Kundgebung als Signal der Solidarität mit Afghanen

Rastatt (dm) – Knapp 100 Menschen haben am Freitagnachmittag auf dem Rastatter Marktplatz an einer Mahnwache zur Situation in Afghanistan teilgenommen. Ihr Wunsch: Solidarität und Unterstützung.

„Sind in Angst und Terror aufgewachsen“: Sakine Jafare bittet bei der Kundgebung auf dem Rastatter Marktplatz um Solidarität. Foto: Frank Vetter

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„Sind in Angst und Terror aufgewachsen“: Sakine Jafare bittet bei der Kundgebung auf dem Rastatter Marktplatz um Solidarität. Foto: Frank Vetter

Das Reden fällt Sakine Jafare schwer. Die Afghanin, die mit ihren drei Kindern in Rastatt lebt, bittet um Solidarität angesichts der traumatischen Lage in Afghanistan. Sie spricht auf dem Rastatter Marktplatz, dort sind knapp 100 Menschen zusammengekommen, darunter auch Afghanen, die in der Barockstadt leben und zum Teil Familie und Freunde noch in dem Land wissen, das so schnell wieder in die Hände der Taliban gefallen ist. Die Frau, die selbst Taliban-Opfer in der Familie betrauert und noch um einen Bruder bangt, der sich in Afghanistan versteckt hält, weiß: Die Menschen, die hier stehen, können nichts an der Lage im fernen Land ändern. Aber dazu beitragen, dass hierher Geflüchtete, die „in Angst und Terror aufgewachsen sind“, unterstützt werden und deren Kinder „normal“ aufwachsen können.

Humanitäre Verantwortung

Dafür sind die meisten an diesem Freitagnachmittag vor dem Rathaus versammelten Menschen dem Aufruf eines kleinen Aktionskreises zur Kundgebung gefolgt. Aufgrund der besonderen Ausgangssituation in dem „implodierten“ Staat im Zuge des Rückzugs von NATO und Bundeswehr stehe man nun auch in besonderer Verantwortung, sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel. Die Menschen, die es dort rausschaffen, „brauchen hier in Deutschland ein Netzwerk von Leuten, die sie auffangen und unterstützen.“ Dass man dies auch schaffen wolle, sei das Signal, das von der Veranstaltung ausgehen soll. Jama Maqsudi, einst von Kabul nach Deutschland gekommen und inzwischen mit einer Verdienstmedaille der Bundesrepublik ausgezeichnet, warnt davor, auch nur einen Cent auf die „gemäßigten“ Aussagen der Taliban zu geben. „Die haben noch nie ihre Versprechen gehalten.“ Hinter ihm stehen junge Männer, die die Flagge Afghanistans halten. Genauso hatten es jüngst auch junge Männer in Afghanistan getan – und seien nur deshalb ums Leben gekommen. Er fordert, einen schnellen humanitären Korridor zu schaffen, um Menschen in Sicherheit zu bringen. „Der Kampf ist noch nicht vorbei.“

Den Geflüchteten eine Chance geben

Offen sein für Menschen, die fliehen, sie aufnehmen und ihnen eine Chance geben: Das, so Claudia Peter von der IG Metall zu den Versammelten, „kann unser aktueller und kurzfristiger Beitrag sein“. SPD-Stadtrat Joachim Fischer befürchtet, dass aus „dunklen Tagen und Wochen Jahre der Dunkelheit“ werden könnten. Für Rastatt sei es selbstverständlich, Integrationsleistungen zu erbringen für diejenigen, die Schutz suchen und der Stadt zugewiesen werden.

„Wir alle hier in Deutschland sind gefordert“, betont Ute Kretschmer-Risché, Vorsitzende des Vereins Junge Flüchtlinge Rastatt – und erinnert wie Claudia Peter daran, dass es kein Verdienst sei, sondern Glück und Zufall, in Deutschland geboren zu sein. „Wir können nicht alle retten, aber wir können die Hand reichen“ – und Menschen Perspektive eröffnen. Es gebe viele Möglichkeiten zu helfen, man könne sich hierfür an den Verein wenden.

Mehrfach auf scharfe Kritik stößt der Satz, wonach sich „2015 nicht wiederholen“ dürfe. „Ein Affront“, wie der Rastatter Thomas Richers meint, ehe er „Imagine“ von John Lennon singt – das Lied über „die Möglichkeit einer Welt ohne Kriege, ohne spaltende Religionen“. Zuvor hat ein aus Afghanistan Geflüchteter ein Lied über die Heimat angestimmt, einige singen es mit, manche können ihre Tränen nicht zurückhalten. Am Ende steht der Appell an die Rastatter, angesichts der Lage gefühlte Hilflosigkeit in Hilfe umzumünzen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
20. August 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 40sec

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