Kriminalität in Schwimmbäder leicht gesunken

Baden-Baden (ans) – Bäder beklagen mangelnden Respekt gegenüber dem Aufsichtspersonal. Straftaten sind coronabedingt rückläufig.

Aufgrund von Covid-19 wurden in diesem Jahr weniger Straftaten in Frei- und Hallenbädern gemeldet als im Vorjahr. Foto: Uli Deck/dpa

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Aufgrund von Covid-19 wurden in diesem Jahr weniger Straftaten in Frei- und Hallenbädern gemeldet als im Vorjahr. Foto: Uli Deck/dpa

Zwar wird in den Bädern gerade wegen der Corona-Pandemie nicht geplanscht, doch das Thema Straftaten bleibt aktuell. Jährlich zählen die Behörden Hunderte Fälle in Schwimmbädern, oft geht es dabei um Beleidigungen und sexuelle Belästigung. Das Gros aber machen Diebstähle und Beleidigungen aus. Betreiber in Bühl, Baden-Baden, Rastatt und Karlsruhe schildern ihre Erfahrungen im BT-Gespräch.

Im Schwarzwaldbad in Bühl habe es in diesem Jahr einige Verstöße gegen die Haus- und Badeordnung gegeben, berichtet Jörg Zimmer, Geschäftsführer der Bühler Sportstätten. Dabei handelte es sich vornehmlich um Beleidigungen. Außerdem habe es gelegentlich Verstöße gegen die Abstandsregeln gegeben. Überwiegend seien es Jugendliche, die nicht auf die Anweisungen des Aufsichtspersonals hören. Insgesamt verzeichnete das Schwarzwaldbad laut Zimmer jedoch einen deutlichen Rückgang an Straftaten im Vergleich zu den Vorjahren. Seiner Einschätzung nach ist dies vor allem auf die Coronabedingungen zurückzuführen. „In diesem Jahr hat es lediglich einen strafrechtlich relevanten Vorfall gegeben. Bei einem Streit zwischen Badegästen wurde eine Handtasche ins Wasser geworfen“, so der Geschäftsführer.

„In den letzten Jahren hatten wir deutlich mehr Probleme, vor allem mit Einbrüchen in den Kiosk“, sagt Zimmer. Bereits im Dezember wurde dieser daher mit Sicherheitsglas ausgestattet. Sicherheitspersonal kommt im Schwarzwaldbad jedoch nicht zum Einsatz. „Unsere Aufsichtskräfte konnten das gut leisten.“ Bei kritischen Angelegenheiten, wie zum Beispiel sexueller Belästigung werde schnell eingeschritten. „Da haben wir in den Vorjahren konsequent durchgegriffen und in diesem Jahr keine Vorfälle gehabt“, berichtet Zimmer.

Weniger Straftaten als in den Vorjahren

Im Baden-Badener Bertholdbad wurde laut Martin Weßbecher, Leiter Energiedienstleistungen und Öffentlichkeitsarbeit, dieses Jahr ebenfalls ein strafrechtlich relevanter Tatbestand gemeldet. Am 12. Juli beschädigten Einbrecher die Eingangstüren des Schwimmbads. Dabei entstand ein Sachschaden in Höhe von 1.000 Euro. Zusätzliches Wachpersonal sei jedoch nicht zum Einsatz gekommen, so Weßbecher.

Im Rastatter Familienfreibad Natura dagegen habe man aufgrund der durch Corona veränderten Sicherheitsregeln als Vorsichtsmaßnahme täglich zwei bis drei Sicherheitskräfte eingesetzt, so Tobias Peter, stellvertretender Betriebsleiter Eigenbetrieb Bäder. „Dieses Jahr gab es wenige Straftaten, es war aber auch weniger Betrieb aufgrund von Corona,“ sagt Peter. „Die Besucher haben sich fast ausnahmslos an die Regeln gehalten.“ Meist seien es ohnehin kleinere Delikte. Dennoch sei die Wertschätzung gegenüber des Badepersonals früher höher gewesen, gibt er zu bedenken.

Für das vergangene Jahr weist die Statistik des Innenministeriums 965 Straftaten in Hallenbädern und 1.380 in Freibädern auf. In den Vorjahren waren es in Hallenbädern stets mehr als 1.000, in Freibädern bleibt die Zahl konstant. Allerdings weist das Ministerium darauf hin, dass die Auflistung nicht abschließend ist und manche Vorfälle mehrfach erfasst wurden.

Diebstähle sind die häufigsten Delikte

In den Monaten Januar bis August 2020 deutet sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar ein Rückgang der Fallzahlen an, wie aus Angaben des Innenministeriums auf eine Anfrage der Landtags-AfD hervorgeht. Allerdings spielten da die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie eine Rolle. Und um die Zahlen bei Freibädern beurteilen zu können, müsse man Wetterverhältnisse berücksichtigen.

Die Polizei erfasst dabei unter anderem sexuelle Belästigung und sexuellen Missbrauch, Körperverletzungen, Sachbeschädigungsdelikte, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigungen. Den Großteil der Taten machen aber Diebstähle aus, etwa von Fahrrädern. Den Angaben zufolge gab es davon im vergangenen Jahr 549 Fälle in den Hallenbädern im Südwesten, darunter 56 Fahrraddiebstähle. In Freibädern waren es 751 Diebstahlsdelikte insgesamt, davon 263-mal Fahrraddiebstahl.

Sicherheitsleute als Vorsichtsmaßnahme

Auch im Europabad in Karlsruhe arbeiten beispielsweise Sicherheitsleute, wie der Geschäftsführer der Karlsruher Bädergesellschaft, Oliver Sternagel, sagt. Diese würden nach Bedarf eingesetzt. „Vor allem an Großkampftagen wie Wochenenden oder in den Ferien.“ In anderen Bädern in der Fächerstadt brauche man keinen Sicherheitsdienst, dort sei die Klientel aber auch eine andere, sagt Sternagel. In vielen Bädern seien zudem im Eingangsbereich oder an „neuralgischen Punkten“ wie Rutschen Kameras angebracht.

Große Veränderungen bei den Kriminalfällen verzeichnen auch die Karlsruher Bäder nicht, wie Sternagel anmerkt. Allerdings nehme die Respektlosigkeit gerade junger Besucher beispielsweise gegenüber Schwimmmeistern in Form von Beleidigungen und Ignoranz zu. „Die tun nicht, was man ihnen sagt.“ Dabei gehe es hier vor allem um die Sicherheit: „Wenn jemand schwimmt und einer hüpft ihm ins Kreuz, ist der querschnittsgelähmt“, verdeutlicht Sternagel die Gefahr.

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Erstellt:
17. November 2020, 21:30 Uhr
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