Kriminalität im Jahr 2020 auf Rekordtief

Stuttgart (bjhw) – Innenminister Thomas Strobl ist zufrieden. „Wir haben geliefert“, sagt er mit Blick auf die Kriminalstatistik 2020 für Baden-Württemberg

Schnapp, und schon ist die Handtasche weg. In Baden-Württemberg allerdings sagt die Statistik, dass die Kriminalitätsbelastung sich im Jahr 2020 verringert hat. Foto: Uwe Anspach/dpa

© dpa

Schnapp, und schon ist die Handtasche weg. In Baden-Württemberg allerdings sagt die Statistik, dass die Kriminalitätsbelastung sich im Jahr 2020 verringert hat. Foto: Uwe Anspach/dpa

Im Wahlkampf wollen die CDU und ihre Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann mit klaren Ansagen punkten, die auf das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zielen. Zugleich nennt der CDU-Landesvorsitzende und Innenminister Thomas Strobl bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2020 Baden-Württemberg „spitze“ in dem von ihm verantworteten Bereich.
Strobl erklärte, die Zahl der Wohnungseinbrüche liege auf dem Niveau von 1971, die Aufklärungsquote sei die beste seit Jahrzehnten, und die Straftaten im öffentlichen Raum, der seit den nächtlichen Krawallen im Juni in Stuttgart unter besonderer Beobachtung steht, seien seit 2015 um 16 Prozent zurückgegangen. Es gehe aber nicht nur um objektive Zahlen, sondern auch darum, „das subjektive Gefühl der Menschen zu stärken“.

Eine Ausbildungs- und Einstellungsoffensive, die bessere technische Ausstattung, Body-Cams, eine neue Cybersicherheitsagentur: Dass das Land in Sachen Sicherheit vorne liege, sei kein Zufall, „sondern das Ergebnis einer vorausschauenden und klugen Schwerpunktsetzung, klarer Konzepte und harter Arbeit“.

Strobl zieht eine ausgesprochen positive Bilanz seine Regierungszeit mit den Grünen. Er sei mit dem klaren Ziel angetreten, die Polizei zu stärken und Kriminelle zu schwächen. „Und ich denke“, so der Innenminister weiter, „wir haben geliefert.“ Mit insgesamt 538.566 Straftaten sind 2020 so wenige erfasst worden wie nie in den vergangenen drei Jahrzehnten. Damit hat sich die Kriminalitätsbelastung im Vergleich zum Vorjahr abermals um gut sechs Prozent auf 4.852 Straftaten pro 100.000 Einwohner verringert.

„Waren- und Warenkreditbetrug auf dem Vormarsch“


Nichts hält Strobl davon, das Minus in vielen Bereichen mit Corona zu erklären. Natürlich hätten sich beim Taschendiebstahl die „Tatgelegenheitsstrukturen“ verändert, denn der Mindestabstand mache es den Dieben deutlich schwerer. Auch sei Homeoffice nicht ohne Einfluss auf Wohnungseinbrüche. „Aber die gehen seit 2017, 2018 und 2019 zurück“, sagt er, und da habe es noch keine Pandemie gegeben. Zum sechsten Mal in Folge sei die Fallzahl gesunken, seit dem höchsten Stand 2014 um fast zwei Drittel. Und die Aufklärungsquote liegt, deutlich gestiegen, bei gut 24 Prozent. „Das ist der höchste Stand seit 1982“, so Strobl. Er verwies zudem auf die kommende Legislaturperiode, weil vor allem die Ausbildungs- und Einstellungsoffensive bei der Polizei dann volle Wirkung entfalten werde.

Während die Zahlen in fast allen Bereichen der Kriminalitätsstatistik zurückgehen, legen sie bei der Internetkriminalität deutlich zu. „Der Waren- und Warenkreditbetrug ist hier auf dem Vormarsch“, stellt die Polizei fest. So bestellten Kriminelle zum Beispiel Waren online und bezahlten diese mit ausgespähten Daten von Kreditkarten ihrer Opfer. Strobl setzt viele Hoffnungen in die neue Cybersicherheitsagentur.

SPD-Fraktionsvize Sascha Binder warf dem Innenminister indes vor, sich dafür „abzufeiern, dass im ‚Wir-bleiben-Zuhause‘-Jahr die Wohnungseinbrüche um ganze 27 Prozent zurückgegangen sind“, während die Ermittlerinnen und Ermittler für die Bekämpfung der Computerkriminalität fehlten. Dabei sei die doch seit 2017 um 80 Prozent gestiegen.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.