Kontrolleure schließen mehr als 870 Betriebe

Stuttgart (lsw/bjhw) – Lebensmittelkontrolleure haben im vergangenen Jahr insgesamt 871 Betriebe schließen lassen – darunter Restaurants, Bäckereien und Imbissbuden.

Nur 0,3 Prozent der von Kontrolleuren gemeldeten Verstöße im Land waren gesundheitsschädlich. Foto: Uwe Anspach/dpa

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Nur 0,3 Prozent der von Kontrolleuren gemeldeten Verstöße im Land waren gesundheitsschädlich. Foto: Uwe Anspach/dpa

„Es ist bemerkenswert“, sagte Verbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU, Foto: von Ditfurth/dpa) bei der Präsentation des Jahresberichts der Lebensmittelüberwachung, „dass es noch immer Gastronomen gibt, die verschimmelte Lebensmittel in ihrer Küche stehen haben.“ Weniger bemerkenswert ist nach Meinung des für den Verbraucherschutz zuständigen CDU-Ministers, dass solche Gastronomen nicht unentdeckt bleiben angesichts von insgesamt gut 118000 Kontrollbesuchen im vergangenen Jahr. Immerhin 16 Prozent der 238000 Betriebe wurden beanstandet und gut ein Prozent ganz geschlossen.

Wer ist wofür zuständig?

In Baden-Württemberg sind die unteren Lebensmittelüberwachungsbehörden bei den Stadt- und Landkreisen für die Überwachung der Lebensmittelkette verantwortlich – „vom Acker bis zum Teller“. Das Spektrum reicht von der kleinen Imbissbude bis zum Weltkonzern oder von der handwerklichen Bäckerei bis zur Großkantine. Auch Betriebe, die kosmetische Mittel, Bedarfsgegenstände oder Tabakerzeugnisse in den Verkehr bringen, werden überwacht.

Welche Schwerpunkte gab es 2019?

Dauerthema bleibt die Trinkwasserüberwachung im Hinblick auch auf per- und polyfluorierte Chemikalien, zumal in der Rheinschiene. Entnommen wurden 93 Proben, 26 davon stammten aus dem Raum Rastatt/Mannheim. „Nur einzelne Proben wiesen Spuren jeweils einer PFC-Einzelsubstanz nahe der Bestimmungsgrenze auf“, schreiben die Kontrolleure. Und weiter: „In 19 Proben waren PFC analytisch nachweisbar, aber häufig, insbesondere bei den Proben aus öffentlichen Wasserversorgungen, mit Befunden jeweils deutlich unter dem allgemeinen Vorsorgewerten.“ Insgesamt werden an rund 8000 Stellen im Land regelmäßig Trinkwasser-Proben genommen, rund acht Prozent wurden beanstandet.

Wie oft kommt es zur Überschreitung von Grenzwerten?

Nur 0,3 Prozent der 48000 Proben von Lebensmitteln, Wasser, Kosmetika und Tabak waren nach Hauks Worten gesundheitsschädlich. Verstöße gibt es aber auch unterhalb dieser Schwelle, etwa wenn die Konsumenten getäuscht werden. Ein Beispiel lieferten die Untersuchungen von Oregano-Proben. Bei 71 Prozent kam es zu Beanstandungen, auch weil ein leberschädigendes und möglicherweise auch krebserregendes Gift gefunden wurde. Weit überwiegend wurden aber Beimischungen enttarnt, etwa Olivenblätter – in einem Extremfall von 65 Prozent. Verkauft wurde das Gewürz aber als hochwertiger Oregano. In 19 von 20 Proben Paprikapulver fanden Kontrolleure Pestizidrückstände, die über dem gesetzlich festgelegten Höchstgehalt lagen. Alle Proben waren aber gesundheitlich unbedenklich. Und in 15 von 30 Kurkumaproben war der Bleigehalt zu hoch, aber ebenfalls unbedenklich.

Gibt es neue Forschungsergebnisse?

Zum Beispiel wird in den Laboren in Karlsruhe und Freiburg im Projekt „Food-Fraud-Analytik gegen Lebensmittelbetrug“ Verfälschung und Fehldeklaration nachgegangen, unter anderem im Biobereich. Entwickelt seien Verfahren, die – zum Beispiel für Honig – „gleichzeitig die Qualität und die Sortenangabe überprüft werden kann“, heißt es im Bericht. Auf diese Weise kann vergleichsweise einfach echter von falschen Waldhonig unterschieden und die Verbraucher vor Täuschung geschützt werden.


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