Kriminalstatistik 2020: Straftaten in Bühl gesunken

Bühl (fvo) – Das Polizeirevier Bühl hat die Kriminalstatistik und Unfallzahlen für 2020 vorgelegt. Durch die gute Aufklärungsquote sind die Straftaten gesunken.

Über die Hälfte der Radunfälle ist selbst verschuldet. Auch die Lust, einen Helm zu tragen, ist bei vielen älteren Fahrern nicht ausgeprägt. Foto: Hirschberger/dpa

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Über die Hälfte der Radunfälle ist selbst verschuldet. Auch die Lust, einen Helm zu tragen, ist bei vielen älteren Fahrern nicht ausgeprägt. Foto: Hirschberger/dpa

„Die Zahlen sprechen für sich. Ich denke, man kann sich hier sicher fühlen, und das auch nachts.“ Zu diesem Schluss kommt Rolf Fritz, Leiter des Polizeireviers Bühl, bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2020.

Die nur vereinzelt ansteigende Anzahl von Straftaten sei weder im Bereich Bühl noch im Umland besorgniserregend, zumal sie sich im Fünfjahresschnitt relativiere. Vor allem bei der Häufigkeitszahl (4.568 pro 100.000 Einwohner) habe man mit Blick auf umliegende Reviere einen „sehr guten Wert“. Auch die Aufklärungsquote von 65 Prozent könne sich im Landesvergleich sehr gut sehen lassen.

Insgesamt 2.523 Straftaten bedeuten einen Rückgang um sechs Prozent zu 2019 (2.680). In Bühl selbst sanken die Zahlen gar um elf Prozent (1.604 auf 1.435 Fälle). Für Fritz das Verdienst einer hohen Außenpräsenz etwa bei den Präventionsstreifen an Brennpunkten und Problemecken („Die sind schon sehr effektiv“), aber natürlich auch der Pandemie geschuldet. „Die Menschen waren einfach mehr zuhause, sprich weniger auf der Straße“, so Fritz und wenn, waren es oft größere Ansammlungen (etwa auf Parkplätzen) – mit der Folge einer höheren gegenseitigen Sozialkontrolle. So erklärt sich Fritz auch den Rückgang bei den Unfallfluchten auf 224 (Vorjahr 292).

Nennenswerte Rückgänge

Löwenanteil bei den Delikten bildet mit 29 Prozent nach wie vor der Diebstahl (754 Fälle/Vorjahr 979), auch Gewalt- (63/69) und Straßenkriminalität sanken (428/592). In Bühl selbst sind die Rückgänge teils nennenswert (Diebstahl von 707 auf 515), teils gar halbiert wie beim Raddiebstahl (237 auf 118), Wohnungseinbruch (56 auf 31) oder der Straßenkriminalität (427 auf 273). „Wir hatten vor allem wenig Rohheitsdelikte“, freut sich Fritz.

Ein deutlicher Anstieg ist indes beim Thema Rauschgift zu verzeichnen (allein in Bühl 110 auf 156), was allerdings auf einen hohen Ermittlungsfaktor schließen lässt. „Die Kollegen haben Gas gegeben“, weiß der Revierchef. Rasches Eingreifen sei hier wichtig, zumal dann das „Schneeballprinzip“ greift: Ein Treffer ergebe gleich mehrere Co-Treffer – der Handyauswertung sei Dank. Den Sachbearbeitern hier wie auch im Bereich Jugend-, Internetkriminalität sowie Gewalt im sozialen Nahraum bescheinigt Fritz eine „sehr gute Arbeit“.

Wenig Auffälligkeiten derweil in den Umlandgemeinden, bis aufs Rebland (185 auf 228). In Bühlertal (151 auf 133) und Ottersweier (152 auf 151) bewegt sich alles im Rahmen. Die Steigerung in Rheinmünster (455 auf 496) liegt an ausländerrechtlichen Verstößen auf dem Flughafen (Aufenthaltsgesetz). Von weniger Flugverkehr und höherem Kontrolldruck in der Fläche profitierte offenbar Lichtenau (133 auf 80 Fälle).

Sorge bereitet die unverminderte Gewaltbereitschaft gegenüber Beamten, wie 17 konkrete Fälle (zuvor 7) nebst 39 Beleidigungen im Revier zeigen. Und das obwohl sich die Kollegen „ein dickes Fell zugelegt“ hätten und stets um Deeskalation bemüht seien, so Fritz.

„Schnäppchenmentalität“ dominiert

Weiter auf Trab hält die Internetkriminalität respektive Cybercrime, wo die Täter permanent neue Vorgehensweisen entwickeln, aber auch von mangelhafter Medienkompetenz der Geschädigten profitieren. Renner bleibt der Betrugssektor, hier dominiere leider oft die „Schnäppchenmentalität“ den gesunden Menschenverstand, auch bei aufwendig gestalteten Fake-Webseiten sei die Qualität immer besser.

Auch bei der Verkehrsunfallstatistik bewegt sich alles im Rahmen, mit ein Verdienst hoher Außenpräsenz an neuralgischen Stellen und koordiniertem Vorgehen (Motorradkonzept). „Wir hängen da schon viele Stunden rein“, versichert Fritz. Bei insgesamt 1.384 Unfällen (1377) mit 201 verunglückten Personen (197) gab es lediglich einen Todesfall zu beklagen. Unfälle unter Alkoholeinfluss, ein Dauerthema 2020, sind trotz stetiger Kontrollen mit 15 zwar neun weniger, aber aus Polizeisicht 15 zu viel. Bei den Radfahrunfällen (67/63) blieb der befürchtete Anstieg bei den Pedelecs (20) trotz steigender Verkaufszahlen aus. Wobei über die Hälfte der Unfälle durch die Radler selbst verursacht wurden, so Fritz. Zu seinem Unverständnis fielen nicht selten ältere Pedelec-/E-Bike-Benutzer als Helmmuffel auf. Erfreulich gering indes ist die Anzahl der Schulweg-Unfälle (3), sie wären auch nicht durch bauliche Veränderungen zu vermeiden gewesen. Fritz: „Die Kommunen haben ihre Hausaufgaben gemacht.“ Überhaupt komme der Polizeiarbeit „das gute Verhältnis zu Kommune und zum Bürger“ zugute.


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