Konjunktur: Industrie bleibt Zugpferd im Südwesten

Baden-Baden/Stuttgart (tas) – Der Optimismus in der baden-württembergischen Wirtschaft wächst. Doch nicht in allen Branchen ist Zuversicht gleich. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der IHKen

Arbeit an einer Antriebsspindel für eine Schmiedepresse: Die Industrie in Baden-Württemberg profitiert vom Aufschwung der Weltwirtschaft.Foto:  Marijan Murat/dpa

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Arbeit an einer Antriebsspindel für eine Schmiedepresse: Die Industrie in Baden-Württemberg profitiert vom Aufschwung der Weltwirtschaft.Foto: Marijan Murat/dpa

Zu Beginn der Corona-Krise war der deutsche Export aufgrund gestörter Lieferketten die Achillesferse der heimischen Wirtschaft. Mit der fortschreitenden Normalisierung des Welthandels hellt sich die Stimmung bei den Exporteuren nun aber wieder deutlich auf. „Die Industrie bleibt das Zugpferd in der Krise“, sagt der Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK), Wolfgang Grenke.

Während ganze Branchen monatelang vom Lockdown betroffen waren und immer noch sind, erweisen sich Industrieunternehmen und industrienahe Dienstleister im Südwesten auch in der Corona-Krise als Treiber der konjunkturellen Erholung. Das zumindest legen die Ergebnisse einer aktuellen Konjunkturumfrage des BWIHK nahe, an der sich im April dieses Jahres mehr als 3.700 Unternehmen aller Branchen, Unternehmensgrößen und Regionen in Baden-Württemberg beteiligt haben.

Der zufolge rechnen rund 42 der Industrieunternehmen in den kommenden Monaten mit besseren Geschäften, rund 47 Prozent immerhin mit einem identischen Niveau. Im arg gebeutelten Gastgewerbe hingegen erwartet die Mehrheit (knapp 53 Prozent) sogar noch eine weitere Verschlechterung der Geschäftslage. Nur knapp ein Drittel rechnet mit einer Verbesserung. „Im Hotel- und Gaststättengewerbe gibt es überhaupt keinen Betrieb, dem es gut geht“, formuliert es Grenke.

In dieser Branche ist der Anteil der Betriebe mit problematischer Finanzlage laut der Umfrage überdurchschnittlich hoch. 43 Prozent der Hotels und Gaststätten bewerten ihre aktuelle Finanzlage als schlecht, 28 Prozent sogar als existenzgefährdend.

„Die Frage ist, was das neue Normal sein wird“


Wenn die Öffnungsszenarien in den kommenden Wochen greifen, könnte sich die Perspektive aber auch hier aufhellen. „Endlich geht es los. Handel, Gastgewerbe, Tourismusbranche und all die Kreativen freuen sich auf ihre Kunden“, sagt BWIHK-Vizepräsidentin Marjoke Breuning. Was die Freude über den Restart etwas trübt, das ist die Menge an Bürokratie, die damit weiter verbunden bleibt und die rein inzidenzbasierte Herangehensweise. „Mehr Planbarkeit und mehr Vereinheitlichung bei den Vorgaben wären aus unserer Sicht sinnvoll und notwendig, um die Öffnungen für Betriebe praktikabel und für Kunden nachvollziehbar zu machen“, sagt sie. Doch auch wenn die Lage sich für die Betriebe wieder aufhelle, ein Zurück zum Stand vor der Pandemie werde es nicht mehr geben. „Die Frage ist, was das neue Normal sein wird“, sagt Breuning.

Aktuell jedenfalls bewerten über alle Branchen hinweg 40 Prozent der Firmen ihre Lage als gut, zum Start ins Jahr 2021 war es erst ein Drittel. Schlecht geht es laut der Umfrage 21 Prozent der Betriebe, ein Rückgang um vier Prozentpunkte im Vergleich zum Jahresbeginn.

Interessant ist auch ein Blick auf die aktuellen Bremser des wirtschaftlichen Aufschwungs. So hat die Corona-Pandemie zwar immer noch den größten Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung, doch ihre Bedrohlichkeit nimmt aktuell ab. Während zu Jahresbeginn noch 75,5 Prozent der befragten Unternehmen Corona als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung sahen, sind es im Frühsommer noch 71 Prozent. Die Entwicklung der Rohstoffpreise – sie kann freilich nicht unabhängig von Corona-Pandemie betrachtet werden – bereitet jedoch immer mehr Betrieben Sorge. Rund ein Drittel der Unternehmen sieht hier ein erhöhtes Risiko, zu Jahresbeginn waren es lediglich 15 Prozent.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
18. Mai 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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