174 sind in vier Zentralen Impfzentren im Einsatz und rund 50 in Alten- und Pflegeheimen. Weitere 350 Soldaten sollen ab morgen in den Kreisimpfzentren helfen, teilt Köhring mit. Was die Unterstützung beim Testen in Pflegeheimen angeht, „müssen wir schauen, inwiefern wir den Bedarf decken können“, erklärt der Kommandeur.


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