Rastatts kritische Infrastruktur bereitet sich vor

Rastatt (kos) – Hohe Impfquoten und strenge Schutzkonzepte: In Rastatt besteht aktuell noch keine akute Gefahr, dass die kritische Infrastruktur durch die Omikron-Variante stark beeinträchtigt wird.

Besonders gefordert: Pflegekräfte spüren die Wucht der Pandemie an vorderster Front. Kündigungswellen in den Rastatter Kliniken gibt es aber noch nicht. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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Besonders gefordert: Pflegekräfte spüren die Wucht der Pandemie an vorderster Front. Kündigungswellen in den Rastatter Kliniken gibt es aber noch nicht. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Vor einem drohenden Zusammenbruch der sogenannten kritischen Infrastruktur im Zuge einer starken Omikron-Infektionswelle wurde in jüngster Zeit eindringlich gewarnt. Um dies zu verhindern, sind die betroffenen Betriebe dazu angehalten, sich entsprechend zu wappnen. In Rastatt blickt man in diesem Bereich aufgrund von Notfallplänen und hohen Impfquoten optimistisch nach vorne. Ein größerer Ausfall ist noch nicht absehbar.

Home-Office, Videokonferenzen, tägliche Schnelltests und an Corona angepasste Personalpläne: Was im Alltag längst zur Gewohnheit geworden ist, hilft auch der kritischen Infrastruktur in Rastatt, sich vor einem möglichen Kollaps zu wappnen.

Klinikum Rastatt:

An sprichwörtlich vorderster Front steht weiterhin das Gesundheitssystem. Durch die deutlich ansteckendere Omikron-Variante könnte es auch im Rastatter Krankenhaus des Klinikums Mittelbaden (KMB) zu Personalengpässen und Einschränkungen im Pflegealltag kommen. Noch ist das Zukunftsmusik. Eine konkrete Gefahr sieht der medizinische Geschäftsführer des KMB, Dr. Thomas Iber, „zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gegeben“. Um explodierende Patientenzahlen abzumildern, seien aber ausnahmslos alle in der Gesellschaft dazu angehalten, die geltenden Hygienevorschriften einzuhalten, appelliert Iber an die Bevölkerung.

Keine Kündigungen wegen Überlastung

Eine akute Gefahr sieht man laut Auskunft von KMB-Sprecherin Sybille Müller-Zuber auch deshalb als noch nicht drohend, weil die „große Mehrheit der Mitarbeiter“ geimpft sei. Geholfen haben laut Müller-Zuber auch die Erfahrungen der bisherigen Corona-Wellen, um sich gegen zahlreiche Infektionen und Corona-Fälle unter den Krankenhausmitarbeitern effektiv wappnen zu können.

Den Trend, dass Pflegekräfte wegen Überlastung den Dienst im Krankenhaus niederlegen oder den Beruf sogar ganz wechseln würden, kann Marko Appenrodt, Pflegedirektor der Rastatter Klinik, für die Einrichtungen in der Barockstadt nicht beobachten. Zudem habe er beobachtet, „dass die Belastung der Pflege zum Beispiel mit Influenza und Noro-Virus in vergangenen Jahren manchmal höher lag als aktuell“.

DRK-Kreisverband:

Auch beim DRK-Kreisverband in Rastatt zeigen sich noch keine Anzeichen zunehmender Überlastung. Christoph Lösel, Sprecher des DRK in Rastatt, betont für den örtlichen Rettungsdienst: „Wir haben derzeit nicht so viel Kopfschmerzen.“ Durch sogenannte Rückfallpläne und stark reduziert eingesetztes Personal könne auch während der Omikron-Welle der Notbetrieb zu jeder Zeit garantiert werden, berichtet Lösel von der täglichen Arbeit.

