Kritik an Edeka-Plänen zu K&U

Baden-Baden/Offenburg/Stuttgart (tas) – Politiker von Grünen, SPD und Linkspartei haben Edeka Südwest aufgefordert, das Filialnetz der K&U-Bäckerei nicht abzustoßen. Doch der Zug rollt schon lange.

Edeka-Markt: Den selbstständigen Einzelhändlern wird die Übernahme von  K&U-Filialen angeboten. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

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Edeka-Markt: Den selbstständigen Einzelhändlern wird die Übernahme von K&U-Filialen angeboten. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Dass Edeka Südwest seine K&U-Filialen an mittelständische Edeka-Kaufleute abgeben möchte, ist nicht neu. Bereits seit zwei Jahren versucht der Offenburger Konzern, die in den Märkten im Eingangsbereich angesiedelten Verkaufsflächen loszubekommen. Denn sie rechnen sich nicht für das Unternehmen. Doch der Gegenwind für das Vorhaben hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen.

„Diese Zerschlagung ist unverantwortlich, denn Edeka Südwest zählt zu den Gewinnern der Corona-Pandemie und erzielt satte Gewinne.“ Dieser Satz steht in einer gestern in Stuttgart veröffentlichten Erklärung von Bundes- und Landespolitikern aus dem Südwesten, über den die Deutsche Presse Agentur (dpa) berichtete. Mit dabei sind Abgeordnete von Grünen, SPD und Linkspartei – darunter Heike Hänsel, Vize-Chefin der Linken-Bundestagsfraktion, und die Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke (Grüne) und Martin Rosemann (SPD).

Hänsel hatte sich bereits im Mai an einer Protestkundgebung in Reutlingen beteiligt. Dort hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vor einer K&U-Filiale gegen die Zerschlagung des Unternehmens, eine hundertprozentige Tochter von Edeka Südwest, protestiert.

Die Arbeitnehmervertreter argumentieren, durch den Betriebsübergang würden sich die Beschäftigten in Sachen Lohn, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen verschlechtern. Denn mit der Übergabe einer K&U-Verkaufsstelle in die Hände des Edeka-Marktes vor Ort gehen auch die tarifvertraglichen Bindungen verloren.

Eine Art kleiner Feldversuch


Andreas Fitterer sieht im Übergang keinen Nachteil. Zusammen mit seinem Bruder und seinen Eltern betreibt er drei Edeka-Märkte in Baden-Baden-Lichtental, Weisenbach und im pfälzischen Rülzheim und hat gute Erfahrungen mit dem Eigenbetrieb des Backwarenverkaufs gemacht. In einer Art kleinem Feldversuch hatte Fitterer bereits 2018 die Regie des K&U-Verkaufs in Lichtental übernommen. „Wir hatten uns damals sowieso einen Umbau gewünscht“, sagt Andreas Fitterer, „und der Mietvertrag mit K&U wäre ohnehin ausgelaufen.“

Bei der Übernahme habe die Familie von den im Weisenbacher Edeka-Markt gesammelten Erfahrungen profitiert. Denn seit der Eröffnung 1994 haben sich die Fitterers selbst um das Backwarengeschäft gekümmert und eigene Strukturen mit regionalen Lieferanten aufgebaut. Auch für die Beschäftigten sieht Fitterer durch den Übergang keine Nachteile. „Die K&U-Mitarbeiter kannten mich schon damals viel besser als den Bezirksleiter, der einmal in der Woche vorbeikam“, sagt er. Alltägliche Probleme – auch persönlicher Natur – seien durch den engen Kontakt nun viel einfacher zu lösen.

Laut Edeka Südwest sind die Erfahrungen bei Fitterer kein Einzelfall. „Zahlreiche Beispiele aus den vergangenen Jahren zeigen, dass alle Seiten gute Erfahrungen mit dieser Vorgehensweise gemacht haben“, teilt Edeka-Sprecher Christhard Deutscher auf Anfrage des BT mit. „Die selbstständigen Kaufleute unseres Unternehmensverbunds handeln eigenverantwortlich, auch bezüglich ihrer Mitarbeitenden. Für den gesamten Verbund gilt der Anspruch, ein Werteverständnis zu pflegen, das einen zuverlässigen, fairen und verantwortungsvollen Umgang mit Mitarbeitenden gewährleistet, wozu auch die Vergütung gehört.“

„Wirtschaftlichen Irrweg sofort stoppen“


Aus Sicht des Offenburger Konzerns gibt es keine Alternative für die Abgabe des Bäckerei-Filialverkaufs. Deutscher: „Die Verkaufsstellen der Bäckerei K&U sind seit vielen Jahren defizitär.“ Die rund 450 Niederlassungen (Stand Mai) sollen deshalb „sukzessive an Kaufleute übergeben werden“. Für die Produktionsstätten ergäben sich durch die Neuausrichtung keine Änderungen. „Sowohl die selbstständigen Kaufleute als auch in Eigenregie betriebene Bäckerei-Verkaufsstellen werden weiter von unseren Produktionsstätten in Mannheim, Bexbach, Reutlingen und Neuenburg beliefert.“

Mit dem Vorhaben bekämen die Edeka-Märkte vor Ort auch mehr Gestaltungsspielraum. „Das Angebot an Brot- und Backwaren kann so noch stärker an den jeweils örtlichen Kundenwünschen ausgerichtet werden, wodurch Umsatzchancen generiert werden“, sagt Deutscher. Mit der Neuausrichtung könnten also weiter Perspektiven für die Mitarbeitenden an den Verkaufsstellen eröffnet und negative Auswirkungen für sie abgewendet werden.

Die NGG läuft seit Monaten Sturm gegen die Pläne. In einem offenen Brief an die Geschäftsleitung von Edeka Südwest fordert die Gewerkschaft das Management dazu auf, „diesen wirtschaftlichen Irrweg sofort zu stoppen“.


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