Kulturschaffende organisieren sich neu

Mannheim (sr) – Berlin hat ihn schon, Freiburg und Pforzheim auch: Jetzt wird in Mannheim ein Kulturrat gegründet, der die Interessen aller Kulturschaffenden in der Stadt vertreten wird.

Das Mannheimer Kunstzentrum zeitraumexit engagiert sich in der neuen Initiative und feiert 2021 sein 20-jähriges Bestehen: Hier eine frühere Performance mit Gabriele Osswald und Wolfgang Sautermeister aus der Gründergeneration des Zentrums.  Foto: zeitraumexit

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Das Mannheimer Kunstzentrum zeitraumexit engagiert sich in der neuen Initiative und feiert 2021 sein 20-jähriges Bestehen: Hier eine frühere Performance mit Gabriele Osswald und Wolfgang Sautermeister aus der Gründergeneration des Zentrums. Foto: zeitraumexit

Mittlerweile reden alle von der Kultur und darüber, wie sehr man sie vermisst. Zu Beginn der Pandemie aber musste die Szene betroffen feststellen, dass sie innerhalb der von der Politik gesetzten Prioritäten nur eine untergeordnete Rolle spielt. Das hat sich glücklicherweise geändert, folgenlos bleiben dürfte diese Erfahrung aber nicht.

In Mannheim steht jetzt ein Rat für Kunst und Kultur vor der Gründung, der sämtliche Sparten des Kulturlebens unabhängig von deren Trägerschaft und Rechtsform zu einer Initiative bündeln will, die von Politik und Wirtschaft als Gesprächspartner auf Augenhöhe wahrgenommen werden soll. Die Idee ist schon älter als die Corona-Zeit, sie wurde zunächst sogar noch einmal zurückgedrängt durch den ersten Lockdown. Doch jetzt geht der Initiativkreis in die Vollen und fordert alle Kunstschaffenden der Region Mannheim auf, sich zu integrieren.

Ziel: Mit einer Stimme sprechen

Ähnliche Projekte arbeiten bereits mit Erfolg in Berlin und Düsseldorf, aber auch in Pforzheim oder Freiburg.

„Es geht uns um zwei Richtungen“, erklärt Christian Holtzhauer vom Initiativkreis: „Wir wollen einmal nach innen wirken und uns über die Genregrenzen hinweg kennen- und die jeweiligen Bedürfnisse verstehen lernen, und wir wollen außerdem nach außen wirken und gewählten Sprechern die Legitimation geben, die Interessen der Mannheimer Kulturschaffenden zu vertreten“. Holtzhauer ist Intendant des Schauspiels am Mannheimer Nationaltheater. Er sieht der Nach-Corona-Zeit nicht nur voller Tatendrang, sondern auch mit Sorge entgegen, denn dann werden die Kommunen nach seiner Einschätzung unweigerlich ihre Einsparpotenziale ausloten müssen. Dass man sich dann nicht auseinanderdividieren oder gegeneinander ausspielen lasse, müsse jetzt ausgeschlossen werden, so Holtzhauer.

Nach Corona: Sparzwänge überall

Weil die bereits jetzt gut vernetzte Kulturgemeinde spätestens dann richtig aufgestellt sein muss, wird die aktuelle Spielpause für die Installation des Kulturrats genutzt. Vom Nationaltheater und der Mannheimer Kunsthalle über die Popakademie Baden-Württemberg bis hin zum Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg, dem Technoseum und den Reiss-Engelhorn-Museen wollen alle zentralen Kultureinrichtungen der Stadt an einem Strang ziehen. Auch das Jugendkulturzentrum, das Ein-Tanz-Haus, Enjoy Jazz, Einraumhaus, Zephyr – der Raum für Fotografie oder zeitraumexit sind auch dabei. Vor allem sollen sich aber die frei arbeitenden Kulturschaffenden engagieren, „denn sie bilden die Basis der Kulturlandschaft, finden aber oft zu wenig Gehör“, so Alexandra Reich von der Arbeitsgruppe.

Auf Augenhöhe mit Politik und Mäzenen

Der Leiter der Mannheimer Popakademie, Udo Dahmen, betonte am Montag im BT-Gespräch, dass sich im neu zu gründenden Kulturrat die unterschiedlichen Kräfte schneller und vertrauensvoll austauschen könnten. Solidarität ist das Wort der Stunde, gemeinsame Interessen werden am besten auch gemeinsam vertreten. „Wichtiger Ansprechpartner wird anfangs die Politik sein, später wird auch die Gewinnung von Sponsoren ein Thema werden“, so Dahmen.

Die Gründung des Kulturrats erfolgt auf jeden Fall auf einer Versammlung, die man „physisch“ durchführen kann – vermutlich also erst im Sommer.

Die einzelnen Kultursparten sind vorerst in Sektionen eingeteilt: Zu Musik, Tanz, Darstellender und Bildende Kunst kommen Literatur gemeinsam mit Film und Medienkunst, die Kreativwirtschaft, die Kulturelle Bildung (Soziokultur) sowie die Bereiche Design, Mode und Architektur.

Ihr Autor

Sabine Rahner

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Erstellt:
25. Januar 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

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