Kulturbrücke aus Forbach nach China

Forbach (mhr) –„Rote Brücke“ heißt der Kulturverein, der China mitdem Schwarzwald verbindet. Initiatoren sind Hanli Guo und Chang Yan vom „Waldhaus“ sowie die Gausbacher Autorin Beate Rygiert.

Verbinden den Schwarzwald mitChina:  Daniel Bachmann, Beate Rygiert, Chang Yan und Hanli Guo vom Forbacher „Waldhaus“. Foto: Margrit Haller-Reif

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Verbinden den Schwarzwald mit China: Daniel Bachmann, Beate Rygiert, Chang Yan und Hanli Guo vom Forbacher „Waldhaus“. Foto: Margrit Haller-Reif

Nach zwei Tagen Westweg-Wanderung lechzte der gebürtige Karlsruher Eckhard Schneider nach einem Platz zum Ausruhen in Forbach. „Ich ging auf dem Zahnfleisch, suchte nach einer Unterkunft und stieß auf die Webseite vom Waldhaus.“ Er buchte ein Zimmer und wunderte sich sehr über den chinesischen Absender auf der Bestätigungsmail.

Vom Westweg ins „Waldhaus“ an der Holzbrücke hin zum Kunst- und Kulturverein „Die Rote Brücke“, dessen erster Vorsitzender Schneider ist – es sollte eine Buchung mit weitreichenden Folgen sein. Das war im Herbst 2016. Im Jahr 2018 wurde der kleine, aber feine Verein gegründet, um sich dem internationalen Austausch von bildenden und darstellenden Künsten, Literatur und Kunstwissenschaft zu widmen. Einer der Vereinsschwerpunkte liegt in der regionalen Entwicklung kultureller Zusammenarbeit sowie dem Austausch einzelner Kunstsparten, ein weiterer im kulturellen Dialog mit China.

Kunsthistoriker und -kritiker Eckhard Schneider, der in Heidelberg Sinologie und ostasiatische Kunstgeschichte studierte, hat 20 Jahre in China gelebt und in eine chinesische Familie eingeheiratet. „Wir kennen kaum jemanden, der mit der chinesischen Kultur so vertraut ist wie er“, sind sich Hanli Guo und Chang Yan, Eigentümer des Leader-geförderten Arthotels „Das Waldhaus“ in Forbach, mit Gründungsmitglied Beate Rygiert einig.

Doch zurück zur Ankunft Schneiders im „Waldhaus“. Hanli Guo und Chang Yan waren völlig überrascht: „Da kommt einer nach Forbach und spricht chinesisch – und das auch noch hervorragend“, erinnern sie sich an die erste Begegnung. Es sei „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen, die sich leicht aus der gemeinsamen Affinität zur chinesischen Kultur ableiten lässt. Und sich gleichzeitig aus dem Interesse am künstlerischen Austausch und großer Verbundenheit mit der Natur erklärt. „Hanli Guo und Chang Yan haben sich das Waldhaus in Forbach ausgesucht und Eckhard den Westweg“: Für die Autorin und Malerin Beate Rygiert ist das kein Zufall. So habe die historische Holzbrücke als Ort und in der symbolischen Bedeutung im Sinne eines kulturellen Brückenschlags folgerichtig zum Vereinsnamen „Rote Brücke“ geführt.

Kulturelle Impulse setzen

Ein Jahr zuvor hatte eine von Bildhauer Rüdiger Seidt vermittelte Ausstellung von Chang Yan im alten Schlachthof in Karlsruhe, bei der Eckhard Schneider die Einführungsrede hielt, zu ersten Berührungspunkten geführt.

Die Idee, „in Forbach kulturelle Impulse zu setzen“ (Rygiert) wuchs. „Einen schönen Ort mit schöner Natur“ durch Kultur, etwa auch Land Art zu bereichern, sei ein erklärtes Anliegen ihres Mannes, Chang Yan, so Hanli Guo. Umso mehr als der Hotelier und Maler in China als Künstler und Kunstvermittler erfolgreich tätig war und gut vernetzt mit chinesischen sowie russischen Künstlern.

Konkrete Gestalt nahm die Idee an bei einem chinesischen Essen, zu dem Hanli Guo und Chang Yan eine Reihe von Künstlern aus Forbach und Umgebung ins „Waldhaus“ eingeladen hatten. Für Beate Rygiert, wie ihr Mann, der Autor und Musiker Daniel Bachmann, sowie Ran An, chinesische Designerin und Kalligraphin aus Karlsruhe, ein Gründungsmitglied, stand sofort fest: „Da mach‘ ich mit.“ Dass die „Waldhäusler“ Chang Yan und Hanli Guo mit im Vereinsboot sind, versteht sich von selbst. „Wir träumten uns hin zu Projekten, die wir verwirklichen wollen“, sagt Eckhard Schneider. Nun galt es, zusammen mit Gleichgesinnten eine Form zu finden, um diese umzusetzen. Wenig später war „Die Rote Brücke“ geboren.

„Es ist unsere gemeinsame Vision, phantastische Ideen aus China und Japan in ferner Zukunft umzusetzen und sie auf den Ort und die Landschaft zuzuschneiden. Aber das braucht viel Zeit“, ist sich Beate Rygiert sicher.

Pandemie bremst Aktivitäten

Gleichwohl sind die ersten Schritte getan. Im September dieses Jahres las Rygiert im „Waldhaus“ aus ihrem Roman „Schäfchensommer“, musikalisch begleitet von Daniel Bachmann. Im Zusammenhang mit der Übergabe der Leader-Förderplakette erfolgte im Oktober die Vernissage zu Yan Changs Ausstellung „Der Abdruck“ für das Projekt „Arthotel das Waldhaus – Räumlichkeiten für Kunst und Kultur“. „Wie alle Kulturschaffenden hat die Corona-Pandemie auch uns ausgebremst“, sagt Beate Rygiert, „nichtsdestotrotz sind wir in Sachen Kunst- und Kulturaustausch optimistisch und planen kreativ.“

Apropos „Die Rote Brücke“: Fördermitglieder sind willkommen, nähere Informationen gibt es per E-Mail an: info@rotebruecke.com.

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Erstellt:
20. Dezember 2020, 22:00 Uhr
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