Kopf der Städtepartnerschaft mit Jalta

Baden-Baden (co) – Gerhard Ell kann am heutigen Freitag seinen 90. Geburtstag feiern. Der ehemalige Schulleiter hat die Städtepartnerschaft mit Jalta ins Leben gerufen.

Ehrenbürger von Jalta: Gerhard Ell, der heute seinen 90. Geburtstag feiert.  Foto: Conny Hecker-Stock

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Ehrenbürger von Jalta: Gerhard Ell, der heute seinen 90. Geburtstag feiert. Foto: Conny Hecker-Stock

Wenn Gerhard Ell am heutigen 11. Dezember seinen 90. Geburtstag feiert, dann schwingt ein wenig Wehmut mit. Das geplante Fest fällt der Corona-Pandemie zum Opfer, wofür der einstige FDP-Gemeinderat und engagierte Kopf der Städtepartnerschaft mit Jalta jedoch vollstes Verständnis hat.

Gerhard Ell war während seiner beruflichen Laufbahn Pädagoge mit Herz und Seele. In Achern geboren, legte er nach dem Abitur an der Heimschule Lender 1952 sein erstes Staatsexamen ab. Im selben Jahr begann er seinen Unterricht an der Grundschule in Gamshurst und wechselte dann für zwei Jahrzehnte nach Großweier, wo er mit 28 Jahren jüngster Schulleiter Baden-Württembergs wurde.

„Als Lehrer auf dem Land war die aktive Mitgliedschaft in Vereinen immens wichtig“, erinnert sich Ell mit einem Schmunzeln an seine zusätzlichen Ämter als Schriftführer des Angelvereins, Präsident der Narrenvereinigung und Gemeinderat in Großweier. Doch irgendwann wollte er sich beruflich verändern und bewarb sich mit 45 Jahren an die Vincentischule Baden-Baden, die er bis zu seiner Pensionierung 1993 leitete. Dass er im Lehrerkollegium von 25 Damen umgeben war, gab allerdings nicht den Ausschlag für seine Wahl, sagt er rückblickend mit einem Augenzwinkern.

Für eine Wahlperiode im Gemeinderat

Politisch imponierte Gerhard Ell anfangs die Baden-Badener Bürgervereinigung und deren „sehr grünes Konzept“. Als dann die FDP auf ihn zukam, empfand er das Programm beider Parteien als „gar nicht so weit auseinander“, und so zog er 1989 für eine Wahlperiode für die FDP in den Gemeinderat ein. Doch der damalige Oberbürgermeister Ulrich Wendt hatte ihn bereits für eine ganz andere Aufgabe im Visier. „Sie sind doch noch zu jung, um sich aufs Altenteil zurückzuziehen“, habe Wendt ihm seinen Wunsch nach Ells Engagement in einer Jumelage mit Jalta signalisiert.

Für Gerhard Ell und seine Frau Uta, die er 1978 an der Vincentischule kennen und lieben lernte, wurde ihr unermüdlicher Einsatz um Jalta rasch zur Herzenssache. Gemeinsam mit Anna Komarova, der dortigen Leiterin der Musikschule, organisierte er sehr schnell einen musikalischen Schüleraustausch mit dem Markgraf-Ludwig-Gymnasium und brachte die Unterstützung von etwa 100 Angehörigen der Krim-Philharmonie in Gang. Er setzte sich für besonders bedürftige, zur Zeit des Faschismus von Hitler oder Stalin verfolgte alte Menschen ein, unterstützte kirchliche Gemeinschaften sowie insbesondere das Krankenhaus und das Waisenhaus in Jalta. Unermüdlich rührte der Jubilar die Werbetrommel und sammelte Spenden. Seien das rund 100 Betten des Klinikums Mittelbaden, unzählige ausgemusterte Brillen und Hörgeräte oder 20 Tonnen Sachspenden für das Waisenhaus mit Bettwäsche, Nähmaschinen und Küchengeräten. Sehr viele Baden-Badener unterstützten diese über Polen nach Jalta geleiteten Hilfstransporte finanziell und materiell – so die Firma Bauer unter anderem mit einer kompletten sanitären Ausstattung. Ein hiesiger Freundeskreis sorgte für die gerechte Verteilung vor Ort. Mit der Annexion der Krim durch Russland wurde diese Hilfe schlagartig unterbunden. Ell, der zwölf Oberbürgermeister in Jalta erlebt und nach wie vor viele Freunde dort hat, bleibt objektiv: Putin habe eine Krankenversicherung eingeführt, viele Berufsgruppen und auch Rentner hätten heute deutlich mehr Geld auf dem Konto als vorher.

Bisher 37 Besuche auf der Krim

Bei ihren bisher 37 Besuchen auf der Krim seit 1991 brachten die Ells über 1200 Baden-Badenern ihre östliche Partnerstadt näher. Der Jubilar ist Träger des Bundesverdienstkreuzes, erhielt die Verdienstmedaille der Stadt Baden-Baden, er ist Ehrenbürger der Stadt Jalta, wurde für seine humanitären Verdienste geehrt und ist Ehrenmitglied der FDP.

Bis vor vier Wochen war der immer noch schneidige Gerhard Ell begeisterter Motorradfahrer. Doch dann redete ihm die Oberbürgermeisterin aus eigener leidvoller Erfahrung erfolgreich ins Gewissen, und so hängte der 90-Jährige jetzt den Helm an den Nagel.

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Erstellt:
10. Dezember 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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