Gut vorbereitet: Die Feuerwehr kann laut Kommandant René Hundert jederzeit spontan reagieren. Foto: Robert Michael/dpa

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Gut vorbereitet: Die Feuerwehr kann laut Kommandant René Hundert jederzeit spontan reagieren. Foto: Robert Michael/dpa

Freiwillige Feuerwehr:

Mit extra erstellten Pandemieplänen hat auch die Feuerwehr nach eigenen Angaben bislang hilfreiche Erfahrungen gemacht, wie Kommandant René Hundert erklärt. Die städtische Feuerwehr sieht er durch ein Stufenkonzept grundsätzlich gut gerüstet, „mit welchem auf den Ausfall von Einsatzkräften reagiert werden kann“, wie er auf Nachfrage informiert.

„Ein strukturierter Kommunikationsweg“ bis zur Integrierten Leitstelle im Landratsamt sowie reduzierte persönliche Kontakte der Mitarbeiter sollen sicherstellen, dass zu jeder Zeit potenzielle Ausfälle kompensiert werden und folglich bei der eigentlichen Gefahren- und Brandbekämpfung keine Zeit verloren wird, schildert Hundert. Zahlreiche Ausfälle habe es in der Truppe bis jetzt noch nicht gegeben. Auch wegen der relativ hohen Impfquote zwischen 80 und 90 Prozent mache er sich keine allzu große Sorgen, was die Einsatzfähigkeit seiner Truppe anbelangt.

Dabei helfe der seit Pandemiebeginn eingesetzte Schicht- und Arbeitsplan, dass auch angesichts der Omikron-Welle keine größeren Änderungen in den Arbeitsweisen vorgenommen werden müssen, schildert er.

Polizei:

Ähnliches bekräftigt Pia Kammerer, Pressereferentin des Offenburger Polizeipräsidiums: „Das Polizeirevier Rastatt ist bisher gut durch die Pandemie gekommen“, betont sie. Mit täglichen Schnelltests, möglichst kontaktlosen Schichtwechseln und Homeoffice je nach Möglichkeit soll das auch weiterhin so bleiben. Ausfälle seien bislang relativ gering und schnell zu kompensieren gewesen, informiert Kammerer.

Stadtwerke Rastatt:

Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Stadtwerke in Rastatt, sieht kaum Unterschiede in den täglichen Arbeitsweisen während der Vorbereitung auf Omikron-Fälle und den bereits zurückliegenden Corona-Wellen. Seit die Pandemie Anfang 2020 auch in der Energie- und Wasserversorgung spürbar geworden ist, würden Krisenpläne mitunter täglich an die Entwicklung angepasst, organisiert von einem eigens eingerichteten Krisenstab, so Kaspryk.

„Für den äußerstenNotfall vorbereitet“

Dennoch hebt er die gestiegene Ansteckungsgefahr hervor: „Das heißt für uns: Noch mehr Kontaktvermeidung“. Dadurch setze man „alles daran, die Handlungsfähigkeit zu jeder Zeit aufrecht zu erhalten“, wie er auf Nachfrage mitteilt. „Wir sind für den äußersten Notfall vorbereitet“, unterstreicht er und gibt dennoch zu bedenken, dass man trotz aller Krisenpläne „die aktuelle Entwicklung der Omikron-Fälle im Unternehmen letztlich nicht in der Hand“ habe.

Stadtverwaltung:

„Auf das absolut Notwendige zurückgefahren“ hat wegen der „hoch dramatischen Infektionslage“ auch die Stadtverwaltung: Homeoffice, Telefonkonferenzen und wechselnde Dienstpläne sind laut Informationen der Stadtpressesprecherin Heike Dießelberg längst kein Novum mehr. Die Herausforderung hierbei liege vor allem darin, die tägliche Arbeit an die sich regelmäßig ändernden Infektionsschutzgesetze anzupassen, erklärt sie. Furcht vor massiven Einschränkungen im Alltag bestehe allerdings noch keine. Dank einer Impfquote von rund 92 Prozent unter den Mitarbeitern sowie der Schließung des Rathauses für Besucher, sei man hoffnungsvoll, den Dienstbetrieb auch weiterhin aufrechterhalten zu können, betont Dießelberg.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
20. Januar 2022, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 24sec

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