Kooperation mit Hochschulnetz endet

Stuttgart/Rastatt/Baden-Baden (bjhw) – Neun Oberbürgermeister, darunter auch aus Mittelbaden, haben einen Brandbrief ans Kultusministerium geschrieben – sie sorgen sich um die Unterrichtsqualität.

 Digitale Vernetzung wird auch für das Lernen an Schulen immer wichtiger – hier eine Schule im niedersächsischen Ort Gehrden. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Digitale Vernetzung wird auch für das Lernen an Schulen immer wichtiger – hier eine Schule im niedersächsischen Ort Gehrden. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Digitalisierung an Baden-Württembergs Schulen steht unter keinem guten Stern, seit vor drei Jahren die Bildungsplattform „ella“ floppte. Corona hat einerseits den Nachholbedarf unterstrichen, zugleich aber viele neue Angebote auf den Weg gebracht. In Sorge um deren Zukunft und die Qualität des Unterrichts an ihren Schulen haben sich neun Oberbürgermeister und Bürgermeister aus dem Land, darunter Baden-Baden, Bühl, Gaggenau und Rastatt, mit einem Brandbrief ans Kultusministerium gewandt. Hintergrund ist das Ende der Zusammenarbeit mit dem Hochschulnetz BelWü. In einer ersten Reaktion auf Anfrage des BT sagt das Kultusministerium „eine entsprechende Vorlaufzeit“ für die notwendigen Umstellungen zu, personelle Unterstützung und Gespräche zum weiteren Vorgehen.

Wie ist der Unterricht konkret betroffen?
Nach dem aktuellen BelWü-Arbeitsbericht sind mehr als 3.200 Schulen an das Netz angeschlossen. Es geht um den Mailverkehr, um Homepages, Lernplattformen und Fernlernangebote, um digitale Aufgaben oder Korrekturen. Die Abkürzung steht für Baden-Württembergs extended Lan. Verbunden über schnelle Datenleitungen sind die neun Unis, die 25 Fachhochschulen und die Standorte der Dualen Hochschule mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen. BelWÜ hat sich im März 2020, am Beginn des ersten Lockdown, bereit erklärt, interessierte Schulen zu unterstützen. Dies sei, sagt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne), „unmittelbar und gerne geschehen, aber immer nur eine Brücke und keine Dauerlösung gewesen“.

„Großes Unverständnis“ für Einstellung

Was wollen die Schulträger mit ihrem Brief erreichen?
„Die Schulen in unserer Trägerschaft, einschließlich der städtischen Schulverwaltung, befinden sich aufgrund der pandemiebedingten Herausforderungen an der Leistungsgrenze und haben keine Ressourcen frei, um sich ad hoc um den Aufbau von dringend benötigten Schulhomepages und andere für den Schulbetrieb existenzielle Dienste zu kümmern“, heißt es in dem Schreiben an den neuen Ministerialdirektor Daniel Hager-Mann. Kritisiert wird die Einstellung „eines flächendeckend sehr gut funktionierenden Systems, so dass jede Kommune/Schule nun individuelle Lösungen erarbeiten und entsprechende Dienstleister hierfür suchen muss“. Neben dem „großem Unverständnis“ für die Ankündigung der Einstellung von schulischen Diensten durch BelWü ist auch die Bitte an Hager-Mann geäußert, sich für eine Rücknahme beziehungsweise Verschiebung der beabsichtigten Einstellung einzusetzen.

Wie können sich Schulen helfen?
Vor Ort haben viele Kollegien während der Pandemie ohnehin eigene Digital-Lösungen entwickelt. Diese oder Teile davon könnten aber nicht zur angestrebten landesweiten neuen Bildungsplattform passen. Es sei außerdem völlig unverständlich, so Ralf Scholl, der Landesvorsitzende des Philologenverbands, dass eine bestehende Struktur verändert werde, ohne funktionierenden Ersatz bereitzustellen. „Der Zeitpunkt ist ungünstig und sorgt bei den Schulen für Unsicherheit“, sagt auch der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), David Warneck.

Ministerium: Ausreichend Zeit für Übergang

Wie will das Ministerium vorgehen?
Es handle sich um „zwingende Veränderungen“, so ein Sprecher auf BT-Anfrage, „die nicht aus einer Initiative des Kultusministeriums resultieren“. Wichtig sei: „Moodle und E-Mail-Services stehen weiterhin ohne Einschränkungen zur Verfügung, und es ist ausreichend Zeit für den Übergang.“ Deshalb könne auch „von einer Ad-hoc-Umstellung keine Rede sein“.

Zudem würden Gespräche geführt, um Lösungen zu finden. Die Fachleute im erstmals grüngeführten Haus versprechen, dass alle für den Fernunterricht und die Kommunikation der Schulen unerlässlichen Dienste nötigenfalls bis 2024 sowohl weiterbetrieben als auch weiterentwickelt werden. Danach soll die neue Digitale Bildungsplattform dann tatsächlich stehen.

Ihr Autor

Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
28. Mai 2021, 10:44 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

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