Kretschmann startet Sondierung für Grün-Schwarz und Ampel-Bündnis

Stuttgart (bjhw) – Grüne, CDU, SPD und FDP haben strengstes Stillschweigen vereinbart über die ersten drei getrennten Gespräche, die noch vor Ostern in Koalitionsverhandlungen münden sollen.

Hans-Ulrich Rülke (links) und Andreas Stoch machen kein Geheimnis daraus, bereits im Vorfeld Gespräche geführt zu haben.Foto: Marijan Murat/dpa

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Hans-Ulrich Rülke (links) und Andreas Stoch machen kein Geheimnis daraus, bereits im Vorfeld Gespräche geführt zu haben.Foto: Marijan Murat/dpa

Offizielle Informationen bleiben deshalb aus, sodass die an diesem Mittwoch im Stuttgarter Haus der Architekten wartenden Medienvertreter Körpersprache, Mienenspiel und Zwischentöne der Akteure deuten müssen. Einigermaßen ergiebig sind da die Liberalen, denn Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke und Landeschef Michael Theurer wollen erst gar keine Zweifel daran aufkommen lassen, wie sehr sie diesmal an einer Regierungsbeteiligung interessiert sind.

„Erlebnispsychologisch interessant“

Winfried Kretschmann hatte schon am Vorabend der Sondierungsgespräche aufhorchen lassen. Ein Freund von Talkshows war er noch nie, mit einer Ausnahme: Die Einladungen vom ARD-Mann Markus Lanz nimmt der Grüne regelmäßig an und macht dort zur Freude des Gastgebers „aus seinem Herzen keine Mördergrube“. Also gab es am Dienstagabend doch einen Vorgeschmack auf das, was die potenziellen Koalitionspartner in den kommenden Tagen erwartet. „Die Ampel wäre erlebnispsychologisch interessant“, bekennt Kretschmann. Das könne allein aber nicht ausschlaggebend sein. Um dann noch zwei weitere Haken zu schlagen: Mit der CDU „ist es nicht schlimm gewesen, zu regieren, aber nicht schlimm ist auch nicht der richtige Maßstab für politisches Handeln“.

Strobl wünscht sich wohl anderes Geburtstagsgeschenk gewünscht

Thomas Strobl, der am Mittwoch seinen 61. Geburtstag feierte, hätte sich sicher ein anderes Geschenk gewünscht als einen Zustand, in dem sich alles in der Schwebe befindet. Der Noch-Innenminister darf einen Blumenstrauß aus der ersten Gesprächsrunde mitnehmen, mehr aber nicht. Und er selber meint, auch nichts Atmosphärisches berichten zu müssen oder zu können über das Tête-à-tête.

Durchaus einen bereits abgestimmten Eindruck wollen Uli und Andi erzeugen, wie sich die Fraktionschefs Rülke (FDP) und Stoch (SPD) begrüßen, um die Köpfe sogleich zum Vier-Augen-Kurz-Termin zusammenzustecken. Und sie machen auch kein Geheimnis daraus, im Vorfeld bereits Gespräche geführt zu haben. Noch auffallender sind die Akzente, die der FDP-Landesvorsitzende Michael Theurer und Rülke setzen. Ersterer erinnert auf Journalistenfragen an die Situation vor fünf Jahren ebenfalls im Haus der Architekten, als selbst Rülke keine gravierenden inhaltlichen Widersprüche mit Grünen und Roten ausmachen konnte, sondern allein prinzipiell wurde und damit argumentierte, vor der Wahl versprochen zu haben, dass es danach keine Ampel geben werde. 2021 ist vieles anders.

Rülke spricht von „Zukunftskoalition für Baden-Württemberg“

Die Südwest-Liberalen haben den Segen von Bundesparteichef Christian Lindner. Selbst Rülke will nun „eine Zukunftskoalition für Baden-Württemberg“. Und dann schreckt er nicht einmal mehr vor dem typischen Vokabular von SPD und Grünen zurück, die sich seit Langem „die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie“ auf die Fahnen geschrieben haben. Nach der Runde mit den Grünen gibt es ebenfalls nichts Inhaltliches, aber viele warme Worte über den „gemeinsamen ehrlichen Willen“ und darüber, dass sich die Ampel-Koalition nicht weiter von ihrer Realisierung entfernt habe.

Ob und wie belastbar solche Bekenntnisse sind, muss sich zuerst am Wochenende und dann in der kommenden Woche zeigen. Der Terminplan von Kretschmann in der Pandemiebekämpfung lässt nur wenige Lücken. Am Montag findet die nächsten Bund-Länder-Runde statt, und am Dienstag muss sich das amtierende grün-schwarze Kabinett einschließlich der demnächst aus der Politik ausscheidenden Kultusministerin und CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann dem Balanceakt unterziehen, irgendwie gemeinsam zu regieren, während der größere Koalitionspartner bereits intensiv über den Ausstieg Richtung Ampel nachdenkt. Am Mittwoch findet eine Corona-Sondersitzung im Landtag statt. Danach wird weiter sondiert, möglicherweise bereits in einer Dreierrunde aus Grünen, SPD und Liberalen.

Ihr Autor

BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
17. März 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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