Krise am Staatstheater Karlsruhe: Wer wusste wann Bescheid?

Karlsruhe (sr) – In der Affäre um den Führungsstil des Karlsruher Generalintendanten Peter Spuhler schlagen die Wellen hoch: Wer wen über die Vorkommnisse informiert hat, spielt jetzt eine Rolle.

Mit dem Führungsstil des Karlsruher Staatstheater-Intendanten Peter Spuhler haben einige Mitarbeiter von Anfang an gehadert, jetzt ist die Situation eskaliert. Foto: Uli Deck/dpa

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Mit dem Führungsstil des Karlsruher Staatstheater-Intendanten Peter Spuhler haben einige Mitarbeiter von Anfang an gehadert, jetzt ist die Situation eskaliert. Foto: Uli Deck/dpa

Karlsruhe (sr) – Die baden-württembergische Kunstministerin Theresia Bauer hat am Mittwoch als Reaktion auf die BT-Berichterstattung ihre Bewertung zum Vorgehen des Personalrats in der Staatstheaterkrise präzisiert: Ihr Ministerium habe seit November 2018 keine direkte Rückmeldung mehr aus dem Staatstheater erhalten. Am Dienstag hatten sich die Vorstände von Chor und Orchester darüber „zutiefst irritiert“ gezeigt, dass die Ministerin von „neuen und erstmals aufgeworfenen“ Sachverhalten gesprochen hatte. Der Konflikt schwelt offenbar seit 2011.

Die jetzt in der Führungskrise handelnden Personen – Gesamtpersonalrat und Verwaltungsrat mit Kunstministerin Theresia Bauer und dem Karlsruher OB Mentrup an der Spitze – haben sich einstweilen verabredet, Stillschweigen über ihr weiteres Vorgehen zu bewahren. Dennoch reagierte die Ministerin auf die Berichterstattung im Badischen Tagblatt: „Ministerin Theresia Bauer hat bei ihrer Bewertung des öffentlichen Vorgehens des Personalrats darauf hingewiesen, dass Personalrat und Orchestervorstand im November 2018 zum Abschluss des Moderationsverfahrens zu einem Gespräch im Ministerium waren. Dabei wurde unter anderem auf die Fluktuation auf der Leitungsebene und hohe Anzahl von Krankheitsfällen hingewiesen und Kritik am Moderationsprozess geübt. Gleichzeitig wurde berichtet, dass an einer Dienstvereinbarung zum partnerschaftlichen Umgang gearbeitet wird. Diese liegt vor, sehr umfangreich und auch mit Beschwerdestellen, wohin sich Betroffene wenden können. Seitdem – also im Jahr 2019 bis zum offenen Brief 2020 – hat das Ministerium keine direkte Rückmeldung aus dem Theater erhalten,“ heißt es in der „kleinen Anmerkung.“

Theaterleute diskutieren über die Krise

„Krise als Chance – was kommt danach?“ hieß eine Diskussionsrunde am Dienstagabend im Badischen Staatstheater Karlsruhe, aber es ging um Corona, nicht den Intendanten. Gefragt wurde nach den Befindlichkeiten und Einschränkungen, nach möglichen Veränderungen und Utopien. Aber eben auch nach Intendant Peter Spuhler: Fast unisono sagten zwei der Diskussionsleiter – die Dramaturgen Eivind Haugland und Lena Mallmann – sie hätten kein Memo bekommen. Haugland lobte die Arbeit des Personalrats und die große Chance, „strukturell etwas zu verändern“. Und als es um charismatische Persönlichkeiten wie Greta Thunberg ging, warf der ehemalige Dramaturg Boris Kehrmann aus dem Publikum ein, dass ja auch Spuhler eine charismatische Persönlichkeit sei. Wohin das auch führen könne, habe man gesehen.


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