Kunst von Dieter Krieg in Stiftskirche Baden-Baden

Baden-Baden (red) – In der leer geräumten Baden-Badener Stiftskirche ist der fünfteilige Bilderzyklus „Fettquell“ des Malers Dieter Krieg (1998) ausgestellt. Der Künstler wuchs in der Kurstadt auf.

Kurz vor der Sanierung ist Platz für Kunst in der leer geräumten Baden-Badener Stiftskirche: Im Zentrum steht der fünfteilige Bilderzyklus „Fettquell“ von Dieter Krieg.  Foto: Rainer Braxmaier

© rb

Kurz vor der Sanierung ist Platz für Kunst in der leer geräumten Baden-Badener Stiftskirche: Im Zentrum steht der fünfteilige Bilderzyklus „Fettquell“ von Dieter Krieg. Foto: Rainer Braxmaier

Ein kunstsinniger Pfarrer, ein engagierter Kunstsammler und ein Künstler, der zu seinen Wurzeln zurückkehrt – schon ist eine Installation geboren, die in ihrer Form ihresgleichen sucht. Von heute an ist in der katholischen Stiftskirche in Baden-Baden die Bildinstallation „Licht und Quell“ zu sehen: im Zentrum der fünfteilige Bilderzyklus „Fettquell“ des Malers Dieter Krieg aus dem Jahr 1998.
Die besonderen Umstände: Die Kirche wird gerade renoviert, das Langhaus ist komplett ausgeräumt. Damit wurde der Platz frei für die dritte Kooperation des Stadtpfarrers Michael Teipel mit dem Museum Frieder Burda nach zwei Arnulf-Rainer-Ausstellungen 2012 und 2014. Als dritter Partner kam die Stiftung Dieter Krieg, vertreten durch Klaus Gerriet Friese, hinzu.
Dieter Krieg (1937-2005) hat seine Jugend in Baden-Baden verbracht, besuchte das Markgraf-Ludwig-Gymnasium und erfuhr dort erste Anregungen durch seinen Kunstlehrer Berthold Bitterich, der späteren Schülergenerationen noch von dem begabten und inzwischen erfolgreichen Eleven vorschwärmte. Von 1958 bis ‚62 studierte Krieg an der Karlsruhe Kunstakademie in der legendären Klasse von HAP Grieshaber, der zu dieser Zeit unter anderen auch Horst Antes, Hans Baschang und Walter Stöhrer angehörten.

Krieg wuchs in Baden-Baden auf


Gegen den Trend der Zeit förderte Grieshaber die Auseinandersetzung mit der Figur. Schon 1966 hatte der junge Künstler eine Einzelausstellung im Badischen Kunstverein Karlsruhe, damals geleitet von Klaus Gallwitz, der auch weiterhin seinen Weg zum Erfolg begleitete. 1978 nahm der Maler an der Biennale in Venedig teil, im gleichen Jahr erhielt er nach mehreren Lehraufträgen eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf, die er bis 2002 ausübte.
Imponierend ist die Wucht und Eindeutigkeit. Der ungewohnt leere Kirchenraum lenkt die Blicke auf die im gotischen Stil gehaltenen Seitenwände mit dem durch die farbigen Fenster scheinenden mystischen Licht. Vier Einzelbilder mit den Buchstaben F, e und zweimal t lehnen an den Seitenwänden. Das fünfte, dreiteilige Bild „Quell“ auf Plexiglas gemalt, hängt an der Westseite unterhalb der Orgel herab. Zwei plastische Arbeiten von Krieg komplettieren das Ensemble: 50 in Gummi gegossene schwarze Leuchtstoffröhren „Vier Watt“ aus dem Jahr 1972 und die drei weißen Bären, die Dieter Krieg zusammen mit Düsseldorfer Studenten 1978 von der Firma Steiff in Lebensgröße fertigen ließ.

Baden-Badens „Fettquelle“ porträtiert

Dieter Krieg war ein großer „Wortmaler“, der nicht nur äußerst belesen war, sondern auch in seinen Wortschöpfungen nicht zimperlich oder rechtschreibkonform. Hinter dem weißen, sehr lebhaft mal pastos, mal diaphan gestalteten Untergrund schimmert bei allen Bildern eine ursprünglich starkfarbige Untermalung durch. Darauf dann in dynamischem Schwarz die Einzelbuchstaben, energisch und ausufernd gesetzt. Das Lesen wird zur Nebensache – das Schauen dominiert.
Das fordert natürlich zu Interpretationen heraus. Der erste inhaltliche Bezug besteht darin, dass die von Krieg „portraitierte“ Fettquelle nur einen Steinwurf von der Kirche entfernt liegt. Darüber hinaus lässt der Maler seine Betrachter wie kaum ein anderer an der Dynamik seines Körperschwungs teilhaben mit triefendem und schleuderndem Farbauftrag – eine „unbändige Malerei“, dennoch gebunden in ein strenges Konzept.
Natürlich wirken die beiden t’s wie Kreuze, eines davon mit einem Wurstzipfel garniert. Krieg changierte gerne zwischen tiefem Sinn und banalem Schein. Bestimmt hätte ihm auch gefallen, dass Pfarrer Michael Teipel in biblischen Texten nach Begriffen „Fett“ und „Quelle“ forschte und dabei im Buch Mose fündig wurde. Eine Reihe von Veranstaltungen begleitet die Ausstellung, die bis 9. August läuft.

Zum Artikel

Erstellt:
11. Juli 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.