Kultusministerin zu Gast in Lautenbach

Gernsbach (stj) – Beim Herbsttreffen des CDU-Stadtverbands Gernsbach legte Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann in Lautenbach einen hemdsärmeligen Wahlkampfauftritt hin.

Ein Herz für Lautenbach: Beim Herbsttreffen der CDU macht Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann (Zweite von links) Wahlkampf für die Landtagswahlen im März. Foto: Stephan Juch

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Ein Herz für Lautenbach: Beim Herbsttreffen der CDU macht Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann (Zweite von links) Wahlkampf für die Landtagswahlen im März. Foto: Stephan Juch

Immer wieder fahren Traktoren an der Obstbrennerei von Rolf Mörmann vorbei und unterbrechen die Kultusministerin. Es ist viel los an diesem Samstagnachmittag in Lautenbach. Der CDU-Stadtverband ist nicht als einziger aktiv im kleinsten Gernsbacher Stadtteil. Am Vormittag schon startete die Schwimmbad-Initiative mit den Umbauarbeiten am „Bad mit Herz“ und der örtliche Musikverein war in der Landschaftspflege aktiv. So bekam Dr. Susanne Eisenmann ein lebhaftes Bild vom idyllischen Dörfchen, in dem die Spitzenkandidatin der CDU für die Landtagswahlen im März einen hemdsärmeligen Wahlkampfauftritt hinlegte.

Ihr Eindruck, es handle sich hier um „eine ungewöhnliche Location“, wollte sie als Lob verstanden wissen. In der Tat hatten die Christdemokraten um den Veranstalter Dr. Alexander Becker, Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Rastatt, und des Stadtverbands Gernsbach, dessen Vorsitzender Dirk Preis in Lautenbach zu Hause ist, nichts unversucht gelassen, um das Herbsttreffen trotz der steigenden Corona-Zahlen ausrichten zu können.

Mörmann hatte vor seiner Obstbrennerei kleine Pavillons und Bänke aufgebaut, drinnen gab es Vesper und Getränke. Obwohl es sich um eine Freiluftveranstaltung handelte, herrschte Maskenpflicht, die nur während der Redebeiträge und fürs Pressefoto kurz ruhte. Der prominente Gast sprach angesichts der Pandemie von einer schwierigen Phase, in der man sich befinde – „gesellschaftlich, sozial, aber auch wirtschaftlich“. Im Hinblick auf die ab heute in Baden-Württemberg geltende höchsten Corona-Warnstufe 3 betonte sie, dass die Maßnahmen nicht schön, aber erforderlich seien. Als Kultusministerin war es ihr ein Anliegen, zu unterstreichen, dass die Schulen keine „Virenschleudern“ seien, sondern es eher an den privaten Feiern liege, über die das Problem in die Bildungseinrichtungen getragen würde. Aktuell seien circa 700 von 67 500 Schulklassen im Land in Quarantäne.

„Öffentliche Diskussion um HLA Anti-Werbung“

Geduldig, immer mal mit einem lockeren Spruch untermalt, ging die Spitzenkandidatin auf viele Fragen ein, die nicht nur aus der Gernsbacher CDU, sondern auch von Christdemokraten aus Gaggenau und Au am Rhein sowie von Regierungspräsidentin Sylvia Felder an sie gerichtet wurden. Zum im Murgtal höchst umstrittenen Pilotprojekt eWayBW, gegen das besonders die hiesige CDU eifrig in Richtung Stuttgart „schießt“, sagte sie lediglich Folgendes: „Sie werden nicht weiter kommen, wenn Sie nicht auch mal etwas ausprobieren.“ Wenn die Entscheidung für ein Projekt getroffen ist, müsse man das auch umsetzen.

Zu einem weiteren Streitthema, das aktuell im Murgtal für Wirbel sorgt, äußerte sich Dirk Preis. Der Vorsitzende der CDU Gernsbach erklärte, dass „die Zukunft der Handelslehranstalt weder hier in der Destillerie durch die Ministerin noch durch Unterschriften auf dem Marktplatz noch durch andere Aktivitäten entschieden wird, sondern durch den Schulträger, der sich an den Schülerzahlen orientiert, die ein gutes Angebot möglich machen – oder eben auch nicht“. Im Vordergrund stehe nicht ein Erhalt egal wie, sondern eine gute Schule mit einem guten Angebot, ergänzte Preis.

Es sei legitim und nachvollziehbar, wenn sich Kreisräte und Kommunalpolitiker für den Erhalt einer Institution stark machen: „Dennoch kann eine verantwortungsvolle Entscheidung nur auf Grundlage von Fakten geschaffen werden. Diese Fakten kennt die CDU Gernsbach bis heute nicht.“ Zudem sei eine permanente öffentliche Diskussion um die Zukunft einer Schule eher Anti-Werbung. Preis betonte, er hätte sich von Bürgermeister Julian Christ erwünscht, dass er sich bei der drohenden Schwimmbad-Schließung in Lautenbach genauso für einen Erhalt eingesetzt hätte wie aktuell bei der HLA; schließlich sei er für die städtische Einrichtung auch zuständig – im Gegensatz zur Schule am Färbertorplatz, die sich in Trägerschaft des Landkreises befindet.

Matthias Mörmann von der örtlichen Schwimmbad-Initiative (SIL) bedankte sich beim CDU-Stadtverband, von dem man in einer schwierigen Phase, als SPD und AfD versucht hatten, das kleine Freibad im Dorf aus finanziellen Gründen dicht zu machen, große Unterstützung erfahren habe. In Richtung der Kultusministerin erklärte Mörmann, dass Bildung nicht nur in der Schule stattfinde. Das habe sich gezeigt, als ein ganzes Dorf für den Erhalt der beliebten Einrichtung gekämpft und dabei Werte wie Tradition, Ehrlichkeit und bürgerschaftliches Engagement vorgelebt habe. Als Dankeschön überreichte er den Christdemokraten einen roten SIL-Anstecker, mit dem am Revers das Herbsttreffen gesellig ausklang.


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