„Kunstweg des Grauens“ in Gernsbach

Gernsbach (stj) – Zahlreiche Schmierereien haben in den zurückliegenden Wochen und Monaten zusehends die Gernsbacher Innenstadt verschandelt. Inzwischen liegen mehrere Anzeigen und Beschwerden vor.

Das Image Gernsbachs leidet nicht zuletzt durch zahlreiche Schmierereien wie diese, die das Stadtbild erheblich beschädigen. Foto: Walter Westhoff

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Das Image Gernsbachs leidet nicht zuletzt durch zahlreiche Schmierereien wie diese, die das Stadtbild erheblich beschädigen. Foto: Walter Westhoff

Perle des Murgtals wird Gernsbach gerne genannt. Nicht zu unrecht, gibt es doch viele glanzvolle Seiten an der alten Amtsstadt. Aber das Image leidet, nicht zuletzt durch zahlreiche Schmierereien, die das Stadtbild erheblich beschädigen. Vor allem in der Innenstadt sind zuletzt vermehrt solcher „Künstler“ im Einsatz gewesen. Wer mit offenen Augen links und rechts von der Stadtbahnhaltestelle Mitte spazieren geht, entdeckt schnell dutzende Schriftzüge, die öffentliche Gebäude genauso wie private Einrichtungen und Gegenstände besudeln.

Manche Gernsbacher sprechen angesichts der vielen Graffitis schon von einem „Kunstweg des Grauens“. Entsprechende Fotos erreichten die BT-Redaktion in den zurückliegenden Tagen zuhauf. Der Stadt sind die Graffiti-Schmierereien sowie die entsprechenden Ermittlungen der Polizei dazu bekannt. Auch liegen der Verwaltung zwei Bürgerbeschwerden vor. „2020 hat die Stadt Gernsbach diverse Strafanzeigen gestellt, davon sieben wegen Graffitis beziehungsweise Farbschmierereien“, teilt Hauptamtsleiter Thomas Lachnicht auf Anfrage mit. Seitens der Stadt können allerdings nur für städtische Objekte Strafanzeigen gestellt werden. Einige Graffitis, die im Stadtbild wahrnehmbar sind, befinden sich auf Objekten Dritter. „Auf städtischen Objekten werden die Graffitis üblicherweise zeitnah entfernt. Auf Privatgeländen, Schaltschränken von Versorgern oder Bahnanlagen kann die Stadt allerdings nicht tätig werden“, so Lachnicht weiter.

Das ist für viele Bürger natürlich unbefriedigend. Zumal dem Vandalismus zum Teil auch private Wohnhäuser zum Opfer fallen. Betroffene berichten, dass ihr Haus bereits mehrfach mit Hundekotbeuteln und rohen Eiern beworfen worden sei. Nächtliche Gelage mit Musik, Drogen und Alkohol seien an der Tagesordnung, davon zeugen nicht zuletzt die Sauereien, die davon übrig bleiben.

Das bestätigt Egon Selmayr. Der 85-Jährige räumt eigenen Angaben zufolge nahezu täglich früh morgens den Bereich vor der Sozialstation ehrenamtlich auf. „Ich will halt da wohnen, wo es sauber ist, und dass keine Ratten kommen“, erklärt er im BT-Gespräch. „Tampons, Tüten, Pizzakartons, Flaschen, Scherben, Slips, BHs“, zählt der Rentner auf, was er Tag für Tag dort vorfinde. Erst vergangenen Samstag habe er in der Gegend um die Sozialstation (Blumenweg, Sandweg, Scheffelstraße, Henriette-Fischer-Zach-Weg) drei Eimer voll Müll eingesammelt und entsorgt. Selmayr fragt sich, ob es den Kommunalen Ordnungsdienst der Stadt überhaupt noch gebe, und beklagt sich in Anbetracht der unbefriedigenden Situation: „Da leidet die ganze Stadt drunter, aber kein Mensch kümmert sich drum.“

Partygelage zulasten der Anlieger

Anlieger berichten, dass man Sprayer, Alkohol- und Drogenkonsumenten nächtens beobachten könne – vorzugsweise in wärmeren Nächten. „Die gut vernetzten jungen Menschen treffen sich nahezu allabendlich bei der Sozialstation oder auf dem Parkplatz des Nah + Gut, um anschließend in privaten Kellern, dem Kurpark oder der Wiese am Tennisplatz Partygelage abzuhalten. Lästig sind hierbei die Autoposer und im Sommer auch die Hinterrad fahrerenden Zweiradakrobaten auf Fahrrädern, Enduros und Rollern, zumal letztere lautstark mehrere Runden drehen“, schreibt ein betroffener Anlieger der Polizei und dem BT.

Die Beamten schicken immer wieder mal nächtliche Streifen vorbei, dauerhaft in den Griff zu kriegen scheinen sie das Problem allerdings nicht. Das liegt auch daran, dass sich die Treffpunkte immer wieder mal ändern. War es zunächst der Salmenplatz, auf dem regelmäßig nächtliche Ruhestörungen und Vermüllung zu beklagen waren, wechselten die jungen Leute dann verstärkt auf den Färbertorplatz. Aktuell scheint der Bereich rund um die Stadtbahnhaltestelle Gernsbach-Mitte bevorzugter Ausgangspunkt für die Partys zu sein.

Und natürlich immer wieder mal der Kurpark. Auch dort hat es jüngst einen Fall von Vandalismus gegeben. Einer oder mehrere selbst ernannte Künstler verunstalteten dort am Wochenende 27. bis 29. November unter anderem die Konzertmuschel sowie die Garage und die Mauer eines Anwesens in der Hildastraße mit Schriftzügen. Geschätzter Sachschaden: ungefähr 3.000 Euro. Die Polizei ermittelt und bittet unter der Telefonnummer (07225) 98870 um Hinweise.

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Erstellt:
6. Dezember 2020, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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