„KunstRAum“-Initiator schlägt Zuschuss aus

Rastatt (ema) – Das Projekt „Concept store“ der Wirtschaftsförderung hat einen holprigen Start hinter sich. Nach Kritik aus der Politik schlägt der Initiator den städtischen Mietzuschuss aus.

Da waren’s nur noch zwei: Initiator Oliver Hurst (rechts neben Harald Hemprich) will das „KunstRAum“-Konzept überarbeiten und auf städtisches Geld verzichten. Foto: Kunstraum

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Da waren’s nur noch zwei: Initiator Oliver Hurst (rechts neben Harald Hemprich) will das „KunstRAum“-Konzept überarbeiten und auf städtisches Geld verzichten. Foto: Kunstraum

Die vom städtischen Wirtschaftsförderer Torsten von Appen propagierten Concept Stores für die Innenstadt haben erst mal einen Dämpfer erhalten. Den von der Stadt zugesagten Mietzuschuss für die temporäre Kunstgalerie „KunstRAum“ schlägt der Mit-Initiator und Rastatter Profi-Fotograf Oliver Hurst aus. Die Verwaltung will allerdings an der Idee festhalten.
Es war eine Premiere, die dem Zentrum neue Impulse verleihen sollte: Oliver Hurst mietete federführend Räume in der Kaiserstraße 25a für die Einrichtung einer Galerie für Bildende Kunst, Fotografie, plastische Installation und Vorträge an. Hintergedanke: Es wäre eine Art Concept Store, also ein Laden mit einem ungewöhnlichen Sortiment und einer besonderen Idee, die der Innenstadt Auftrieb geben soll. Für zwei Jahre wollte das Rathaus die Hälfte der Ladenmiete übernehmen, jeweils 4.700 Euro pro Jahr. Mit dem Projekt sollen künftig leer stehende Einzelhandelsgeschäfte in der Innenstadt wiederbelebt werden, indem man neue Konzepte unterstützt, die zu einer möglichst langfristigen Bindung von Händlern führt.

Doch die Premiere stand erst mal nicht unter einem glücklichen Stern. Kaum hatte das BT über das Projekt und die Eröffnung der Galerie Mitte Dezember berichtet, kam Kritik aus dem Gemeinderat. Die Freien Wähler witterten eine Ungleichbehandlung unter Mitbewerbern sowie eine unzulässige Subvention privatwirtschaftlicher Tätigkeit mit Steuermitteln.

Quartett schrumpft zum Duo

Im Rathaus winkt man ab. Laut städtischer Pressestelle habe man das Projekt rechtlich geprüft und dann in Abstimmung mit Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch auf den Weg gebracht.

Doch jetzt ist im „KunstRAum“ erst mal der Schlüssel rumgedreht. Und der Rückschlag ist nicht nur Corona geschuldet. Das ursprüngliche Aussteller-Quartett ist auf ein Duo geschrumpft, nachdem die Maler Christel Otto und Klaus Walter ausgestiegen sind, wie Oliver Hurst berichtet, der jetzt noch mit seinen Fotografien präsent ist – gemeinsam mit Harald Hemprich und dessen Bildern.

Zum Konzept der Galerie gehörte, dass sie mittelfristig zugleich kultureller Veranstaltungsraum werden sollte, vor allem für Literatur. Lesungen sollten stattfinden sowie szenische Darstellungen, für die Harald Hemprich vom Ensemble 99 verantwortlich zeichnet. Auch der Außenbereich unmittelbar vor der Galerie und in der Museumstraße sollte bespielt werden.

Doch nach der Kritik von politischer Seite will Hurst das Projekt überdenken. Nach seiner Einschätzung ist die abrupt entflammte Debatte auch von Neid genährt worden. Enttäuscht zeigt sich der Fotograf, dass kein einziger Stadtrat mit ihm über das Projekt gesprochen habe. Andere Galerien, so seine Überzeugung, könnten durch so ein Projekt mehr Akzeptanz erfahren.

„Es soll keine elitäre Künstlerkommune werden“

Angesichts des Widerstands zeigt sich Hurst ernüchtert. „Ich bin in Rastatt aufgewachsen. Mir tut das weh, wenn nichts passiert und die Stadt immer mehr verödet.“ Das Gefühl, ausgebremst zu werden, ist für den Fotografen nicht neu. Vor zwölf Jahren brachte er für das Rossi-Haus eine Nutzung als Kultur- und Kunsthandwerkerhaus ins Gespräch. Bei der Stadt blitzte er damals mit der Idee ab.

Appens Idee der Concept Stores findet Oliver Hurst nach wie vor gut. Von dem zugesagten Mietzuschuss wird er jedoch nicht einen Cent nehmen, wie er versichert. Stattdessen will er in Abstimmung mit seiner Vermieterin, die die Ideen zur Belebung unterstützt, das Konzept für die Galerie überdenken. Hurst schweben Ideen wie Stadtspaziergänge vor, um mit Interessierten sogenannte Streetfotografie zu betreiben, Seminare oder auch Theaterprojekte, um den Rastatter Gruppen Ensemble 99 und Phoenix ein Schaufenster zu bieten. Das Konzept sei im Werden, klar für den Initiator ist: „Es soll keine elitäre Künstlerkommune werden.“

Unterdessen versucht man im Rathaus, die Idee der Concept Stores trotz des holprigen Starts zu retten. Wirtschaftsförderer Appen will demnächst dem Gemeinderat ein Konzept zur Beschlussfassung vorlegen. Das „KunstRAum“-Projekt sei eine Einzelfallentscheidung gewesen als Vorgriff auf das Konzept, heißt es aus dem Rathaus. Die Idee des „KunstRAums“ habe sich dynamisch in der Corona-Krise entwickelt, weil sich die Gelegenheit durch den angebotenen Raum und die Interessenten ergeben habe. Laut Pressestelle habe OB Hans Jürgen Pütsch in einer Fraktionsvorsitzenden-Besprechung im Dezember das Kooperationsprojekt erläutert und verdeutlicht, dass die Entscheidung in seiner Zuständigkeit lag.


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