Konjunkturumfrage Südwestmetall: Deutlich bessere Auftragslage

Ettlingen (tas) – Die Metall- und Elektrobetriebe in der Region blicken wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Wenn da nicht die Materialengpässe wären.

Cornelia Koch, die Geschäftsführerin der Bezirksgruppe Mittlerer Oberrhein-Enz des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall. Foto: Tobias Symanski

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Cornelia Koch, die Geschäftsführerin der Bezirksgruppe Mittlerer Oberrhein-Enz des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall. Foto: Tobias Symanski

Der Mangel an Rohstoffen und verfügbaren Fachkräften treibt den Unternehmern in der Region zwar die Sorgenfalten ins Gesicht, trotzdem zeigen sich die Betriebe nach den ersten neun Monaten des laufenden Jahres wieder deutlich optimistischer. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage von Südwestmetall in der Region.

Am Freitag stellte Cornelia Koch, die Geschäftsführerin der Bezirksgruppe Mittlerer Oberrhein-Enz des Arbeitgeberverbandes, die Ergebnisse vor. Die Auftragslage habe sich beim Großteil der Unternehmen im Vergleich zu 2020 deutlich verbessert, das Gros der Zuwächse lag im Bereich zwischen zehn und 20 Prozent. Zudem erwarten 44 Prozent der Befragten in den kommenden zwölf Monaten weiter verbesserte Geschäfte, 40 Prozent rechnen zumindest mit gleichbleibend guten oder zufriedenstellenden Geschäften.

„Wolkenfrei ist der Konjunkturhimmel deshalb aber noch lange nicht. Materialengpässe, teure Rohstoffe und gestörte Lieferketten machen es derzeit vielen unserer Unternehmen schwer, ihre Aufträge abzuarbeiten“, kommentiert der Bezirksgruppen-Vorsitzende Michael Kristeller, die Ergebnisse. Dies belege auch die Umfrage, in der 64 Prozent der Unternehmen Materialknappheit als größte gegenwärtige Bedrohung des Industriestandorts Baden-Württemberg nennen. Hohe Energiepreise sehen dagegen „nur“ 20 Prozent als problematisch an.

Auch Kristeller spürt für sein Unternehmen, den Hubrettungsgeräte-Spezialisten Rosenbauer Karlsruhe, die Knappheit deutlich. Er berichtet beispielsweise von einem Engpass beim Werkstoff Latex, der bei Hydraulikschläuchen unverzichtbar ist. Diese und andere Lieferschwierigkeiten würden 2021 zu einer Senkung des Umsatzziels des Unternehmens von zehn Prozent führen. Auch bei Metallen sei die Lage weiterhin angespannt. Kristeller: „Die Stahlpreise gehen durch die Decke.“

Warnung vor weiteren staatlichen Belastungen


Und so bleibt die Kurzarbeit aufgrund fehlender Teile in der Produktion weiterhin ein Thema. Rosenbauer Karlsruhe hatte sie laut Geschäftsführer Kristeller in diesem Jahr bereits zweimal genutzt, für den Spätherbst rechnet er erneut damit, 30 Prozent der rund 500 Beschäftigten in Kurzarbeit schicken zu müssen.

Das Paradoxe an dieser Situation: Wenn der Betrieb dann wieder ungehindert läuft und wächst, fehlen die Fachkräfte. „Wir fragen uns, wo die ganzen Leute sind?“, habe ein Unternehmer jüngst Verbandsgeschäftsführerin Koch gesagt, wie sie berichtet. Selbst ungelernte Kräfte fehlten am Markt, sie seien wohl in andere Branchen, beispielsweise zu Lieferdiensten, abgewandert.

Angesichts der schwierigen Lage vieler Betriebe warnte Kristeller vor weiteren staatlichen Belastungen. Die Corona-Krise habe die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie zudem viel Liquidität gekostet. „Sie brauchen jetzt dringend finanzielle Entlastungen – und auf keinen Fall weitere Belastungen. Ich kann nur dringend davor warnen, jetzt an der Steuerschraube zu drehen. Damit würden wir den Konjunkturmotor wieder abwürgen, bevor er richtig in Gang gekommen ist.“

Die Bezirksgruppe Mittlerer Oberrhein-Enz ist eine von 13 Regionaleinheiten des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg (Südwestmetall). Das Gebiet der Bezirksgruppe erstreckt sich über die Stadtkreise Karlsruhe und Baden-Baden, die Landkreise Karlsruhe und Rastatt, Pforzheim und den Enzkreis. Die Bezirksgruppe betreut rund 74 Unternehmen mit etwa 52.000 Beschäftigten. An der aktuellen Umfrage hatten sich 25 Betriebe beteiligt, die meisten in der Größenklasse zwischen 100 und 500 Mitarbeitern.


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