Krippenspiel mal ganz anders

Durmersheim (manu) – Die Jugendkirche Via zeigt sich wieder mal kreativ. In Corona-Zeit gibt es ein digitales Krippenspiel.

Julia Bendel und ihre „Krippenspieldarsteller“: In Stop-Motion-Technik filmt sie die Szenen fürs Heiligabend-Musical. Die Stimmen kommen von Audiodateien. Foto: Manuela Behrendt

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Julia Bendel und ihre „Krippenspieldarsteller“: In Stop-Motion-Technik filmt sie die Szenen fürs Heiligabend-Musical. Die Stimmen kommen von Audiodateien. Foto: Manuela Behrendt

In einer beispiellosen Hauruckaktion entstand am Wochenende bei den Aktiven der Jugendkirche in Durmersheim das neue Weihnachtsmusical für Kinder und Familien. An Heiligabend um 16 Uhr geht der auf die Schnelle organisierte und umgesetzte Musicalfilm auf dem Youtube-Kanal von Via online. Mitte vergangener Woche sagte Gemeindereferent Dieter Janikovits die Live-Variante, die man mit zwei alternierenden Teams in fünf Schichten zu jeweils 20 Minuten am Nachmittag des Christfests in der Pfarrkirche St. Dionysius realisieren wollte, wegen der eskalierenden Corona-Situation ab.

Gleichzeitig rollte auf Janikovits‘ Initiative bei den am Musical Beteiligten das „Homerecording“ an. Nicole Allendorf-Braun und Andreas Braun (bekannt als musikalisches Duo „Ten Fingers and a Voice“) brachten mit Tochter Elsa und Sohn Benno drei Clips auf den Weg, in denen sie mit ihrer Familiencombo zu sehen sind und modern-dynamische Stücke aus früheren Weihnachtsmusicals präsentieren. Diese fließen in die altbekannte Geschichte ein, die das virtuelle Singspiel erzählt.

40 Kinder wirken mit

Einführung und Schluss gestalten mit zwei traditionellen Weihnachtsliedern „Die Birdies“. So lautet nun der neue Bandname von David, Amelie, Mathis, Robin und Alexandra Vögele, der früheren „Family of Birds“. In den Haushalten der zehn Kinder, die als Rollenbesetzung für die Erzählung über Christi Geburt vorgesehen waren, nahmen die Eltern die Sprechtexte ihrer Sprösslinge als Audiodateien auf. An einem Weihnachtsmusical außerhalb einer Pandemie wirken um die 40 Kinder mit. Diese rekrutiert Janikovits in der Schule in den Klassen drei bis fünf: „Das wären natürlich dieses Jahr zu viele gewesen; so musste ich für das Doppelteamvorhaben selektieren.“

Enttäuschung bei den Kids, die schon im Vorjahr mitmachten, war programmiert. Dicke Tränen flossen, als die abgespeckte Variante abgesagt werden musste. Die Audioaufnahmen der Texte seien nur ein kleines Trostpflaster für die Kinder. Aber wer weiß, wie die „Synchronsprecher“ reagieren, wenn sie das fertige Werk auf dem Bildschirm sehen. Dafür setzte die „Viantastin“ Julia Bendel im Stop-Motion-Verfahren innerhalb einer riesigen Arbeitsstrecke von mehreren Stunden am Freitag und Samstag das Krippenspiel mit Püppchen als Darsteller um. Stop-Motion ist „eine Art Daumenkino“, erzählt die 20-Jährige im BT-Gespräch. Dabei werden einzelne Bilder von unbewegten Szenen, in denen Bendel für jede Aufnahme die Figuren millimetergenau arrangiert, aufgenommen und aneinandergereiht. Zehn bis 20 solcher Standbilder pro Sekunde erzeugen die Illusion der Bewegung bei den „Darstellern“.

Je mehr Bilder, desto flüssiger

Bekannte Beispiele für Stop-Motion-Filme sind „Wallace & Gromit“ und „Coraline“. „Je mehr Bilder, desto flüssiger wird der Film“, erklärt Bendel. Die Audiotexte der Kinder passte die Studentin in ihren Clip ein, gab so den Püppchen eine Stimme. Als Drehorte verwendete sie urheberrechtsfreie Hintergrundbilder. Am Sonntag fügte Hobbyfilmer Alexander Ipach alle Puzzleteile zum Gesamten zusammen. An Heiligabend darf das Corona-Weihnachtsmusical in die Via-Annalen eingehen, um in ferner Zukunft Zeugnis abzulegen über Kreativität in Seuchenzeiten.


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