Künftig Wein in der Ebenung als Erlebnis vermitteln

Sinzheim (cn) – Im Spätsommer soll es so weit sein: Dann soll in der Ebenung das „Restaurant Ebanat im Weingut Kopp“ für Gäste die Tore öffnen. Der Baufortschritt des Neubaus ist deutlich sichtbar.

Alina und Johannes Kopp zeigen den neuen Holzfasskeller: Dort sollen bald befüllte Weinfässer lagern werden. Foto: Christina Nickweiler

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Alina und Johannes Kopp zeigen den neuen Holzfasskeller: Dort sollen bald befüllte Weinfässer lagern werden. Foto: Christina Nickweiler

Langsam robbt der Bagger vor dem neuen kubisch-förmigen Gebäude des Weingutes Kopp in der Ebenung über den Lehmboden. An der Baggerschaufel hängt ein mehrere Meter hoher Baum, dessen Wurzeln sich in einem großen Ballen Erde befinden. Etliche Bäume sind in diesen Tagen noch zu pflanzen. Denn mit einer Allee sollen die künftigen Gäste des Weingutes willkommen geheißen werden. Nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit sind auf der Baustelle die Räumlichkeiten schon gut zu erkennen, in der ab dem Spätsommer eine Vinothek, eine auf das Weingut zugeschnittene Gastronomie sowie entsprechende Aufenthaltsmöglichkeiten fertiggestellt sein werden.

Weingutsbesitzer Johannes Kopp und seine Frau Alina Kopp haben in den kommenden Wochen neben den laufenden Arbeiten in den Weinbergen noch viel Arbeit zu erledigen. Beide sind täglich auf der Baustelle. Während Johannes Kopp im Rohbau mit dem Architekten Thomas Bechtold oder mit Bauleiter Daniel Krämer Abstimmungsgespräche führt, organisiert Alina Kopp den Vertrieb des laufenden Geschäfts. Dass der Fertigstellungstermin Ende August eingehalten werden kann, davon zeigen sich die Kopps überzeugt: „Durch die langen Vorlaufzeiten bei dem Projekt, sind wir sehr gut durch Materialengpässe und Preissteigerungswellen gekommen“, erläutert der Weingutschef im Gespräch mit dieser Zeitung.

Name geht auf urkundliche Erwähnung der Ebenung zurück

Schon jetzt hält er aber Ausschau nach Mitarbeitern für den Service und die Küche des neuen Betriebes. Denn ab Ende August sollen die Türen im „Restaurant Ebanat im Weingut Kopp“ für die Gäste geöffnet werden. Bei dem Begriff „Ebanat“ bezieht sich der Weingutschef auf eine urkundliche Erwähnung des Ortes von 1386. Über das ganze Jahr sollen hier dann rund 80 Gäste bewirtet werden, bis auf sonntags allerdings nur in den Abendstunden. Mit diesem neuen Ambiente will der Winzer Wege gehen, wie sie anderswo in europäischen Weinbauregionen längst üblich sind. Die badische Region hat nach Ansicht von Johannes Kopp hier Nachholbedarf.

Während seiner Ausbildung ist der Winzer weit in der Welt herumgekommen, und er hat festgestellt: „Wein wird stets durch ein passendes Ambiente ergänzt, in Form von Landschaft, Menschen, Veranstaltungen, gutem Essen, aber ebenso durch ansprechende Gebäude, die wie in Frankreich oftmals als Chateau oder in der neuen Welt als moderne Meisterleistung eines Architekten Eindruck hinterlassen und Emotionen wecken.“

Johannes Kopp will Wein als Erlebnis vermitteln – und zwar auch durch kulturelle Veranstaltungen, Weinproben, Weinseminare und Weinwandertage. Von diesem Anspruch geleitet, ist der gesamte Gebäudekomplex zu betrachten. So soll nach den Vorstellungen der Kopps im Kellergeschoss neben einem großen Barriquelager, ebenso ein Weinarchiv für die Gäste geboten werden.

Markantes Merkmal des neuen Gebäudes: Die Glasfront im künftigen Gastraum kann geöffnet werden.  Foto: Christina Nickweiler

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Markantes Merkmal des neuen Gebäudes: Die Glasfront im künftigen Gastraum kann geöffnet werden. Foto: Christina Nickweiler

Für Aha-Momente bei den Besuchern dürfte aber der Blick durch die großzügige Glasfront auf der Südwestseite des Gebäudes sorgen: Berge, Wald, Reben, Streuobstwiesen bei einer einmaligen Fernsicht. Es ist, als erscheine die Schönheit der gesamten hiesigen Natur im Brennglas. „Bei gutem Wetter blickt man am Schwarzwald entlang und kann am Horizont den Schutterlindenberg in Lahr erkennen sowie das Straßburger Münster beim Blick in westliche Richtung. Mit dem Fernglas ist sogar die Spitze des Kaiserstuhlturms sichtbar“, schwärmt Johannes Kopp.

In den vergangenen Tagen wurde der Estrich auf der Hauptetage von mehreren Hundert Quadratmetern gegossen. Im Erdgeschoss sind neben dem Büro des Weinguts, das momentan noch im benachbarten Wohnhaus in privaten Räumlichkeiten untergebracht ist, die Küche, die Vinothek und der großzügige Gästeraum untergebracht.

Zwar verfügt das Gebäude über drei Ebenen, aber durch den eingegrabenen Keller verschwindet dieser größtenteils im natürlichen Geländeverlauf. Auf der östlichen Seite grenzt der Baukörper an den Wald. Mit einem warmen, lehmfarbigen Verputz wird sich die Fassade farblich naturnah an die umgebende Landschaft anpassen.

Apropos Lehm: Gleich zu Beginn der Aushubarbeiten im Dezember 2020, stellte der Bautrupp fest, dass der Baugrund zu diesem Zeitpunkt relativ weich „wie Pudding“ war, berichtet Architekt Bechtold. Daher mussten Rohre bis sechs Meter tief in den Boden getrieben und mit Kies verfüllt werden. Mehr als 155 sogenannte Rüttelstopfsäulen sind nun mit dem Fundament verbunden.

Ebenso befinden sich im Boden eingegrabene Regenwasserzisternen, die bis zu 240.000 Liter Regenwasser speichern können. „Es war uns trotz Mehrkosten wichtig, unter dem Begriff Nachhaltigkeit hier Sinnvolles zu tun“, betont Johannes Kopp. So versorgt eine neue Pelletheizung den kompletten Neubau, den Altbau und die übrigen Hallen mit Wärme. Auf dem Neubau wird es – wie bereits auf dem Altbau – eine Photovoltaikanlage geben. Neben einer Ladestation für Elektroautos ist auch eine Ladestation für E-Bikes geplant.

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Erstellt:
20. April 2022, 16:10 Uhr
Lesedauer:
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