Krippe für Stadtmuseum in Bühl hergerichtet

Bühl (sre) – In 180 Stunden zum alten Glanz: Siegmar Häußler hat für das Bühler Stadtmuseum eine Krippe hergerichtet. Im Schaufenster ist nun eine Ausstellung zu sehen.

Sind stolz auf das zwei Meter große Exponat: Siegmar Häußler und Ina Stirm vom stadtgeschichtlichen Institut. Foto: Sarah Reith

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Sind stolz auf das zwei Meter große Exponat: Siegmar Häußler und Ina Stirm vom stadtgeschichtlichen Institut. Foto: Sarah Reith

Die Weihnachtsmärkte müssen dichtmachen, die Pandemie-Entwicklung überschattet auch in diesem Jahr die Adventszeit. Doch das Stadtgeschichtliche Institut in Bühl hält dagegen: Eine kostenlose, coronakonforme Schaufenster-Ausstellung soll trotz allem für Weihnachtsstimmung sorgen. Passanten können eine historische Krippe bewundern, der Siegmar Häußler in monatelanger Arbeit wieder zum alten Glanz verholfen hat.

Mit Schaufenster-Ausstellungen für die Advents- und Weihnachtszeit hat man im Bühler Stadtmuseum schon Erfahrung: Bereits zum dritten Mal wurde in diesem Jahr pünktlich zum ersten Advent in dem Fenster zur Schwanenstraße hin eine winterliche Modelleisenbahn aufgebaut – diesmal sogar mit einer Seilbahn. Die Besonderheit: Über einen Sensor lässt sich die Bahn von außen steuern. Diese Attraktion mitten im Bühler Zentrum kommt gut an: Er sei schon im Sommer angesprochen worden, ob die Modellbahn auch in diesem Jahr wieder aufgebaut werde, berichtet Michael Rumpf, Leiter des Stadtgeschichtlichen Instituts. Und Mitarbeiterin Ina Stirm beobachtet regelmäßig, wie sich Kinder und Erwachsene an dem Fenster die Nase platt drücken. Umso mehr freuen die beiden sich, dass im zweiten Corona-Winter nun eine weitere Attraktion dazugekommen ist: In dem großen Fenster neben dem Haupteingang des Museums prangt seit Kurzem eine zwei Meter breite und fast ebenso hohe Krippenlandschaft.

Vor rund einem Jahr wurden die Einzelteile dieses historischen Stücks ans Stadtgeschichtliche Institut gespendet: Arthur Oser fertigte die Krippengebäude in den Jahren 1930 bis 1933 an. Der 1914 in Altschweier geborene Oser verwendete dafür Baupläne der Firma Mey und Widmayer, die damals recht geläufig waren. Ähnliche Krippen standen also in vielen Haushalten und Kirchen. Es handelt sich um eine Erzählkrippe, die verschiedene Episoden zeigt: neben der klassischen Geburtsszene in der Krippe zum Beispiel auch Herodes in einem Palast, die Flucht der jungen Eltern nach Ägypten und eine Alltagsszene der Familie mit Maria am Spinnrad und Josef mit Jesus in der Schreinerwerkstatt.

Es ist ein echtes „Zeitzeugnis aus den 1930er Jahren“, betont Institutsleiter Rumpf. Dazu gehört auch, dass der junge Erbauer wenig Geld und Material zur Verfügung hatte: Er verarbeitete Obst- und Zigarrenkisten, die Aufdrucke sind auf den Rückseiten der Gebäude noch zu erkennen. Als seine Nachkommen nun beim Stadtgeschichtlichen Institut nachfragten, ob Interesse an der Familienkrippe bestehe, sagte Rumpf sofort zu: „Eine Krippe aus der Region hat uns noch gefehlt.“ Gespendet wurden die alten Gebäude ebenso wie die Figuren, die zum Teil aus den 1930er, zum Teil aus den 1950er und 1960er Jahren stammen – doch eine Landschaft gab es nicht mehr, manches war defekt oder fehlte.

