Kultur gibt es im Murgtal nur noch mit Maske

Gaggenau (BNN) – Unbeschwerte Konzerte und Theateraufführungen gehören wieder der Vergangenheit an. Die Corona-Alarmstufe zwingt Veranstalter im Murgtal, erneut strengere Maßnahmen einzuführen.

Spektakel in der Alten Turnhalle: Um hier Theater erleben zu können, muss man geimpft oder genesen sein und eine Maske tragen. Foto: Bernd Kamleitner

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Spektakel in der Alten Turnhalle: Um hier Theater erleben zu können, muss man geimpft oder genesen sein und eine Maske tragen. Foto: Bernd Kamleitner

„Die Menschen sind durch die hohen Corona-Zahlen verunsichert“, stellt Anna Schadl fest. Sie organisiert mit dem Kulturamt Gaggenau Veranstaltungen auf der klag-Bühne und in der Jahnhalle. Die Unsicherheit ist nur eine der vielen Auswirkungen der Pandemie auf die Kulturbranche im Murgtal. Durch die nun gültige Corona-Alarmstufe müssen sich Veranstalter wieder auf neue Konzepte einstellen.

Bisher hat das Kulturamt Gaggenau bei den Veranstaltungen auf der klag-Bühne und in der Jahnhalle auf das 2G-Konzept verzichtet. „Wir haben bisher immer das Mindestmaß nach Verordnung gewählt, um möglichst allen Interessierten Veranstaltungen zu bieten“, erklärt Anna Schadl aus dem Kulturamt. „Da jetzt verpflichtend 2G eingeführt wird, müssen wir eben auch umstellen.“ Das Programm läuft vorerst wie geplant weiter. „Wir hoffen natürlich, dass es kein Veranstaltungsverbot geben wird. Die Kultur sollte weiter stattfinden dürfen“, sagt Schadl.

Selbst ohne ein erneutes Veranstaltungsverbot bemerke man in Gaggenau die Verunsicherung der Besucher. „Die hohen Zahlen sind natürlich wieder ein Tiefschlag. Viele finden es daheim auch sehr bequem. Die Menschen müssen erst wieder abends rausgehen wollen.“

Absagen von Künstlern

Auch im Kirchl in Obertsrot wurde bisher das 3G-Konzept genutzt. „Wir haben uns jetzt auf das 2G-Konzept eingestellt“, sagt Jutta Mast, die dort für die Veranstaltungen zuständig ist. „Es gibt allerdings auch Absagen von Künstlern, die ihre Konzerte in der momentanen Situation nicht spielen wollen.“

Die Künstler werden im Kirchl oft mit sogenannten „Doordeals“ bezahlt, erklärt Mast. Das bedeutet, dass sie keine feste Gage erhalten, sondern die Einnahmen aus dem Ticketverkauf ausgezahlt werden – der während der Pandemie natürlich schlechter läuft.

„Wir machen das alles ehrenamtlich und haben daher keine großen Verluste“, freut sich Mast und geht noch weiter: „Da wir schon einige Konzerte machen konnten, zahlen wir sogar Corona-Boni an Künstler, um deren Ausfälle abzufangen.“

„Eine Testpflicht fände ich sehr gut“

Dennoch hat Mast Wünsche an die Politik. „Eine Testpflicht fände ich für die Kulturbranche sehr gut. Auch geimpfte Personen können andere anstecken. Wenn alle negativ getestet sind, könnte man auch Veranstaltungen weiter anbieten.“

Im „Theater Alte Turnhalle“ in Hilpertsau hat Thomas Höhne bereits freiwillig auf 2G gesetzt. Er ist der Theaterleiter und beschäftigt sich deshalb intensiv mit den jeweils geltenden Corona-Verordnungen, um sie richtig umzusetzen. „Wir machen schon länger 2G und durch die Alarmstufe eben 2G mit Maske. Das ist der Stand der Dinge“, erklärt Höhne, der mit der Situation sachlich umgeht.

Doch auch in Hilpertsau gibt es Rückzieher. „Wir erhalten immer mal wieder Absagen von Menschen, die die 2G-Bedingungen erfüllen würden, aber während der momentanen Pandemielage nicht kommen wollen“, ist Höhnes Erfahrung. Trotzdem habe der Spielort eine „mittlere Auslastung“.

Wie Mast sieht er die Politik stärker in der Pflicht. „Ich wünsche mir Verordnungen, die ganz klare Wege aufzeigen. Das größte Problem ist die zu geringe Impfquote. Wären mehr Menschen geimpft, hätten wir das Theater nicht nochmal.“

Auch kleinere Veranstalter stimmt die aktuelle Situation nachdenklich. „Es ist nicht so angenehm, wenn man die hohen Zahlen sieht“, sagt Franz Kalmbacher, der gemeinsam mit dem Musikverein Forbach das Konzert „Sound of Silence – Klang der Stille“ veranstalten will.

„Für uns haben sich die Voraussetzungen nicht groß geändert. Die meisten Zuschauer sind geimpft, die Schüler getestet und die Menschen sind an die Maske gewöhnt.“

Das Konzert ist ein Benefizkonzert, bei dem Spenden für die Spendenaktion „Musik hilft Musik – Fluthilfe Rheinland-Pfalz“ gesammelt werden. Die Musikschulen und Musikvereine, die unterstützt werden, sind laut Kalmbacher von der Flut stark getroffen worden. „Mit dem Konzert dafür Spenden zu sammeln, ist daher das Sinnvollste, was wir machen können“, sagt er. „Eben Musik für Musik.“

Benefizkonzert in Forbach

Das Benefizkonzert des Musikvereins Forbach findet am Samstag, 20. November, um 19.30 Uhr in der katholischen Kirche Forbach statt. Es gilt das 2G-Konzept und Maskenpflicht. Der Musikverein bittet zusätzlich zum 2G-Konzept um einen Selbsttest. Anmelden kann man sich unter www.musikverein-forbach.de oder direkt über den Gottesdienstkalender unter www.kath-forbach-weisenbach.de.

Ihr Autor

unserer Mitarbeiterin Silas Grittmann

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Erstellt:
18. November 2021, 12:00 Uhr
Lesedauer:
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