Krippe in Altschweier bringt Menschen zusammen

Bühl (ck) – Der Diakon Georg Beier will mit seiner selbst gebauten Krippe am Schöllmattplatz in Altschweier die Menschen zusammenbringen. Die Schlichtheit des Kunstwerks soll die Fantasie beflügeln.

Innehalten bei Raureif: Am Schöllmattplatz in Altschweier hat Georg Beier seine Krippe aufgebaut. Foto: Christoph Kölmel

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Innehalten bei Raureif: Am Schöllmattplatz in Altschweier hat Georg Beier seine Krippe aufgebaut. Foto: Christoph Kölmel

Raureif überzieht den gefrorenen Boden und die Nadeln der Bäume an einem kalten, sonnigen Dezembermorgen in Altschweier. Die Luft ist klar und macht den Kopf frei, einige Spaziergänger sind unterwegs. Im Schöllmattweg, kurz bevor der Schartenbach in die Bühlot fließt und sich der Weinberg erhebt, haben ein paar von ihnen am Wegesrand Halt gemacht. Sie sind vor einer hölzernen Krippe stehen geblieben. Diese beherbergt vier auf Heu und Stroh gebettete Holzfiguren, über denen ein Stern schwebt. Ein Tannenbaum mit Lichterkette rundet die Szenerie ab.

Georg Beier, der Erbauer der Krippe, hat mit seiner Arbeit einen neuen Fixpunkt für alle erschaffen, die in der Adventszeit zu Fuß den Ort erkunden. Besonders wenn bei Einbruch der Dunkelheit die Lichterkette am Tannenbaum erstrahlt, hielten immer wieder Besucher vor der Krippe inne, berichtet er. Manche kommen für ein Gebet, andere nehmen den Ort zum Anlass, ihren Kindern die Weihnachtsgeschichte zu erzählen. Damit hat Beier sein großes Ziel bereits erreicht: „Ich wollte einen Platz schaffen, an dem die Menschen sich begegnen können“, sagt der 67-Jährige.

Seit inzwischen 32 Jahren ist Beier als Diakon im Ehrenamt für die Seelsorgeeinheit Bühlertal tätig. Hauptberuflich arbeitete er bis vor zwei Jahren im Bankwesen, zuletzt leitete er die Bühler Wüstenrot-Filiale. Als Seelsorger hat er hautnah mitbekommen, wie Corona die Nöte der Menschen in den vergangenen beiden Jahren verstärkte. Abgesagte Gottesdienste und Isolation hätten nicht nur bei Gläubigen eine große Leere hinterlassen, bedauert Beier.

Alle Sinne werden angesprochen

Also machte er sich an die Arbeit: Mittels Scherenschnitt fertigte er in der heimischen Werkstatt die Figuren. Vier Paletten bilden die Wände der Krippe, die Dachbretter liegen auf Kanthölzern auf. Stroh bedeckt den Boden und Heu lugt aus den Wänden hervor, so als könnten jeden Moment Ochs und Esel vorbeikommen, um sich zu stärken. Handwerken ist seit jeher eine Leidenschaft Beiers, der schon als Kind gerne in der Schreinerei seines Großonkels aushalf. Beim Aufbau nahm er sich vor, Materialreste aus heimischen Renovierungen zu verwerten und nichts neu zu kaufen. Heu und Stroh stammen von der Wiese eines Freundes, den Tannenbaum hat er auf eigenem Grundstück geschlagen. Nach der Premiere im vorigen Jahr steht die Krippe nun zum zweiten Mal an ihrem Platz.

Das schlichte Konzept geht völlig auf. „Ich hätte die Krippe auch anmalen können“, bekundet Beier, doch hätte er damit die Deutungshoheit an sich gerissen. Bewusst habe er sich also für Schlichtheit entschieden, um der Fantasie der Besucher Raum zur Entfaltung zu geben. Gerade das frische Heu helfe dabei, verschiedene Sinne anzusprechen, freut er sich. Wenn die Sonne auf die Krippe scheint, kann man den Stall dank des erwärmten Heus nicht nur sehen, sondern auch riechen.

2020 Kulisse für Christmette

Einen Mitstreiter hat Beier in den Bühler Stadtwerken gefunden. Als er wegen einer Stromleitung für die Beleuchtung anfragte, war der Versorger schnell und pragmatisch zur Stelle: Strom aus der angezapften Leitung einer nahen Straßenlaterne bringt nun jeden Abend Licht ins Dunkel.

Mit dem Angebot sollen Gläubige und Nichtgläubige gleichermaßen erreicht werden. Hier unter freiem Himmel gebe es keine Barrieren und niemanden, der urteilt. „Zur Krippe kann jeder gehen“, bekräftigt Beier. Zwischen Weihnachten und Neujahr rechne er mit den meisten Besuchern. Voriges Jahr war die Krippe sogar Kulisse für die Christmette der Seelsorgeeinheit. Im Januar findet nun eine Sternsingeraktion statt und im kommenden Jahr ist zur Adventszeit eine Krippenfeier für Familien geplant.

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Erstellt:
24. Dezember 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
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