Kostbares Gut wird teurer

Bühl (sre) – Der Zweckverband Wasserversorgung Bühl und Umgebung will Millionen investieren, um die die Versorgung mit dem kostbaren Gut zu gewährleisten.

Das Klima wird wärmer und trockener, die Quellschüttung nimmt ab: Wasser kommt eben nicht einfach so aus dem Gartenschlauch. Foto: Frank Rumpenhorst

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Das Klima wird wärmer und trockener, die Quellschüttung nimmt ab: Wasser kommt eben nicht einfach so aus dem Gartenschlauch. Foto: Frank Rumpenhorst

Heiße, trockene Sommer, weniger Quellschüttungen, immer mehr Bedarf an Gießwasser: Auch in Mittelbaden denkt man in Zeiten des Klimawandels über die Lebensgrundlage Wasser nach. Wie kann die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung langfristig sichergestellt werden? Und was wird das kosten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch ein Strukturgutachten, das nun Thema im Bühler Gemeinderat war.

In Auftrag gegeben hatte dieses der Zweckverband Wasserversorgung Bühl und Umgebung, zu dem auch Ottersweier und Bühlertal gehören. Bewertet und auf die Zukunftsfähigkeit hin untersucht wurde die aktuelle Struktur der Wasserförderung, Wasseraufbereitung, Transportspeicherung und Verteilung. Außerdem wurden Maßnahmen erarbeitet, mit denen die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung künftig sichergestellt werden kann, sowie deren voraussichtliche Kosten.

Anstieg bei Bedarf an Gießwasser

Eines der Probleme: In den drei Tiefbrunnen am Wasserwerk Landmatt sowie dem Tiefbrunnen am Wasserwerk Balzhofen musste in den letzten beiden Jahren zum Teil deutlich mehr Grundwasser gewonnen werden, als eigentlich wasserrechtlich erlaubt wäre. Denn: In den Sommermonaten stieg der Bedarf an Gießwasser, wie Stadtwerke-Chef Rüdiger Höche ausführte, gleichzeitig gibt es zunehmend weniger Quellwasser. Und der Trend wird sich fortsetzen, stellt das Gutachten fest. Deshalb soll nun unter anderem die Erhöhung des Wasserrechts Balzhofen beantragt werden: Statt wie bisher 340.000 Kubikmeter Wasser sollen künftig 800.000 Kubikmeter pro Jahr entnommen werden dürfen.

Mehrere Jahre bis zur Genehmigung

„Ich hätte nicht gedacht, dass im Rheingraben Wassermangel auftreten kann, aber wir bewegen uns dahin“, stellte Karl Ehinger (Freie Wähler) in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch fest. Er wollte wissen, ob durch die verstärkte Wasserförderung in Balzhofen der Grundwasserspiegel absinken könnte. Im Bereich des Wasserwerks werde dies sicher eintreten, bestätigte Höche – schließlich wolle man mehr als die doppelte Menge Wasser fördern. Details würden in dem wasserrechtlichen Verfahren geklärt. Bis zu einer Genehmigung werde es sicher noch zwei Jahre dauern.

Das ist aber nicht die einzige Maßnahme, die vorgeschlagen wird. So will der Zweckverband den Hochbehälter Hard erneuern, alternativ wäre der Anschluss Ottersweiers an den Hochbehälter Hollebach denkbar. Auch ein neuer Tiefbrunnen soll gebaut werden.

Investition von 7,2 Millionen Euro nötig

Intensiviert werden soll darüber hinaus die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Zweckverband „Am Alten Brunnen“, der dafür ebenfalls noch einen neuen Brunnen bauen müsste. Den Kommunen Lichtenau und Rheinmünster, die in diesem Zweckverband organisiert sind, liegt ein entsprechender Vorschlag zur Zusammenarbeit bereits vor.

Für eine Verbundlösung soll, so das Gutachten, unter anderem eine 3,5 Kilometer lange Verbundleitung gebaut werden. Eine Option wäre auch ein gemeinsames Wasserwerk oder ein gemeinsamer weiterer Brunnen. Man wolle aber keine Fusion der beiden Zweckverbände, sondern strebe eine vertragliche Lösung an, sagte Höche auf Nachfrage von Georg Feuerer (CDU).

7,2 Millionen Euro

Billig sind all diese Schritte natürlich nicht: Eine Kostenschätzung für die verschiedenen Maßnahmen geht von einem Investitionsbedarf von 7,2 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren aus. Dadurch werde auch der Wasserpreis steigen, kündigte Stadtwerke-Chef Höche auf eine Nachfrage von Ludwig Löschner (GAL) an. Er rechne mit einer Erhöhung um etwa 22 bis 25 Cent pro Kubikmeter für die Verbandsmitglieder ab 2024. Die von Löschner angesprochene Gefahr, dass Inhaltsstoffe wie Nitrate in den Brunnen landen könnten, sinke: Die Nitratkonzentration habe in den vergangenen Jahren abgenommen.

Peter Hirn (SPD) wollte wissen, ob der Regen der vergangenen Wochen die Grundwasserreserven aufgefüllt habe. Die gefallenen Mengen seien gut, antwortete Höche. Es wäre aber in dieser Hinsicht gut, wenn das Wetter bis Ostern so bliebe. Momentan sinke der Grundwasserspiegel im Bereich des Verbands wenigstens nicht weiter ab. Das sei aber nicht überall so: Südlich von Bühl sinke der Spiegel jährlich um 26 Zentimeter. Auch er selbst hätte sich, gab Höche zu, vor 20 Jahren noch nicht vorstellen können, „dass wir so einen dramatischen Einbruch haben“.

Sparsamer Umgang mit der Ressource

Über die Bedeutung der Thematik und die Notwendigkeit der Maßnahmen herrschte im Gemeinderat Einigkeit. So wiesen Walter Seifermann (GAL) und Margret Burget-Behm (CDU) auf die immense Bedeutung des Wassers als Grundnahrungsmittel hin. Die Investitionen seien der richtige Weg, ergänzte Lutz Jäckel (FDP). Johannes Moosheimer (FW) fragte nach Möglichkeiten, um etwa über ein Beratungsangebot dazu beizutragen, Wasser einzusparen.

Auch da ist die Stadt Bühl auf einem guten Weg, machte Höche klar: In der Zwetschgenstadt sei der Bedarf in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, unter anderem durch effizientere Wasch- und Spülmaschinen und die Wiederverwendung von Kühlwasser in der Industrie. Landesweit sei der Verbrauch pro Einwohner und Tag hingegen gestiegen. Grund sei der Bewässerungsbedarf in den langen Trockenperioden.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

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Erstellt:
6. Februar 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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