Kooperation als Leitidee für Kunsthallen-Schau

Baden-Baden (cl) – Kooperation als Schlüsselerlebnis: In der Gruppenausstellung „Conditions of a Necessity“ vereint die Kunsthalle Absolventen von sechs Kunsthochschulen. Die Schau öffnet am Samstag.

Ein bisschen wie bei „Godot“: Die Performance in der Kunsthalle dreht sich ums Warten an der Raststätte. Am Samstagnachmittag ist die Eröffnung.  Foto: Thomas Viering

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Ein bisschen wie bei „Godot“: Die Performance in der Kunsthalle dreht sich ums Warten an der Raststätte. Am Samstagnachmittag ist die Eröffnung. Foto: Thomas Viering

Gemeinsam gestalterisch tätig zu sein, ist angesichts einer Pandemie und immer wieder auferlegten Kontaktbeschränkungen keine leichte Aufgabenstellung. Für die neue Ausstellung „Conditions of a Necessity“ in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden haben sechs Kunsthochschulen von Stuttgart, Nürnberg, Leipzig, Berlin, Bremen bis Hamburg Formen des genreübergreifenden Schaffens ausprobiert. Entwickelt wurde die Ausstellung in der Zeit des Lockdowns 2020. Viel wurde übers Internet kommuniziert, in Grüppchen geprobt. Am Samstag wird die Schau mit Performances eröffnet.

Über allem steht die nicht so neue Erkenntnis der Künstler und Kuratoren: Kommunikation und Kollaboration könnten tendenziell als Lösungsansätze für Probleme unserer Zeit dienen. Es ist eine in der Menschheitsgeschichte seit Längerem praktizierte Kulturtechnik, bei der ein Individuum zur Kooperation bereit ist, wenn sich dadurch die eigenen Erfolgsaussichten erhöhen. Diese vielfältig aufgegriffenen Gedankenspiele hierzu subsumiert die Ausstellung laut Kuratoren-Team (Patricia Reed und Egemen Demirci) unter dem althergebrachten Begriff Allmende – hier als Synonym für kollektives Zusammenwirken zum Wohle des Einzelnen wie der Gruppe. Den Kooperationsgedanken der Kunsthochschulabsolventen folgt das kuratorische Programm folgerichtig mit dem bewährten Ansatz der Gruppenausstellung.

Die multikulturelle Gruppenausstellung „Notwendige Bedingungen“ knüpft an das Performance- und Theaterprogramm vom Herbst 2020 an. Ursprünglich war die Münchner Regieklasse des Theaterregisseurs Sebastian Baumgarten noch dabei. Bei der Ausstellung hat die Experimentalfilmerin und Professorin für Medienkunst in Berlin, Hito Steyerl, im Hintergrund mitgewirkt.

Die angehenden Künstlerinnen und Künstler bespielen die Säle des Ausstellungshauses des Landes Baden-Württemberg jeweils nach Hochschulen getrennt – und vereinen ihre Kunstanordnungen mit viel Video und analogen Rauminstallationen im großen Oberlichtsaal. In der ersten Rauminstallation kreisen die Gedanken um das Warten an einem Durchgangsort, der Raststätte, wo ein angeblicher Vogelfreund, ähnlich wie bei Becketts „Warten auf Godot“, nicht auf die Ankunft eines anderen motorisierten Mitmenschen wartet, sondern auf einen Vogelschwarm, der aber geräuschehalber kommt.

Baden-Baden behält die die klischeehafte Rolle

Mit der performativen Installation einer angedeuteten Raststätte samt dürren Sträuchern und Sitzgelegenheiten wird die Schau am Samstagnachmittag eröffnet; die Vorführung ist laut Künstlergruppe das Ergebnis eines zehntägigen Aufenthalts auf Raststätten. Ihr Thema ist der Mensch und die Natur – und sind wohl auch die unterschiedlichen Ansätze individueller Begegnung und Kooperation beider Arten. Im Schwimmbad-Video – groß projiziert auf die Wand des hinteren Oberlichtsaals – wird heitere Gruppendynamik mit Schwimmnudel spielerisch aufgegriffen. Zwei Künstlerinnen-Duette gehen in einem anderen Raum dem Phänomen sozialer Distanzen in der Pandemie bei vollem Körpereinsatz nach. Der mehr politische Ansatz mit einem stilisierten Amazon-Lager und Touchscreen als spielerische Kommunikationsplattform geht der Frage nach: Werden wir nur noch von Logistik-Systemen und Internetgiganten regiert? Am Runden Tisch können Ergebnisse eines 2020 einberufenen Symposiums politischer Aktivisten zu globalen Widerstandsbewegungen von Hongkong bis zur Ukraine nachvollzogen werden: über Videoaufzeichnungen und zum Mitwirken am Computerspiel.

Die Kunsthalle fungiert als Spielwiese für all diese vielfältigen Ansätze von Kooperation, in denen viele offenen Fragen aufgeworfen werden. Bei der stereotypen Verortung der Ausstellung fällt Baden-Baden die klischeehafte Rolle als Blase des „erholsamen Rückzugsorts“ zu, wird von den Kuratoren gar als „Raum der Zeit außerhalb der Zeit“ gehandelt. Zu sehen bis 16. Januar 2022.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
4. Dezember 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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