Kreisstraße „nicht nötig und daher unzulässig“

Muggensturm/Karlsruhe (sl) – Regierungspräsidentin Sylvia Felder sieht keinen Spielraum für einen Kompromiss bei der K3728. Die Kreisstraße soll dem Ausbau der B462 weichen. Muggensturm will klagen.

Die K3728, im Hintergrund die B462: Wenn sich das Regierungspräsidium Karlsruhe durchsetzt, wird die Kreisstraße zum Wirtschafts- und Radweg herabgestuft.Foto: F. Vetter

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Die K3728, im Hintergrund die B462: Wenn sich das Regierungspräsidium Karlsruhe durchsetzt, wird die Kreisstraße zum Wirtschafts- und Radweg herabgestuft.Foto: F. Vetter

Im Streit um die K3728 hat das Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) seine Position verdeutlicht. „Der Aus- und Umbau wird zu Veränderungen bei den bisherigen Verkehrsströmen im umliegenden Straßennetz führen. Die Anbindung der K3728 wird deshalb dann verkehrlich nicht mehr erforderlich sein. Wir haben rechtlich auch keinen Spielraum, weder fachplanerisch noch naturschutzrechtlich, diese Straße zu

erhalten“, so Regierungspräsidentin Sylvia Felder.

K3728 müsste auf 600 Metern neu gebaut werden

Wer aus Richtung Murgtal auf die Autobahn will, der wird bisher von vier Ampeln ausgebremst. Aus Richtung Rastatt staute sich (vor Corona) fast täglich der Berufsverkehr. Das soll nach dem vierspurigen Ausbau der B462 der Vergangenheit angehören. Er steht im Zusammenhang mit dem Umbau des Autobahnanschlusses Rastatt-Nord zum Vollkleeblatt.

Ein Anschluss der K3728 in gleicher Lage sei dann aber nicht mehr möglich, erklärte Projektleiter Helmut Wößner vom RP, weil sich die Lage der neuen B462 um etwa 40 Meter nach Norden verschiebt. Auch könne der Mindestabstand von Zu- und Abfahrten an einer Bundesstraße nicht mehr eingehalten werden. Allenfalls müsste die K3728 nach Osten verlegt und auf rund 600 Metern neu gebaut werden.

Auch Muggensturmer Daten fließen in Gutachten ein

Laut Felder ein entscheidender Punkt, denn Verkehrsgutachten, in die sowohl vom RP in Auftrag gegebene Untersuchungen eingeflossen seien, als auch solche, die von der Gemeinde Muggensturm veranlasst wurden, kämen zu dem Ergebnis, dass die K3728 künftig für den Verkehrsfluss nicht mehr notwendig ist. „Eine Straße, die nicht notwendig ist, dürfen wir aber nicht neu bauen, das wäre unzulässig“, verdeutlicht Felder die Schlussfolgerung. „Das ist kein Empfinden des RP“, so die Behördenchefin, „der Gesetzgeber legt es so fest“. Und auch aus ökologischen Gründen sei es die richtige Entscheidung, denn es würde ein strukturreicher Naturraum durchschnitten. Daher sei der Rückbau der K3728 zum Wirtschafts- und Radweg, der dann mittels einer neuen Unterführung an das Radwegenetz jenseits der B462 angeschlossen werden soll, die von Naturschutzverbänden befürwortete Variante.

Klage könnte Ausbau um Jahre verzögern

Im Muggensturmer Rathaus sieht man das anders: Die Gemeindeverwaltung hatte vor wenigen Tagen bekräftigt, dass sie gegen die Planungen des RP notfalls vor Gericht ziehen will, und zwar durch alle Instanzen. Das könnte den Start des Ausbaus, mit dem man im RP im günstigsten Fall 2025 rechnet, auf viele Jahre verzögern. Muggensturm will seine Anbindung an den Autobahnzubringer unbedingt erhalten und hatte als Kompromissvorschlag eine sogenannte Rechtsrein-/Rechtsraus-Lösung ins Spiel gebracht. Das hieße, man könnte auf der B462 vom Murgtal kommend nach rechts auf die K3728 abbiegen und aus Richtung Muggensturm auf die B462 Richtung Rastatt. Ein Linksabbiegen wäre nicht möglich.

Diese Variante habe man von Gutachtern intensiv prüfen lassen, beteuert Projektleiter Wößner. Demnach würde sich bei der von der Gemeinde Muggensturm favorisierten Lösung der Verkehr auf der K3728 um 3.700 Fahrzeuge pro Tag reduzieren. Gleichzeitig würde sich der Verkehr auf dem südlichen Teil der Muggensturmer Hauptstraße auf 2.200 Fahrzeuge pro Tag erhöhen. Bei der Variante des Regierungspräsidiums würde sich der Verkehr auf dem südlichen Teil der Muggensturmer Hauptstraße auf 2.800 Fahrzeuge erhöhen. Diese 600 Fahrzeuge mehr sind zumutbar, findet man in Karlsruhe. Zumal es sich nur um eine innerörtliche Verlagerung des Verkehrs handele. Das Verkehrsaufkommen auf der Rastatter Straße, also im künftigen Neubaugebiet „Falkenäcker-Stangenäckerle“, würde sich bei der RP-Variante nämlich um 600 Fahrzeuge reduzieren. „Der Durchgangsverkehr ändert sich nicht“, prognostizierte Wößner. Und die Schall- und Schadstoffbelastung steige nicht signifikant.

Kreisel-Variante wäre nicht leistungsfähig genug

Auch eine von Wolfgang Huber, Vorsitzender der NABU-Gruppe Murgtal, ins Spiel gebrachte Variante mit zwei Kreiseln habe man geprüft. Die Kreisverkehre seien aber nicht leistungsfähig genug, so Axel Speer, Referatsleiter Straßenplanung im RP. Ein Antrag Malschs auf einen eigenen Autobahnanschluss, von dem auch Muggensturm profitiert hätte, sei indes bereits 2017 vom Bund abgelehnt worden.


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