„Kosmos Kaffee“ im Naturkundemuseum Karlsruhe

Karlsruhe (cl) – Vom Heuduft zum Röstaroma: In der Ausstellung „Kosmos Kaffee“ stellt das Naturkundemuseum Karlsruhe bis 6. Juni 2021 die braune Bohne biologisch, gesellschaftlich und genussvoll dar.

Eine gute Tasse Kaffee ist für viele aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Außergewöhnliche Exponate, echte Kaffeepflanzen, Medienstationen und viel Wissenswertes rund um die Welt des Kaffees zeigt das Naturkundemuseum Karlsruhe.  Christin Klose/dpa

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Eine gute Tasse Kaffee ist für viele aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Außergewöhnliche Exponate, echte Kaffeepflanzen, Medienstationen und viel Wissenswertes rund um die Welt des Kaffees zeigt das Naturkundemuseum Karlsruhe. Christin Klose/dpa

Der Duft frisch gerösteten Kaffees schwebt durchs Museum – die grünen abgeernteten Kaffeekirschen hingegen riechen noch nach frischem Heu. Im Staatlichen Naturkundemuseum Karlsruhe kommen Kaffeetrinker voll auf ihre Kosten, dabei werden in der neuen Ausstellung „Kosmos Kaffee“ Sinne und Wissensdurst gleichermaßen bedient.
In fünf Themenbereichen widmet sich die am Mittwochabend neu eröffnete Ausstellung dem liebsten Getränk der Deutschen – nicht weniger als 162 Liter pro Kopf werden laut den Kuratoren hierzulande pro Jahr getrunken. Mit außergewöhnlichen Exponaten wie der kleinsten Kaffeemaschine der Welt, mit echten Kaffeepflanzen, Medienstationen und interaktiven Elementen vermittelt die Schau viel Wissenswertes rund um die kleine Bohne mit dem braunen Kern.
Düfte, Geräusche und Fühlstationen machen den „Kosmos Kaffee“ dabei mit allen Sinnen erlebbar. Das Karlsruher Naturkundemuseum hat die Ausstellung aus dem Deutschen Museum in München übernommen – und im ehrwürdigen Haus am Friedrichsplatz, wo sonst überwiegend Dinos, Reptilien und geologische Begebenheiten global wie südbadisch zu Hause sind, in großem Umfang ausgebreitet.

Wundertrank im heutigen Äthiopien entdeckt

„Es ist zuallererst ein botanisches Thema, das mit der Kaffeepflanze beginnt“, erklärt Ausstellungsplanerin Constanze Hampp vom Naturkundemuseum Karlsruhe – so behandele das Ausstellungsthema naturwissenschaftliches Basiswissen über das Massenprodukt Kaffee und schaue sozusagen über den „Kaffeetassentellerrand“ hinweg auf chemische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte des Kaffeegenusses weit hinaus.
Der Blick des Besuchers wandert zunächst über grüne Blätter, weiße Blüten, rote Früchte, in den eingerichteten „Kaffeewald“, aus dem Dschungelgeräusche ans Ohr dringen, während man die Pflanzen interaktiv sprießen lassen kann.
Seit der „Entdeckung“ des Kaffees im heutigen Äthiopien hat der dunkle Wundertrank seinen Siegeszug um die Welt angetreten. Der aus Afrika stammende Kaffee wird heute aber auch in Asien und Südamerika angepflanzt: Über 100 Arten gibt es, aber nur wenige sind von Bedeutung in der Kaffeeherstellung, allen voran Coffea arabica und Coffea canephora, kurz Arabica und Robusta genannt. Das Klimaregal zeigt, welche Auswirkungen die Erderwärmung und die Bedrohung durch Krankheiten auf den Anbau haben.

Kaffeehandel ein globales Milliardengeschäft

Auch die Wechselwirkungen im eigenen Körper nach dem Kaffeegenuss werden anschaulich. „Auf der chemischen Ebene soll ein Spinnenversuch demonstrieren, welche Wirkungen Kaffee auf den Körper von Mensch und Tier wohl hat – so entstand das schlimmste Netz, das man sich vorstellen kann, vergleichbar mit einem LSD-Trip“, erläutert Hampp.
Der Kaffeekult ist nicht nur ein Freizeitritual, sondern hat auch eine politische Komponente, denn beim großen Braunen in Österreichs Kaffeehäusern wurden jahrhundertelang Staatsgeschäfte verhandelt.
Der Kaffee ist eines der begehrtesten Handelsprodukte und ein globales Milliardengeschäft, das an den großen Börsen dieser Welt verhandelt wird. Am Anfang der Handelskette stehen die Produzenten, die Menschen, die rund um den Äquator den Kaffee anbauen, und ihre Arbeitsbedingungen. Das bedeutet für die kleinen Kaffeebauern nicht selten Ausbeutung in großem Stil – in früheren Zeiten war die Ernte der kostbaren Bohnen Sklavenarbeit, und ist es im Grunde heute noch, weil die kleinen Anbauer kaum adäquat dafür entlohnt werden. Auch die relativ junge Fair-Trade-Bewegung ist im Naturkundemuseum Thema. Elemente wie das „Kaffeeanbau-Spiel“ zeigen die Zusammenhänge spielerisch auf.
Auf der Reise in die vielfältige Welt des Kaffees darf natürlich am Ende auch nicht der Genuss fehlen: „Wir haben unsere Ausstellung den Corona-Bedingungen anpassen müssen“, sagt Planerin Hampp – dementsprechend gebe es in der Schau selbst keine Möglichkeit, Kaffee zu trinken, dafür im Museumscafé und im Shop, wo die verschiedenen Aromen der Röstungen ausprobiert werden können. Die Ausstellung läuft bis zum 6. Juni 2021. Ein Video von der Ausstellungseröffnung finden Sie hier:


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