Künstlerin mit vielen Talenten: Clara Schumann

Baden-Baden (sr) – Clara Schumann (1819-1896) war eine Pianistin von Weltrang, aber auch Komponistin, Pädagogin und Herausgeberin der Werke ihres Mannes Robert Schumann.

•Im Dahliengarten an der Lichtentaler Allee in Baden-Baden erinnert diese Bronzebüste an Clara Schumann, die vor 125 Jahren gestorben ist.  Foto: Thomas Viering/Archiv

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•Im Dahliengarten an der Lichtentaler Allee in Baden-Baden erinnert diese Bronzebüste an Clara Schumann, die vor 125 Jahren gestorben ist. Foto: Thomas Viering/Archiv

Man hat so vieles in ihr gesehen: Ein Wunderkind am Klavier. Später die rührend besorgte Gattin von Robert Schumann, die eigene künstlerische Ambitionen selbstverständlich zurückstellt. Die heimliche Geliebte von Johannes Brahms. Aber auch die harte Geschäftsfrau, die unerbittliche Lehrerin und die für ihre eigenen Kinder kaum erreichbare Mutter sind Zuschreibungen für Clara Schumann. Vor 125 Jahren, am 20. Mai 1896 ist sie in Frankfurt im Alter von 76 Jahren gestorben.

An den Main hatte sie zuletzt ihren Wohnsitz verlegt, weil man ihr dort eine hoch dotierte und persönlich ausgestaltete Stelle als berühmte Klavierlehrerin angeboten hatte. Zwei unverheiratete Töchter übernahmen den Unterricht der meisten Schüler, Clara arbeitete nur mit Ausnahmetalenten – die auch noch stilistisch ihrem Geschmack entsprechen mussten. Mit Robert Schumann hatte sie in Leipzig, Dresden und Düsseldorf gelebt, später als Witwe auch in in Berlin und zehn Jahre lang – von 1863 bis 1873 – in Baden-Baden.

Ruhe fand sie nur beim Klavierspiel

Nachfolgende Generationen sahen in ihr eine früh emanzipierte Künstlerin, die ungeachtet aller Widrigkeiten ihren Weg ging und nicht nur reproduzierende Pianistin war, sondern auch Komponistin. Eine ihrer heutigen Biografinnen, die Musikwissenschaftlerin Eva Weissweiler, schreibt, Clara sei von allen benutzt worden – sie habe aber auch selbst alle einflussreichen Menschen ihres Umfelds benutzt.

Das liebliche Wesen, das man ihr vielleicht nur andichtete, musste Clara Schumann rasch ablegen. Robert Schumanns Krankheit und sein Unvermögen im beruflichen Umgang mit Verlegern, Chören und Orchestern machten es notwendig, dass sie die Verantwortung im Musikalischen wie in der Familie übernahm. Ohne ihre Gagen für Klavierabende ging es nicht. Schon vor Roberts Krankheitsausbruch 1854 und mehr noch nach seinem Tod 1856 musste sie allein den Unterhalt für die kinderreiche Familie verdienen, verhandelte mit Agenten und Verlegern, reiste auf Tourneen durch aller Herren Länder bis nach Russland und kümmerte sich auch noch um die Aufführung von Werken ihres Mannes und um seinen künstlerischen Nachlass. Daneben unterrichtete sie ständig, egal wo sie war. Um 40 Jahre hat sie ihren Ehemann überlebt.

Acht Kinder und quälende Schmerzen

Die älter werdende Pianistin trugen die damaligen Kritiker nicht mehr auf Händen: Ihr Spiel wird häufig als seelenlose Virtuosität abgetan. Dabei wussten wenige von den starken Schmerzen, die sie durch ständige Überanstrengung der Arme dauerhaft quälten und die auch durch Kuraufenthalte etwa in Bad Wildbad nicht besser wurden.

Ihr eigenes Wirken als Komponistin blieb lange unerkannt. Schon als Jugendliche schrieb sie ein Klavierkonzert, ihr Opus 7, das sie 1835 im Leipziger Gewandhaus unter der Leitung von Felix Mendelssohn uraufführte. Das Werk wurde von der Freiburger Schumann-Forscherin Janina Klassen neu herausgegeben und wird heute wieder häufiger gespielt, ebenso das Trio für Klavier, Violine und Violoncello.

Besondere Beziehung zu Johannes Brahms

Am Klavier fühlte sich Clara Schumann bis ans Lebensende am wohlsten, das liest man aus vielen Aufzeichnungen heraus. Die acht Kinder waren für sie oft eine Last, die sie auf Pensionate und im Familienkreis verteilte. Die ältesten Töchter wurden in der Haushaltsführung gebraucht, die jüngste, Eugenie, veröffentlichte später ihre Erinnerungen an die Mutter.

Clara Schumann war eine besondere Frau, mit eisernem Willen und bewundernswerter Widerstandskraft. Anhand ihrer Briefe und Tagebücher ist ihr Leben und gleichzeitig das Musikgeschehen ihrer Zeit beinahe lückenlos dokumentiert. Nur die Briefe, die sie Johannes Brahms geschrieben oder von ihm bekommen hat, wurden großenteils vernichtet. Daher wird man wohl nie wissen, ob die beiden wirklich ein Paar waren oder nicht. Im fortgeschrittenen Alter jedenfalls konnten sie weder miteinander noch ohne einander – es gab viele Krisen in ihrer lebenslangen Freundschaft.

Von Claras Tod erfuhr der unverheiratet gebliebene Brahms in Bad Ischl. Er fuhr sofort nach Bonn, wo Clara Schumann am Pfingstsonntag 1896 neben ihrem Ehemann beerdigt wurde. „Der einzige Mensch, den ich wirklich geliebt habe, den habe ich heute begraben“ – so wird er zitiert.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sabine Rahner

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Erstellt:
20. Mai 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
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