Künstlerin zeigt schöpferischen Prozess in der Altstadt

Gernsbach (BT) – Bildhauerin Annegret Kalvelage gestaltet im Schaufenster des Kunstraums in der Gernsbacher Hauptstraße ihre Skulpturen.

Filigrane Handarbeit: Annegret Kalvelage arbeitet an einem Rohling aus Holz. Das Spezialgebiet der 53-jährigen Bildhauerin, die in Weisenbach ein Atelier betreibt, sind Figuren von Menschen. Foto: Silas Grittmann

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Filigrane Handarbeit: Annegret Kalvelage arbeitet an einem Rohling aus Holz. Das Spezialgebiet der 53-jährigen Bildhauerin, die in Weisenbach ein Atelier betreibt, sind Figuren von Menschen. Foto: Silas Grittmann

Annegret Kalvelage knipst die kleine Lampe an und nimmt Platz. Im Lichtkegel ist ein Stück Holz befestigt. Es ist ein neuer Rohling der freischaffenden Bildhauerin. Vorsichtig und mit gekonnten Bewegungen setzt sie das Werkzeug an und beginnt, das Holz zu formen. Draußen bleibt eine Passantin kurz interessiert stehen und schaut der Künstlerin durch das Schaufenster des Gernsbacher Kunstraums bei der Arbeit zu.

An ihrem Platz im Schaufenster wird Annegret Kalvelage auch an diesem Wochenende sitzen und Skulpturen erschaffen. Mit ihrer Aktion „24 Stunden für die Kunst“ will sie den schöpferischen Prozess hinter ihren Skulpturen sichtbar machen. „Die Besucher sollen sehen, dass hinter den Skulpturen ein Mensch steht“, sagt die Künstlerin. Sie betreibt den Kunstraum in der Gernsbacher Altstadt seit 2018.

Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst

Gefördert wird die Aktion durch ein Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. „Das Stipendium ist quasi eine Unterstützung des Landes Baden-Württemberg für die Künstler“, erklärt Kalvelage. Sie hatte sich bereits im Sommer mit dem Projekt beworben und den Arbeitsplatz im Schaufenster eingerichtet. „Das Besondere ist, dass man wie in einem Museum auch die Hintergründe zu den Werken erfahren kann“, sagt die Künstlerin stolz und deutet auf QR-Codes für das Schaufenster.

„Ich habe meine Homepage überarbeitet und eine Art Audio-Guide eingefügt“, erläutert sie. Eingesprochen von ihrer Nichte, die eine professionelle Schauspielausbildung hat, lassen sich so einige Youtube-Videos zu den Skulpturen im Schaufenster finden. In den kurzen Clips werden dann die Hintergründe erklärt. „Außerdem wird die Aktion auch über Instagram live gestreamt“, so Kalvelage. Die digitalen Möglichkeiten müsse man nutzen, meint sie. Dennoch sei es nicht leicht, sich in die verschiedenen Gebiete einzuarbeiten. „Aber man muss präsent bleiben und darf den Kopf nicht in den Sand stecken“, sagt Kalvelage. In der Pandemie präsent zu bleiben ist nicht einfach. Denn ihre Ausstellung zum Thema „Klimawandel-Mensch-Natur“, die in München hätte stattfinden sollen, wurde abgesagt. Die Treffen mit anderen Bildhauern bei diversen Veranstaltungen wie das internationale Bildhauer-Pleinair in Wilkendorf bleiben dieses Jahr auch aus. Die Altstadt ist momentan ebenfalls ziemlich leer.

„Einerseits gut, weil die Menschen ihre Kontakte beschränken“, betont sie. Andererseits fehle der persönliche Kontakt, der in ihrem Berufsfeld eigentlich sehr wichtig ist. „Eine Skulptur muss man eigentlich aus allen Blickwinkeln betrachten können“, sagt Kalvelage. Auch die Haptik sei sehr wichtig. Ein digitales Schaufenster, wie das auf ihrer Webseite, sei da kaum eine passende Alternative.

„Es lohnt sich, in die Altstadt zu kommen“

Vor dem echten Schaufenster in Gernsbach ist eine Bank platziert. So können Interessierte während der Aktion auch etwas länger in der Altstadt verweilen. „Es lohnt sich, in die Altstadt zu kommen“, sagt Kalvelage (Jahrgang 1968) und meint damit nicht nur ihren Kunstraum. „In der Altstadt entsteht gerade eine neue und kreative Szene“, erklärt sie. Einige Geschäfte mit nachhaltigen und fairen Konzepten ließen sich inzwischen in der Altstadt entdecken. „Es geht in die richtige Richtung.“

Ein Teil der Altstadt sind auch Annegret Kalvelages Holz- und Steinskulpturen, die das Schaufenster des Kunstraumes zieren. Seit 2007 ist sie freie Bildhauerin. Seit etwa zehn Jahren ist sie im Murgtal und hat ihr Atelier in Weisenbach eingerichtet. Dann folgte 2018 die Gründung des Kunstraums. Dort stellt sie ihre Skulpturen und auch Werke von befreundeten Künstlern aus.

„Die Bildhauerei ist für mich eine Leidenschaft, eine Berufung“, sagt die Bildhauerin Kalvelage über ihren Beruf. „Wenn man ganz bei sich sein kann, die Arbeit einen nährt und glücklich macht, dann hat man den richtigen Weg gefunden.“

Ihr Autor

Silas Grittmann

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Erstellt:
19. Dezember 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 51sec

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