Kultur im Corona-Jahr: Besondere Abende – aber wenige

Baden-Baden (sr) – Die Kulturszene in der Region erprobt im Corona-Jahr viele neue Formate. Allerdings sind diese nicht kostendeckend. Ein Rückblick.

Großartige Sprungtechnik: Alexander Riabko zählt zu den Topstars des Hamburg Balletts, das im Herbst im Festspielhaus tanzt. Foto: Kiran West14

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Großartige Sprungtechnik: Alexander Riabko zählt zu den Topstars des Hamburg Balletts, das im Herbst im Festspielhaus tanzt. Foto: Kiran West14

Kammerkonzert statt großem Orchesterauftritt im Baden-Badener Weinbrennersaal und anderen Konzertsälen, weit auseinander agierende Schauspieler vor reduziertem Publikum im Theater – wir erleben besondere Kulturabende in diesem Jahr, wenn auch nicht sehr viele. Im Festspielhaus ist im Oktober sogar so etwas wie Aufbruchstimmung zu spüren: Ein- und Ausgänge streng getrennt, Automaten, die die Temperatur der Besucher messen, und eine weitverzweigte Sitzordnung, die vermuten lässt, jeder sei mit jedem verkracht. Aber auf der Bühne herrscht für diese wenigen Male klangvolle Harmonie: Die Bamberger Symphoniker in voller Bruckner-Stärke, kurz darauf sogar eine Aufführung des Brahms-Requiems mit den Balthasar-Neumann-Ensembles – dabei wird das Singen doch ganz besonders argwöhnisch betrachtet wegen der ganzen Aerosole, die dabei durch die Luft wirbeln.

Pandemiegerechter Auftritt im Festspielhaus

Möglich wird das alles durch enormen Einsatz der Künstler, die sich laufend Corona-Tests unterziehen. Auch das Hamburg Ballett, das jeden Herbst nach Baden-Baden zu einer gut 14-tägigen „Residenz“ anreist, gestaltet einen pandemiegerechten Auftritt im Festspielhaus. Wie immer ist John Neumeier, Chefchoreograf und Intendant der weltweit gefeierten Compagnie, seiner Zeit einige Schritte voraus: Er kreiert schon früh ein Ballett, das alle Bedingungen dieser neuen Zeit erfüllt: Pas de deux werden ausschließlich von Paaren getanzt, die auch im Privatleben zusammengehören – und da hat dieses Ballettensemble glücklicherweise einige davon. Der Rest wahrt Abstand, weiß aber auch so das Publikum mitzureißen.

„Ghost Light – Ein Ballett in Corona-Zeiten“ kommt beim auf 500 Zuschauer geschrumpften Publikum großartig an. Der Titel erinnert an eine amerikanische Theatertradition, nach der bis heute auf den Bühnen ein Nachtlicht brennt, um – so der Aberglaube – den Theatergeistern nachts eigene Auftritte zu ermöglichen. Schon im Mai hat John Neumeier mit den Proben begonnen, weil er spürte, dass seine Tänzer eine neue Aufgabe brauchen. Deren „Ernsthaftigkeit, Disziplin und absolute Hingabe“ schildert er dem Publikum im Festspielhaus mit tränenerstickter Stimme.

Ein-Personen-Abende im Theater

Die Hoffnungen richten sich jetzt auf die Pfingstfestspiele 2021, bei denen ein Großprojekt des Tanzes geplant ist mit dem Hamburg Ballett in Zusammenarbeit mit dem SWR-Symphonieorchester unter seinem Dirigenten Teodor Currentzis – die in Tanzbilder umgesetzte Turangalila-Sinfonie von Olivier Messiaen.

Was auch gut geht sind Ein-Personen-Abende im Theater: Da hat das Badische Staatstheater mit einem neuen Mitglied seines Ensembles – Andrej Agranovski – ein besonders glückliches Händchen bewiesen: Er überzeugt sein Publikum mit einem Mozart-Abend als Schauspieler und Pianist.

Der komplette Jahresrückblick ist in der Silvesterausgabe sowie im E-Paper erschienen


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