Krönender Abschluss der Puppentheaterwoche

Gernsbach (preu) – Ein letztes Mal hieß es am Samstagabend in der Stadthalle „Vorhang auf“ bei der 33. Puppentheaterwoche.

Wandelbar: Christiane Weidringer setzt den tollen Schlussakkord der 33. Puppentheaterwoche. Foto: Sigrid Preuss-Fieting

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Wandelbar: Christiane Weidringer setzt den tollen Schlussakkord der 33. Puppentheaterwoche. Foto: Sigrid Preuss-Fieting

Für die Abschlussvorstellung des einwöchigen Puppentheater-Festivals hätten eigentlich „Die Berliner Stadtmusikanten“ nach Gernsbach kommen sollen.

Aus Gesundheitsgründen musste auf dieses Stück aber verzichtet werden. Dem gut vernetzten Gründer des beliebten Festivals, Frieder Kräuter, gelang es stattdessen, das Figuren-Theater Christiane Weidringer aus Erfurt und ihr Team an die Murg zu locken.

Vorwitzig: Lustige Vögel zwitschern vor sich hin

Ihr Auftritt entpuppte sich als einer der Höhepunkte des Festivals, zwei Stunden (mit kleiner Pause) lang waren die Besucher spürbar gefesselt von dem, was sie zu sehen bekamen. Ein wahrhaft krönender Abschluss. Ein Zauber ging von der kleinen, wandelbaren Bühne aus, als sich deren Türen und Vorhänge öffneten, um dem ganz großen Theater, der „Zauberflöte – Sternstunde einer Souffleuse“ Raum zu geben.

Während drei lustige Vögel vorwitzig vor sich hin zwitscherten, blieb der Leiterin des Theaters, Gerlinde Salieri, das eigene Gekrächze im Halse stecken. Wie man später erfuhr, hatte das „Thronfolger-Gift – Aqua Tofana“ die ungeliebte Chefin außer Gefecht gesetzt. Die Sternstunde für die sonst immer im Verborgenen sitzenden Souffleuse (Christiane Weidringer) war gekommen. Sie konnte ihren großen Auftritt vorbereiten, nicht ohne erst einmal alles tüchtig zu entstauben.

Die Zuschauer erlebten eine „verfrischte“ Zauberflöte (Dramaturgin Annette Seibl und Regisseur Harald Richter), deren Sinnhaftigkeit angesichts der Komprimierung nicht verloren gegangen ist.

Der Weimarer Musiker Andreas Kuch extrahierte Mozarts populärste Arien und ließ sie von Weimarer Musikstudentinnen neu einsingen. Da wurde kurzerhand die Arie der Königin der Nacht zu einem Chanson. Geradezu fantastisch die Darstellung der Königin, die aus einem schwarzen Knäuel auferstand: Ihr langes, schwarzes, glitzerndes Gewand überdeckte das Bühnenhaus, ihre überlangen Arme gestikulierten zur Musik.

Die Puppenspielerin agierte in agiler, offener und verdeckter Spielweise, führte ihre Marionetten und Klappmaulpuppen in das Reich der Königin der Nacht oder zum Schloss des Saratros.

Alle waren glücklich – vor allem das Publikum

Wandelbar war nicht nur die Bühne, die sich mit wenigen Handgriffen in neue Räume, andere Welten entfalten ließ, wandelbar war auch die Stimme der Künstlerin Christiane Weidringer. In Sekundenschnelle ließ sie die Vögel piepsen, pfeifen oder sprechen. Dem Tamino, der Pamina, dem Papageno, der Papagena verlieh sie die Stimmen in unterschiedlichsten Tonlagen. Den Sklaven Monostatus ließ sie raubeinig daher reden. Saratros hatte dem Prinzen und dem Vogelfänger Papageno ein Schweigegebot auferlegt, das sie einhielten.

Dem Prinzen fiel es leichter als dem Plappermaul Papageno. Es gab da noch die Hilfsmittel Zauberflöte und Glockenspiel. Beide durchbrachen den Bann. Papageno bekam seine Papagena und Tamino seine Pamina. Alle waren glücklich – vor allem das Publikum, das sich für die glänzende „Ein-Frau-Show“ mit lang anhaltendem Applaus bedankte.


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