50 LED in Beleuchtung verbaut

Deshalb sprach Ina Stirm den passionierten Bühlertäler Krippenliebhaber und -bauer Siegmar Häußler an. Der Malermeister nahm die Herausforderung an und verbrachte von Februar bis Oktober seiner Schätzung nach 150 bis 180 Stunden damit, die Krippe zu neuem Leben zu erwecken. Unterstützung bekam er dabei auch von weiteren Ehrenamtlichen. Häußlers Orientierung: ein Foto der aufgebauten Krippe aus dem Jahr 1932. Nach diesem Vorbild baute er nach intensiver Recherche eine Landschaft auf, rekonstruierte den nicht erhaltenen Zaun im Vordergrund und reparierte, was kaputtgegangen war.

Häußler setzte aber auch eigene Akzente: Mithilfe eines Elektrikers sorgte er für eine stimmungsvolle Beleuchtung des Schmuckstücks, in dem nun 50 LEDs verbaut sind. Und er baute eine Spieluhr ein, die Kinder aufziehen können. Letzteres ist zwar in diesem Jahr noch nicht möglich, weil das Stadtmuseum coronabedingt geschlossen ist, aber dafür können die jungen Besucher ein kleines Rätsel lösen: Sie dürfen nach dem Tier suchen, das zwar zur Krippe gehört, in dieser Umgebung aber doch ziemlich ungewöhnlich ist. Um welches Tier es sich handelt, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Ein Schaf ist es jedenfalls nicht.

Fotostrecke

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Krippe für Stadtmuseum in Bühl hergerichtet
In der „Erzählkrippe“ gibt es viel zu entdecken: Unzählige Figuren bevölkern Häuser und Landschaft. Foto: Sarah Reith

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Krippe für Stadtmuseum in Bühl hergerichtet
Dieser Tempel ist Siegmar Häußlers Lieblingsstück. Foto: Sarah Reith

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Krippe für Stadtmuseum in Bühl hergerichtet
Ungewöhnliche Szene: Die Figuren stellen die Heilige Familie im Alltag dar, Jesus ist hier schon ein Knabe. Foto: Sarah Reith

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Zum Thema

Wie die Tradition von Weihnachtskrippen entstanden ist, ist laut dem Bühler stadtgeschichtlichen Institut nicht sicher zu bestimmen. Oft werde aber Franz von Assisi als „Vater der Krippe“ angesehen, heißt es in einem Text zur Krippenausstellung. Er habe im Jahr 1223 in einem kleinen italienischen Bergdorf die erste Weihnachtskrippe mit lebenden Tieren inszeniert. In Fahrt kam die Krippentradition aber erst Ende des 15. Jahrhunderts, als Bildhauer zunächst Figurengruppen, später Einzelfiguren schufen, die unterschiedlich aufgebaut werden konnten. Ihre Blütezeit erlebten die Krippen im Zeitalter des Barock (Ende des 16. bis Mitte des 18. Jahrhunderts). Vor allem in Süddeutschland setzten Jesuiten Krippen damals als Andachtsgegenstand ein und als Mittel, Menschen religiös zu unterweisen. Ende des 18. Jahrhunderts kam es im Zuge der Säkularisation mancherorts zu Krippenverboten in Kirchen. Deshalb hielten diese Andachtsgegenstände verstärkt Einzug in privaten Häusern.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

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Erstellt:
3. Dezember 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 22sec

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In der „Erzählkrippe“ gibt es viel zu entdecken: Unzählige Figuren bevölkern Häuser und Landschaft. Foto: Sarah Reith

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Dieser Tempel ist Siegmar Häußlers Lieblingsstück. Foto: Sarah Reith

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Ungewöhnliche Szene: Die Figuren stellen die Heilige Familie im Alltag dar, Jesus ist hier schon ein Knabe. Foto: Sarah Reith

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