Gutachter prüfen Klinik-Struktur

Rastatt (dm) – Im Ringen um eine zukunftsfähige Struktur für das Klinikum Mittelbaden sollen nun Gutachter ans Werk. Bleiben drei Akut-Standorte oder kommt ein Neubau?

Auf dem Prüfstand: Die drei Akut-Standorte in der Region müssen saniert werden. Foto: Mauderer/Archiv

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Auf dem Prüfstand: Die drei Akut-Standorte in der Region müssen saniert werden. Foto: Mauderer/Archiv

Der Aufsichtsrat des Klinikums Mittelbaden hat ein Gutachten zu dessen künftiger Struktur in Auftrag gegeben. Dabei wird neben einem Erhalt der verbliebenen Akut-Kliniken Rastatt, Baden-Baden und Bühl auch ein zentraler Neubau als Alternative untersucht, dessen Standort dann noch gefunden werden müsste. Das Thema kam gestern bei der Haushaltsberatung des Kreis-Verwaltungs- und Finanzausschusses auf.

Grünen-Kreisrat Manuel Hummel hatte beantragt, dass der Landkreis für die kommenden Jahre neben dem geplanten Investitionszuschuss (2,4 Millionen Euro) und Verlustausgleich (drei Millionen) weitere 4,5 Millionen Euro zur Rücklagenbildung ans Klinikum überweist. Ein Antrag, den das Gremium gegen die Stimmen der Grünen und Walter Jüngling (SPD) ablehnte. Abgesehen davon, dass man eine Rücklagenanhäufung in Zeiten von Negativzinsen für wirtschaftlich nicht sinnvoll erachte, informierte Landrat Toni Huber, zugleich Klinikum-Aufsichtsratsvorsitzender, in diesem Zusammenhang über das beauftragte Gutachten. Zuerst sei über die künftige Struktur – und im Fall eines Falles über den Standort eines eventuellen Neubaus – zu entscheiden, eine seriöse Kostenschätzung aufzustellen und dann eine Finanzierung auf die Beine zu stellen, und zwar zusammen mit dem Mitgesellschafter Baden-Baden, betonte er.

„Ein wichtiger Zwischenschritt“

Zuletzt war der Rückzug der Akutversorgung aus Ebersteinburg und Forbach und deren Konzentration auf Baden-Baden (Balg), Bühl und Rastatt angegangen worden. Bereits bei der Einbringung des Landkreis-Haushalts betonte Toni Huber, dass dieser Umbau „ein wichtiger Zwischenschritt“ auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Ausrichtung gewesen sei, „mehr aber auch nicht“. Bundespolitische Vorgaben seien für kleinere Kliniken inzwischen „existenzbedrohend“.

Noch stehen die Gutachter, am Anfang, wie Klinikum-Geschäftsführer Jürgen Jung auf BT-Nachfrage erläuterte; auch Huber warnte davor, Ergebnisse vorwegnehmen zu wollen. Denkverbote hinsichtlich der zukunftsfähigsten Option hat man sich dabei offensichtlich nicht auferlegt, das Gutachten sei völlig ergebnisoffen beauftragt worden, so Jung.

Erheblicher Sanierungsbedarf

Das heißt: Die Frage, welche Aufgaben man angehen müsse, stelle sich dreimal. Was müssen wir tun, wenn wir alle drei akutmedizinischen Standorte behalten wollen?, fragt der Geschäftsführer und erinnert daran, dass das jüngste Haus – Balg – bereits 43 Jahre auf dem Buckel hat, und in Rastatt Gebäudeteile bis zu 100 Jahre alt seien. „Grenzwertig“ nennt Jung das. Das heißt: Umfassende Generalsanierungen stünden in allen Häusern an, um künftige Anforderungen erfüllen zu können. Früher seien eben die Zimmer enger, die Türen schmaler, die Diagnostikabläufe andere gewesen. Was müsste man tun, wenn man nur zwei Standorte behielte? Oder, davon losgelöst: Was würde es bedeuten, ein zentrales Klinikum hinzustellen? Klar sei: Die Erreichbarkeit innerhalb einer halben Stunde für alle im Einzugsgebiet Wohnenden müsste an dessen Standort sichergestellt sein. Diese Fragen zu klären, sei nun Job der Gutachter. Abgebildet werden soll das Ganze für die nächsten zehn Jahre. So lange nämlich, rechnet Jung, würde es dauern, bis die jeweiligen Erneuerungsprozesse abgeschlossen sein könnten. Klar scheint nur: Landkreis und Kurstadt, so Huber „stehen hinter dem Klinikum“ und zur kommunalen Trägerschaft.

Konkret plane man unterdessen, zunächst gemeinsam neun Millionen Euro im Jahr ins Klinikum fließen zu lassen. Das Jahr 2018 hatte das Klinikum, das zu 60 Prozent vom Landkreis und zu 40 Prozent von der Stadt-Baden getragen wird, mit einem Minus von fast 5,9 Millionen Euro abgeschlossen.

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Erstellt:
29. Januar 2020, 09:30 Uhr
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