Kreis soll Schulsozialarbeit übernehmen

Rastatt (as) – Ein Paradigmenwechsel wird eingeleitet: Die Kreisverwaltung soll die Schulsozialarbeit an den Kreisschulen spätestens ab 2023 unter ihre Fittiche nehmen.

Ob Cybermobbing, Ärger mit Klassenkameraden oder Probleme zu Hause – Schulsozialarbeiter sind vielfältig gefordert. Foto: klicksafe/Maribelle Photography/dpa

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Ob Cybermobbing, Ärger mit Klassenkameraden oder Probleme zu Hause – Schulsozialarbeiter sind vielfältig gefordert. Foto: klicksafe/Maribelle Photography/dpa

Vor Jahren noch stiefmütterlich behandelt, sehen die Schulträger mittlerweile den großen Nutzen der Schulsozialarbeit als Unterstützung der Lehrkräfte. Der Bedarf wächst stetig. Auch der Landkreis Rastatt will ab 2022 um 1,25 Stellen aufstocken. Zudem soll die Kreisverwaltung die Schulsozialarbeit spätestens ab dem Schuljahr 2023 in eigene Regie übernehmen. Darauf verständigte sich der Ausschuss für Schulen und Kultur am Dienstag auf Antrag der Freien Wähler einstimmig.

Mit Arbeit des IB zufrieden

Bislang kümmert sich der Internationale Bund (IB) im Auftrag des Landkreises um die Schulsozialarbeit – aktuell mit 7,5 Vollzeitstellen verteilt auf 13 Kreisschulen. Dessen Arbeit erhalte von den Schulleitungen ein sehr gutes Feedback, hieß es im Ausschuss. Unzufriedenheit ist auch nicht der Grund für den Paradigmenwechsel.

Vielmehr wurden Bedenken laut, weil der Fünf-Jahres-Vertrag mit dem IB 2022 endet und eigentlich für weitere fünf Jahre neu ausgeschrieben werden sollte – verbunden mit einer Aufstockung auf 8,75 Stellen für die beruflichen Schulen, das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium Durmersheim und die Erich-Kästner Schule Gaggenau. Da die geschätzte Jahresauftragssumme von rund 2,6 Millionen Euro den Schwellenwert überschreitet, müsste eine europaweite Ausschreibung im offenen Verfahren erfolgen. Hier sahen alle Fraktionen die Gefahr, dass der günstigste Anbieter beauftragt werden müsste – auch wenn man ihn möglicherweise für nicht ausreichend qualifiziert halte. Damit könne die Kontinuität mit dem bisherigen Anbieter infrage stehen, und Verlässlichkeit sei gerade in diesem sensiblen Bereich wichtig.

Pfirrmann: Rastatter Beispiel folgen

Arne Pfirrmann (FW) beantragte, dem Beispiel der Stadt Rastatt zu folgen und die Schulsozialarbeit ins Haus zu holen. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht“, warb er eindringlich für eine solche Lösung, die auch dem Personal Sicherheit böte.

Bei den anderen Fraktionen rannte er damit offene Türen ein. „Die Qualität sollte im Vordergrund stehen“, lobte Frank Kiefer namens der CDU den „mutigen Vorstoß“. Man halte es für sinnvoll, hier eine Kernkompetenz aufzubauen, auch um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Sein Vorschlag mit Blick auf den Zeitdruck: Sich bei der Stadt Rastatt Rat holen, wie sie den Richtungswechsel geschafft hat, und eventuell den Vertrag mit dem IB um ein halbes Jahr verlängern, um Zeit für die Umstellung zu gewinnen. Weiter meinte Kiefer, man solle klären, wie viele der bereits eingesetzten Schulsozialarbeiter man möglicherweise in die Kreisverwaltung übernehmen könnte, „denn es wäre schwierig, wenn wir bei null anfangen müssten“.

Warnung vor den Kosten

Die AfD verwies auf die Kostenbelastung. Sozialdezernent Stefan Biehl bestätigte: „Das wird unterm Strich teurer als mit einem freien Träger.“ Man müsse Personalausfälle auffangen können und die Qualifizierung des Personals gewährleisten, sah er weiteren Stellenbedarf. Kämmerer Burkhard Jung schätzte 25 bis 30 Prozent Mehrkosten im Vergleich zur Fremdvergabe und warnte vor dem Personalwuchs. Doch der Ausschuss war sich letztlich einig. Sitzungsleiter Jörg Peter, der durchaus Synergieeffekte sah – beispielsweise kürzere Wege bei Kindeswohlgefährdung – versprach, das Thema sauber aufzuarbeiten, um den Wechsel dann eventuell schon zum August 2022 vollziehen zu können.

An der Augusta-Sibylla-Schule Rastatt (ASS) wird die Schulsozialarbeit weiter von der Fördergemeinschaft der Schule erbracht, bei der Papiermacherschule Gernsbach übernimmt dies ab 2022 das Papierzentrum, wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
10. November 2021, 17:48 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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