Konzertabend in Aloys-Schreiber-Schule in Bühl

Bühl (jo) – Song-Recycling mit eigener Handschrift: Bei einem Konzertabend im Schulhof der Aloys-Schreiber-Schule haben Sandie Wollasch und Matthias Hautsch mit Neuinterpretationen verblüfft.

Nach langer Zeit endlich wieder ein Publikum: Sandie Wollasch und Matthias Hautsch bei „Kultur im Klappstuhl“. Foto: Joachim Eiermann

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Nach langer Zeit endlich wieder ein Publikum: Sandie Wollasch und Matthias Hautsch bei „Kultur im Klappstuhl“. Foto: Joachim Eiermann

Eine Stimme, eine Gitarre und etwas Technik. Mehr Mittel bedarf es nicht, um einen kurzweiligen Konzertabend zu gestalten. Beim Auftritt von Sandie Wollasch (Gesang) und Matthias Hautsch (Gitarre) am Freitagabend bei „Kultur im Klappstuhl“ im Schulhof der Aloys-Schreiber-Schule ist bereits nach wenigen Takten auch dem Letzten klar, dass diese Darbietung so gar nichts mit Lagerfeuer-Geklampfe zu tun haben wird. Vielmehr stehen zwei Profis auf dem Podest, die ihre Musik leben.

Seit 25 Jahren sind der versierte Saitenkünstler und die Vokalistin mit der ausdrucksstarken und wandlungsfähigen hellen Stimme musikalische Partner – als Duo und in Bandbesetzungen. Trotz der langen Zusammenarbeit und der zwangsläufigen Routine ist ihre Performance nicht eingefahren, sondern lieben es beide geradezu, mit bekannten und auch weniger bekannten Songs zu experimentieren. Sie zerlegen die Originale in ihre Einzelteile, betreiben sozusagen Recycling, um mit eigener Handschrift etwas Neues für die Unplugged-Bühne zu kreieren. Von Coverversionen hat dies kaum etwas gemein.

Rythmusgeber und Solist zugleich

Selbst dem angestaubten Cole-Porter-Song „I get a kick out of you“ gewinnen sie auf diese Weise neue Aspekte ab. Eine groovende Version des Jazz-Klassikers mit Scatgesang-Improvisation und rasantem Gitarrensolo sorgt für den ersten Höhenflug eines abwechslungsreichen Abends. Hautsch liebt es, seinem Instrument schwebende Flageoletttöne zu entlocken oder es trommelnd Zweck zu entfremden. Mit dezent eingesetzter Sampler-Technik ist er zudem Rhythmusgeber und Solist zugleich.

Etwas aufgekratzt wirken beide, nach langer Zeit endlich wieder vor Publikum auftreten zu können. „Wir sind Musiker. Das ist unser Beruf“, hat Sandie Wollasch den 150 Klappstuhl-Besitzern noch vor dem ersten Ton klar gemacht. Die Zwangspause nutzte sie, um auch eigene Lieder zu schreiben, darunter eines über die Pandemie, den einerseits „großen Albtraum“, der andererseits viel Zeit geboten habe, die einfachen Dinge des Lebens zu genießen. In „I got time“ schildert sie die schönen Momente des Innehaltens. Um keinesfalls missverstanden zu werden, fügt sie hinzu: „Wir wünschen uns alle, dass es bald vorbei ist.“ Zu den traurigen Erlebnissen zählt, einen jungen Musikerfreund aufgrund der Krise verloren zu haben. Ihm widmet das Duo eine berührende Interpretation von Amos Lees „Black River“.

„Freddie hätte die Flöte gefallen“

Die aus Rastatt stammende Sängerin erinnert auch an den Tod von Freddie Mercury, der sich zum 20. Mal jährt: „Es gibt keinen Sänger, den man mehr verehren kann.“ Das Duo tut’s aufs seine Weise und die Zuhörer dürfen staunen. Die zumeist opulenten Queen-Songs werden filetiert und neu zubereitet. Dabei nimmt sich das Duo alle Freiheiten. Die Stadionrock-Hymne „We will rock you“ als Ballade mit Blockflöte zu eröffnen, gleicht fast schon einer Provokation, zeugt aber vom Witz und Einfallsreichtum der beiden. Letztendlich mündet das Ganze in den gewohnten Stampf-Rhythmus und nahezu alle machen mit. „Freddie hätte die Flöte gefallen“, meint Wollasch augenzwinkernd. Ähnliche Finessen bieten weitere Queen-Neuinterpretationen, die in Kürze als Album veröffentlicht werden.

Nach anderthalb Stunden und zwei Zugaben werden die Klappstühle wieder eingepackt. Der städtische Fachbereichsleiter Klaus Dürk dankt den Künstlern mit Präsenten „für einen wunderbaren Abend“. Einen zweiten Blumenstrauß hat er für Julia Huber mit. Die Kulturabteilungsleiterin ist Ideengeberin und Organisatorin der „Klappstuhl“-Reihe. Sandie Wollasch wird am 12. September an gleicher Stelle nochmals auftreten, dann als Gastsängerin der Bühler Big Band „Brass & Fun“.

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Erstellt:
9. August 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 42sec

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