„Krone“ in Au öffnet wieder

Weisenbach (mm) – Ludwig Großmann räumt die Theke wieder ein. Denn die „Krone“ im Weisenbacher Ortsteil Au öffnet wieder.

Ludwig Großmann bleibt zunächst weiter in der Küche der Auer „Krone“. Foto: Markus Mack

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Ludwig Großmann bleibt zunächst weiter in der Küche der Auer „Krone“. Foto: Markus Mack

Seit 2. November 2020 war sie geschlossen. Am Samstag, 17. Juli, ab 11 Uhr stehen der Gastronom und seine Frau Waltraud mit ihren Mitarbeitern wieder für das Wohl der Gäste bereit. Obwohl alles ganz anders geplant war. Denn das Traditionshaus stand kurz vor dem Verkauf.

„Wir haben lange überlegt, was mit dem Haus passieren soll“, erzählt der Krone-Wirt. Ein Investor wollte acht Wohnungen schaffen, doch der ist nach langen Verhandlungen wieder abgesprungen. Corona und gestiegene Umbaukosten nennt Großmann als Gründe. Damit das Gebäude nicht leer steht, wird das Gasthaus seine Pforten wieder öffnen. „Wenn wir weiter zu lassen, wird es auch nicht einfacher.“ Von Mittwoch bis Freitag ist von 17 bis 23 Uhr offen, Samstag und Sonntag ab 11 Uhr durchgehend. Bei schönem Wetter wird auch im Biergarten bewirtet.

Verkauf erweist sich als schwierig

Das Anwesen steht nach wie vor zum Verkauf. „Es war uns klar, dass es nicht einfach wird. Jetzt wissen wir, dass es wegen Corona noch schwieriger ist“, erläutert Großmann. Von Anfang an habe er versucht, die „Krone“ als Gastronomiebetrieb zu verkaufen. Etliche Interessenten hätten sich die Immobilie angeschaut, ohne dass es zum Verkauf kam. Teilweise kamen Bewerber, die keine Ahnung von der Gastronomie hatten, erzählt er. Der Wunsch der Familie Großmann ist es nach wie vor, dass der Gastronomiebetrieb weitergeführt wird. Das wäre gut für Au und Weisenbach, sagt Großmann.

„Wir haben gedacht, dass das mit dem Investor klappt.“ Bürgermeister Daniel Retsch sei von der Umwandlung in ein Wohnhaus nicht gerade begeistert gewesen, obwohl man auch Wohnraum brauche. „Wir haben immer versucht, dass das Haus als Gastronomiebetrieb weitergeführt wird. Wir hoffen, dass sich noch jemand meldet“, versichert Großmann. Ein Ehepaar mit Gastronomieerfahrung aus Karlsruhe hatte Interesse bekundet, „aber dann kam Corona dazwischen.“ Ohne Einnahmen hätten die neuen Eigentümer das Haus nicht halten können.

„Der Betrieb liegt uns sehr am Herzen“, bekräftigt Großmann. Die „alte Crew“ steht noch immer zur Verfügung, „die freuen sich alle riesig“.

Wie lange die Großmanns noch weitermachen? An Heiligabend wird „Lugi“, wie Großmann auch genannt wird, 69 Jahre alt; in diesem Alter sind andere längst in Rente. „Wenn ich meinen 70. noch hier feiere, dann soll es gut sein“, sagt er.

Landgastronomie stirbt

Einen Interessenten gebe es noch, „vielleicht haben wir Glück, dass dieser übernimmt. Auf jeden Fall machen wir jetzt wieder auf und freuen uns auf unsere Gäste.“

Der Nationalpark sei ein Zugpferd, doch für diese werden die gastlichen Adressen weniger. „Ein großes Problem“, sagt Großmann. Die Landgastronomie stirbt, bedauert Großmann, der auch Dehoga-Vorsitzender des Bezirks Murgtal ist. Im ganzen Schwarzwald stünden Gaststätten und Hotels im mittleren Preissegment leer. Es kämen keine jungen Wirtsleute nach. Bürokratie, viele Vorschriften und die derzeitigen Finanzierungsbedingungen von Krediten nennt er als Gründe. Lediglich über Jahre erfolgreich geführte Gasthäuser ohne große Investitionskosten seien heute noch rentabel.

In den vergangenen beiden Sommern sei die Nachfrage nach Zimmern sehr groß gewesen. „Wir mussten viele Gäste wegschicken“ oder sie an andere Häuser vermitteln. „Das ist schon schlimm, wenn die Leute kommen und finden keine Zimmer.“

Haus mit Tradition

1920 erwarb Julius Großmann, der ehemalige Bürgermeister in Au und Großvater von Ludwig Großmann, das Anwesen. Er ließ das bestehende Gebäude abreißen und eröffnete 1926 die Krone als Wirtshaus und Bäckerei. Eine Poststelle und ein Kohlenhandel waren angeschlossen. 1965 übernahmen Anni und Wendelin Großmann das Anwesen.

Seit 1983 führt deren Sohn Ludwig mit seiner Frau Waltraud den Familienbetrieb, am 9. September werden es 38 Jahre.

Das Gasthaus hat zusätzlich einen Bühnensaal. Dieser verfügt über rund 180 Plätze. Vier Doppel- und drei Einzelzimmer sowie ein Appartement für vier Personen stehen ebenfalls zur Verfügung.

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Ihr Autor

BT-Redakteur Markus Mack

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Erstellt:
13. Juli 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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