Kunstgenuss vor dem Bildschirm

Karlsruhe (win) – Nächste Corona-Absage: Die Karlsruher Schlosslichtspiele gibt es in diesem Jahr nur im Netz – Premiere ist am 5. August.

Janis Joplin in Überlebensgröße auf dem Schloss: Solche Bilder wird es in diesem Jahr nicht geben, das Gebäude wird nicht illuminiert. Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

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Janis Joplin in Überlebensgröße auf dem Schloss: Solche Bilder wird es in diesem Jahr nicht geben, das Gebäude wird nicht illuminiert. Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

Die sechste Edition der Karlsruher Schlosslichtspiele wird ausschließlich im Netz stattfinden, reale Aufführungen sind entgegen anderslautender Pläne inzwischen nicht mehr vorgesehen.
Das gab der Chef der Karlsruher Marketing und Event GmbH im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt. Oberbürgermeister Frank Mentrup hatte sich im Frühjahr noch vorstellen können, dass rund um das Stadtfest oder die Weihnachtsstadt zumindest „kleine“ Schlosslichtspiele möglich seien, inzwischen gilt die volle Konzentration aber der digitalen Verbreitung. Real vor dem Schloss wird es nichts zu sehen geben, dafür aber an den Bildschirmen überall auf der Welt. „Das wird die größte Marketingaktion, die wir je für die Schlosslichtspiele geschaltet haben“, sagt Wacker. Er erwartet aufgrund der Aktion im kommenden Jahr – bei der dann siebten Auflage der Schlosslichtspiele – noch mehr internationale Besucher.

Schloss samt Schlossplatz detailreich digitalisiert

Vor allem das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) und seine Partner lassen in diesem Jahr die digitalen Muskeln spielen. Nur einen Tag, nachdem die Bundesregierung am 15. April das Aus für alle Großveranstaltungen bis Ende August verkündet hatte, begannen in Karlsruhe die Überlegungen, wie man die Schlosslichtspiele ins „Netz“ bringen könnte. Benjamin Brostian, Geschäftsführer der Berliner Firma AV Active, der schon in den vergangenen Jahren Technik-Chef der Schlosslichtspiele war, machte sich mit seinem Team an die Arbeit und inzwischen – vier Wochen vor der Premiere – können sich die Resultate mehr als sehen lassen. Schloss samt Schlossplatz wurden in mühevoller Arbeit erfasst und möglichst detailreich digitalisiert – einschließlich aller Figuren, Lampen, Macken an der Fassade und diverser Abfalleimer.

Außerdem wurden die Bilder so aufbereitet, dass Wolken, Licht und Schatten sich im Laufe des Abends ändern. Auf diesen „digitalen Zwilling“ der analogen Schlossfassade werden dann Anfang August die virtuellen Kunstwerke projiziert. Der besondere Clou: Als Zuschauer kann man immer wieder seinen virtuellen Standort wechseln und bekommt so unterschiedliche Blickwinkel auf die Kunstwerke.

Kleiner, positiver Nebeneffekt ist laut Wacker, dass es in diesem Jahr wohl keine Beschwerden über Wein- und Bierstände geben wird, die bei den analogen Schlosslichtspiele den Zuschauern durchaus im Weg standen.

Oberbürgermeister Frank Mentrup freut sich jedenfalls darauf, dass ab der Premiere Zuschauer aus der ganzen Welt die Schlosslichtspiele erleben können. Zwar sei bedauerlich, dass es keine physischen Zusammenkünfte der Menschen geben wird, zumindest nicht im großen Kreis, doch so ganz nebenbei könne Karlsruhe als Unesco City of Media Arts Werbung in eigener Sache machen.

Keine Mediathek

Als Kurator fungiert auch in diesem Jahr ZKM-Chef Peter Weibel, der neben völlig neuen Shows der erstmals vertretenen Künstlerkollektive Rüstungsschmiede und The Nightlab auch wieder bewährte Shows aus dem inzwischen reichhaltigen Fundus ausgewählt hat. Und natürlich wird auch in diesem Jahr „die Mutter aller Schlosslichtspiele“, das Programm 300 Fragments, das beim Stadtgeburtstag Premiere feierte, nicht fehlen.

Premiere ist am 5. August um 20.15 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, enden werden die Schlosslichtspiele am 13. September. Die Shows werden nur live im Internet übertragen, eine Art Mediathek wird bewusst nicht eingerichtet, so dass „die Gäste aus Asien oder den USA“ (Wacker) sich an der Karlsruher Zeit orientieren müssen.

Vor dem Schloss selbst, also „in echt“, wird es in diesem Jahr nichts zu sehen geben, wie die Organisatoren mehrfach versicherten.

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Erstellt:
8. Juli 2020, 18:17 Uhr
Lesedauer:
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