Konkrete Forderungen an die Kultusministerin

Stuttgart (bjhw) – Mit einem Fragenkatalog an Susanne Eisenmann will der neue Landeselternbeirat (LEB) in die erste offizielle gemeinsame Sitzung gehen. Der Haussegen hängt immer noch schief.

Michael Mittelstaedt ist seit Ende Mai Vorsitzender des Landeselternbeirats. Foto: Marijan Murat/dpa

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Michael Mittelstaedt ist seit Ende Mai Vorsitzender des Landeselternbeirats. Foto: Marijan Murat/dpa

Das sei auch ein Resultat des Kennenlernens, sagt der LEB-Vorsitzende Michael Mittelstaedt. Zu Wochenbeginn war der Vorstand des im Gesetz verankerten Beratungsgremiums vorstellig geworden. An dem seit Monaten schief hängenden Haussegen zwischen der Ministerin und den Elternvertretern änderte sich allerdings nach Angaben von Teilnehmern noch nichts Grundlegendes.
Mittelstaedt, Vater von drei Kindern, hat das Amt Ende Mai angetreten, Stellvertreter sind unter anderem Eberhard von Württemberg und die Gemeinschaftsschulexpertin Petra Rietzler. Nicht von ungefähr bezeichnete Eisenmann in ihrem Gratulationsschreiben „eine konstruktive und von gegenseitigem Respekt geprägte Begleitung durch das Beratungsgremium“ als „sehr wichtig“. Zuvor war das Verhältnis zwischen Mittelstaedts Vorgänger Carsten T. Rees und der Ministerin geprägt von immer härteren gegenseitigen Vorwürfen. In mehreren Briefen hatte der Freiburger Neurobiologe Eisenmann scharf kritisiert, weil sie die Eltern in der Corona-Krise nicht eingebunden habe, was einem „Kommunikationsdesaster“ gleichkomme. Außerdem suche sie nicht „den Weg der sachlichen Auseinandersetzung“, sie wählt den Weg des persönlichen Angriffs. Das sei „klares Indiz dafür, dass sie schlichtweg überfordert ist und aus dieser Frustration eine Aggression resultiert, die sie rauslässt“.

Die Nachfolger haben mit ersten Stellungnahmen, wenn auch deutlich zurückhaltender in der Wortwahl, ebenfalls Duftmarken gesetzt. In einem Positionspapier zur Schule unter Pandemiebedingungen werden eindeutige und vor allem nachvollziehbare ministerielle Handreichungen samt verbindlichen Konzepten für möglicherweise notwendig werdende (Teil-)Schließungen von Schulen vermisst. Mittelstaedt beklagt, dass „im Prinzip nichts Belastbares kommt“. Der LEB wolle den Ball flach halten, dann müsse das Ministerium aber auch liefern.

Nachhilfeunterricht an Samstagen?

Ein weiteres Thema beim nächsten Treffen wird nach den Vorstellungen der Elternvertretung auch sein, wie Kinder und Jugendliche Versäumtes nachholen können. Vorgeschlagen ist, das ganze Schuljahr über vier Stunden an Samstag zur Nachhilfe anzubieten. Der LEB weiß aber selber um die geringen Chancen der Realisierung angesichts des ohnehin bestehenden Mangels an Lehrkräften. Außerdem wird es um den seit Wochen schwelenden Streit über den Einsatz von Office-365-Werkzeugen im Unterricht gehen.

Wie für alle Kritiker der Eisenmann-Idee kann sich auch Mittelstaedt keine Einsatzvariante des Microsoft-Angebots vorstellen, wenn der Abfluss von Daten an den US-Konzern nicht geregelt ist. Überhaupt will der LEB wissen, wie es nach dem Aus der Bildungsplattform „Ella“ weitergeht. Dazu müsste sich Baden-Württemberg Schulen im eigenen Land mit funktionierenden digitalen Angeboten orientieren und an jenen Bundesländern, die bereits Lernplattformen in Betrieb genommen haben.

Offiziell wollen die Neugewählten erst nach der Sitzung mit der Kultusministerin ihre Forderungen und eine Einschätzung der Situation an den Schulen publik machen. Inoffiziell hieß es schon nach dem ersten Kontakt, Eisenmann und ihr Team würden nachbessern müssen, um den Anliegen der Elternvertreter in den für alle Beteiligten schwierigen Zeiten gerecht zu werden.

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
8. September 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 23sec

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