Kreative Idee für Neues Schloss

Baden-Baden (BNN) – Ein Architekturstudent hat in seiner Masterarbeit neue Ideen für das seit Jahren leer stehende Neue Schloss in Baden-Baden entwickelt. Die Stadt findet das Konzept „interessant“.

Setzt auf einen Mehrklang aus Kunst- und Medienakademie, Galerie, Museum und Gastronomie: Architekturstudent Igor Geist. Foto: Bernd Kamleitner/BNN

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Setzt auf einen Mehrklang aus Kunst- und Medienakademie, Galerie, Museum und Gastronomie: Architekturstudent Igor Geist. Foto: Bernd Kamleitner/BNN

Das Neue Schloss thront hoch oben über Baden-Baden. Doch eines der bedeutendsten Bauwerke in Badens Geschichte hat sich vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind entwickelt. Die Pläne für ein Luxushotel in den historischen Gemäuern sind gescheitert. Ein Karlsruher Architekturstudent hat sich in seiner Masterarbeit mit einer alternativen Schlossnutzung beschäftigt. Sein Ansatz: eine Akademie für Neue Künste und Medien mit Galerie, Museum und Gastronomie.

„Meine Arbeit dient als Anregung“, sagt Igor Geist. Dem Architekturstudenten der Hochschule Karlsruhe ist bewusst, dass die denkmalgeschützte Immobilie in Privatbesitz ist. Was letztendlich mit dem Schloss geschieht, liegt nicht in seiner, sondern in der Hand des Eigentümers. „Es ist eine Idee, wie ich es machen würde, wenn ich die Möglichkeit hätte.“ Der junge Mann lebte in der Vergangenheit zeitweise in Baden-Baden. Nach einem Kontakt zu FBB-Stadtrat Martin Ernst befasste er sich näher mit der Immobilie und wählte sie schließlich als Thema für die wissenschaftliche Arbeit.

Sein vorrangiges Ziel bei der künftigen Nutzung des Schlosses: Das, was da ist, möglichst erhalten. Die bisherigen Hotelpläne mit dem Bau von Luxuswohnungen im Schlosspark haben nach seiner Sicht dagegen wenig mit einem respektvollen Umgang mit dem Bestand zu tun. Bauen im Bestand soll für ihn ein Schwerpunkt im späteren Berufsleben als Architekt werden. „Altes mit Neuem kombinieren, das reizt mich.“

Nutzung sollte auch Einnahmen bringen

Eine Option, um eine alternative Nutzung zu den Hotelplänen in die Wege zu leiten, ist für den jungen Mann ein Erwerb des Schlosses durch die Stadt. Die könnte dann einen Wettbewerb ausschreiben, um konkrete Vorschläge zu erhalten. Der Architekturstudent räumt ein, dass das vor allem eine Finanzfrage ist. Deshalb sollte eine Nutzung angestrebt werden, die auch Einnahmen bringe. Welche Kosten anfallen würden, um das Projekt in seinem Sinne zu stemmen, dazu macht Geist keine Aufgaben. Die Kostenermittlung sei ein weiterer aufwendiger Schritt. Ein dreistelliger Millionenbetrag könne aber dafür schon anfallen.

Tragende Säule im Konzept des Studenten ist die geplante Galerie, die Igor Geist im Marstall geplant hat. Visualisierung: Igor Geist

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Tragende Säule im Konzept des Studenten ist die geplante Galerie, die Igor Geist im Marstall geplant hat. Visualisierung: Igor Geist

Kernpunkt seiner Überlegungen ist die Kunstakademie. Die könnte privat betrieben werden, sollte aber einen staatlich anerkannten Abschluss bieten und einen Schwerpunkt in der digitalen Kunst haben. „Ich stelle Kunst, Kultur und die Menschen in den Vordergrund“, charakterisiert er sein Konzept. Für eine angeschlossene Galerie hat Geist den Marstall auserkoren. Prädestiniert für Gastronomie wäre seiner Ansicht nach die Orangerie – mit herrlichem Blick über Baden-Baden und vorgelagerter Terrasse. Sein Mischkonzept sieht zudem ein Museum für badische Geschichte vor. Schmankerl dafür: Der Zugang könnte durch Reste der alten Burg führen. Die massiven Gemäuer könnten somit in eine Ausstellung integriert werden. Wie schon bei den Hotelplänen sehen auch die Überlegungen des Studenten eine Tiefgarage vor. Rund 100 Stellplätze sind machbar, findet Geist.

Geist selbst hatte keinen Zugang zum Schloss

Bei seiner Ausarbeitung, die in 340 Seiten Masterarbeit mündeten, hatte der Architekturstudent keinen Zugang zum Schloss. Er musste seine Überlegungen vielmehr auf alten Studien und sonstigen Unterlagen aufbauen. Dafür hat er monatelang recherchiert sowie Zeichnungen und Pläne angefertigt. In seiner Arbeit verweist er zudem auf Beispiele für die erfolgreiche Umnutzung historischer Gemäuer. Zum Beispiel das Hambacher Schloss in Neustadt/Weinstraße. Das Denkmal mit Gedenkstätte und gastronomische Nutzung ist ein bedeutender Tourismusfaktor in der Pfalz.

Die Redaktion hat den zuständigen Bau-Bürgermeister der Bäderstadt um eine Stellungnahme zu den studentischen Überlegungen gebeten. Alexander Uhlig hält die Arbeit „für einen interessanten und kreativen Ansatz“. Sehr positiv sei der Verzicht auf einen Neubau. Teilweise decke sich die Planung sogar mit Überlegungen der Schlossbesitzerin. Zum Beispiel bei der gastronomischen Nutzung der Orangerie. Letztendlich liege es aber an Schlossherrin Fawzia al-Hassawi, wie sie mit der eingetretenen Situation aufgrund der Aufhebung der Baugenehmigung umgehe.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
12. April 2022, 09:26 Uhr
Lesedauer:
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