Konjunkturumfrage: Gedrückte Stimmung im Handwerk

Karlsruhe/Baden-Baden (tas) – Auch während des Corona-Shutdowns ist das Handwerk oft nicht nicht stillgestanden. Doch insgesamt gehen die Pandemie-Folgen auch an ihm nicht spurlos vorbei.

Der Baubranche erging es in den vergangenen Wochen trotz Corona-Krise noch vergleichsweise gut. Foto: IG BAU

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Der Baubranche erging es in den vergangenen Wochen trotz Corona-Krise noch vergleichsweise gut. Foto: IG BAU

„Für die Betriebe in unserem Kammerbezirk waren die letzten Wochen von Umsatzeinbußen geprägt, Lieferketten wurden unterbrochen, und die Arbeitsabläufe mussten teilweise komplett neu organisiert werden.“ Das sagte der Präsident der Handwerkskammer Karlsruhe, Joachim Wohlfeil, am Mittwoch zur aktuellen Konjunkturumfrage der Kammer für das zweite Quartal. Nachdem die Schutzmaßnahmen teilweise gelockert wurden, seien die Unternehmen wieder stärker angelaufen, aber noch weit vom „Normalbetrieb“ entfernt. Unsicherheiten über die weiteren Konjunkturentwicklungen belasteten die Betriebe, hieß es.

Die mehr als 19000 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk sehen das zweite Quartal mit Bauschmerzen. Mit Blick auf die vergangenen Wochen bezeichneten in der Umfrage nur noch 36,3 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, dagegen bewerteten 39,1 Prozent diese als mangelhaft. Vor einem Jahr war das Stimmungsbild noch ein ganz anderes, als sich 71,6 Prozent der Handwerksunternehmen mit ihrem Geschäftsverlauf zufrieden zeigten und nur 4,3 Prozent über eine schlechte Entwicklung klagten.

Ein Blick in die einzelnen Branchen zeigt, dass sich diese in den letzten drei Monaten mit teilweise sehr unterschiedlichen Bedingungen und Nachfragekonstellationen auseinandersetzen mussten. Die langjährigen Konjunkturlokomotiven, das Bauhaupt- und Ausbauhandwerk, berichtet von einer noch relativ guten allgemeinen Geschäftslage. Im Bauhauptgewerbe sind es 66,7 Prozent der Unternehmen, die sagen, dass ihre Geschäftslage gut ist, für 33,3 Prozent ist sie zufriedenstellend. Auch im Ausbauhandwerk sind es immerhin noch 44 Prozent der Betriebe, die über eine gute Geschäftslage informieren. Die Betriebe profitieren von Auftragsbeständen, die teilweise im zweistelligen Wochenbereich lagen.

Dort, wo die Geschäfte teilweise geschlossen waren, ist die Stimmung dagegen deutlich gedrückt. Schwere Rückschläge mussten das Dienstleistungshandwerk (schlechte Geschäftslage: 61,5 Prozent), die Gesundheitsbranche (71,4 Prozent), das Kfz-Handwerk ( 43,7 Prozent) und die Betriebe des gewerblichen Bedarfs (46,7 Prozent) hinnehmen.

Wie sieht der Ausblick für die kommenden Monate aus? Greifen die Konjunkturprogramme und Hilfsmaßnahmen von Bund und Land, sind 31 Prozent der Betriebe davon überzeugt, dass die zukünftige Geschäftslage besser wird, 49,9 Prozent gehen davon aus, dass es schwierig bleiben wird, 19,1 Prozent gehen gar von weiter rückläufigen Zahlen aus.

Trotz verschlechterter Geschäftslage sei es jetzt wichtig, die Fachkräfte im Handwerk zu halten, appellierte Kammerpräsident Wohlfeil – um bei einer konjunkturellen Erholung wieder mit seinen Dienstleistungen am Markt präsent zu sein.

Zum Thema Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft

Der Mangel an Fachkräften im Baubereich ist ein seit Jahren existierendes Phänomen. Am Mittwoch mahnte die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) erneut an, dass die Branche das Problem vor allem über höhere Löhne lösen könne. „Aktuell erleben wir einen regelrechten Facharbeiter-Schwund. Drei Jahre nach der Ausbildung haben im Schnitt zwei von drei Bauarbeitern ihre Branche verlassen. Der Trend muss unbedingt gestoppt werden“, sagte Wolfgang Kreis, Bezirksvorsitzender der IG BAU Nordbaden. Neben höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen komme es dabei auch auf ein gesundes Betriebsklima an. Beschäftigte vermissten häufig Respekt und Anerkennung für ihre Leistung. „Kein Wunder, dass sich da mancher nach einem anderen Beruf umschaut.“

Kreis verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach gebe es in den Bauberufen immer größere Schwierigkeiten, Personal für offene Stellen zu finden. Im vergangenen Jahr blieben im Kreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden zusammen 59 Stellen in der Branche länger als 90 Tage unbesetzt. 2018 waren es 41 Stellen, ein Jahr zuvor 31.

In der aktuellen Tarifrunde fordert die IG BAU ein Lohnplus von 6,8 Prozent und ein Wegegeld für die Fahrt zu den Baustellen.

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Erstellt:
15. Juli 2020, 18:00 Uhr
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