Kontakt über soziale Medien nur ein Notnagel

Durmersheim (manu) – Die Via-Kirche freut sich über den ersten Präsenzgottesdienst nach 14 Monaten Pandemiepause. Seit Beginn der Corona-Krise waren nur digitale Andachten der Jugendkirche möglich.

Juliette Krasemann, Chiara Ganz und Tabea Tritsch von „Go(o)d News“ gestalten mit Dieter Janikovits musikalisch den ersten Via-Gottesdienst in der Pandemie. Foto: Manuela Behrendt

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Juliette Krasemann, Chiara Ganz und Tabea Tritsch von „Go(o)d News“ gestalten mit Dieter Janikovits musikalisch den ersten Via-Gottesdienst in der Pandemie. Foto: Manuela Behrendt

Unter dem liturgischen Tagesleitgedanken „Folge mir nach“ erlebte die Pfarrkirche St. Dionysius den ersten Via-Gottesdienst für Präsenzpublikum nach 14 Monaten Pandemiepause. In Anlehnung an die Worte, die Jesus an Petrus gerichtet hatte, stand die Veranstaltung unter dem Titel „Follower: Who are you?“. „Follower“ nennt man Menschen, die in sozialen Medien einem Promi, einem Vorbild oder Thema folgen. Solche „Follower“ waren während der kontaktlosen Zeit in Form von Klicks und Likes auf der Facebook-Seite sowie dem Youtube-Kanal der Jugendkirche auszumachen. Zahllose digitale Andachten und Auftritte stellten die „Viantasten“ ins Netz und gestalteten Livestreams.

Den Organisatoren um Gemeindereferent Dieter Janikovits und Pastoralreferent Markus Westermann war es wichtig, mit den „Viantasten“ in Verbindung zu bleiben. Wie sich im ersten Via-Präsenzgottesdienst unter Corona-Bedingungen herausstellte, war diese Form des Kontakthaltens für die Jugendlichen nur ein Notnagel. Den sozialen Medien ordneten sie Anonymität zu. „Follower sind so was wie flüchtige Bekanntschaften, aber keine richtigen Freunde“, hieß es. Und: „Folgen zu Zeiten Jesu war sehr viel persönlicher, als es heute bei Social Media der Fall ist.“ Wie hoch im Kurs persönliches Miteinander steht, zeigten neben der Bedeutung des Songs „Seite an Seite“ (Christina Stürmer) die 35 Gäste in der Kirche. Nur drei Zuschauer waren dem Livestream an den Bildschirmen zugeschaltet.

Die Lieder „Wo willst du hin?“ (Jennifer Rostock) und „Follow me“ (Uncle Kracker) spiegelten die Gedankenwelt der Teenager. Wohin gehen sie in und mit ihrem Leben? Wollen sie Gott folgen?

Auf Ehrenamtliche kommt mehr Arbeit zu

Das „Quo vadis?“ ließ sich ebenso auf die Zukunft von Via projizieren, denn um die Entwicklung von neuen Perspektiven für die Jugendkirche ging es am Dienstagabend in einer Videoschalte. 15 Teilnehmer, darunter Via-Pioniere der ersten Stunde, Vertreter des Pfarrgemeinderats und des Pfarreiteams sowie Dekanatsjugendreferentin Carina Wacker diskutierten über den Aufbau einer Basisstruktur. Dass sich Via in einen Umbruch begeben muss, diktiert die Strukturreform „Pastoral 2030“ der Erzdiözese Freiburg. Hauptamtliche fallen in der Verwaltungsstruktur der neuen Großpfarrei, die bis 2025/26 an den Start geht (wir berichteten), künftig großflächig weg.

Will sich eine Einzelgemeinde erhalten und weiterwachsen, liegt es ab dem Jahr 2030 an den Ehrenamtlichen, wichtige Leitungsfunktionen und Aufgaben zu übernehmen. Wer will sich neben Schule, Studium, Beruf und Familie aktiv für die junge Kirche engagieren, Gemeinschaften erhalten und erweitern, nach außen offen allen Interessierten Chancen, Möglichkeiten und ein Miteinander im Sinn des Evangeliums anbieten? Innerhalb von vier Säulen, von denen ein pastoraler Mitarbeiter (Referent) der einzige Bistumsangestellte ist, will man für Via ehrenamtliche „Hauptplayer“ als Leitung finden, die parallel zur Pastoral die Themen Gottesdienstgestaltung, Technik und Öffentlichkeitsarbeit zukunftsorientiert bedienen und mit freiwilligen Mitstreitern füllen. Vor Via liegt auf der Strecke bis 2030 ein interessanter Weg. Welche Früchte bis dahin gedeihen, muss sich zeigen.

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