Kunstwerke, Gedanken und Gebete

Gernsbach (vgk) – Das Gemeindeteam Liebfrauen der Seelsorgeeinheit Gernsbach gestaltet einen ökumenischen Osterweg für die ganze Familie. Er führt von der St. Jakobs- bis in die Liebfrauenkirche.

Leuchtende Hoffnung strahlt aus den von Albert Birkle geschaffenen Fenstern in der St. Jakobskirche. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Leuchtende Hoffnung strahlt aus den von Albert Birkle geschaffenen Fenstern in der St. Jakobskirche. Foto: Veronika Gareus-Kugel

„Auf dem Osterweg durch Gernsbach“: Dieser bietet die Möglichkeit, in den aktuell durch die Pandemie beschränkten Zeiten Ostern und dessen Botschaft der Hoffnung einmal anders zu erfahren. Ausgedacht hat sich die Route, die in guter ökumenischer Verbundenheit von der St. Jakobskirche durch die Altstadt, über den Marktplatz bis hin zur Liebfrauenkirche führt, das Gemeindeteam Liebfrauen der Katholischen Seelsorgeeinheit nach einer Idee von Dr. Irene Schneid-Horn.

Gottesdienste fanden über die Osterfeiertage aufgrund der Pandemie-Lage, wenn überhaupt, nur eingeschränkt statt oder fielen gänzlich aus. Gleichwohl musste nicht auf die Osterbotschaft verzichtet werden. Diese kann noch bis Pfingsten auf einem Spaziergang durch Gernsbachs Altstadt erkundet werden. Den Blick auf das Smartphone geheftet, machten sich der eine oder andere Spaziergänger sowie ganze Familien an den Ostertagen auf den Weg zu entdecken, zu beten, zu erleben und mitzumachen.

Startpunkt ist die St. Jakobskirche mit ihren farbenprächtigen Chorfenstern. Die Glasfenster des Künstlers Albert Birkle zeichnet beeindruckende Leuchtkraft aus. Sie sind leuchtendes Symbol der Hoffnung in dieser nicht ganz so einfachen Zeit der Beschränkung. Das mittlere Fenster ist die künstlerische Umsetzung der Osterbotschaft. Es zeigt in der Mitte die in weißem Glas gefasste Gestalt des auferstandenen Jesus.

Sakramentshäuschen erzählt eine Geschichte

In den Rundgang verwoben sind Gedanken, Gebete, Historie und Geschichten. Eine davon erzählt das sogenannte Sakramentshäuschen. Dieses stammt aus einer Zeit, als St. Jakob noch katholisch war. Der Glaube an Gottessohn ist darin leibhaftig präsent. Beide Konfessionen erinnern an Gründonnerstag in diesem Kontext an das letzte Abendmahl, das Jesus Christus mit seinen Jüngern feierte.

Das in gotischer Manier gestaltete und im Zentrum des Chorraums stehende Kruzifix aus der Zeit um 1500 zeigt Jesus am Kreuz. An einer der nächsten Stationen in der Waldbachstraße 13 ist hingegen der Osterhase präsent. Die Urheber des Osterwegs verbinden sein Erscheinen mit dem Gedicht „Osterwunsch“ von Klaus Hemmerle. Dass der Osterhase die Eier versteckt, ist erstmals nachzulesen in der 1682 erschienenen Dissertation eines Arztes namens Johannes Richier. Ebenfalls Osterbräuche verkörpern die vier geschmückten Brunnen in der Altstadt. Die nahe liegende Brücke, die über den Waldbach führt, wird dem Frühlingserwachen gewidmet. Denn Ostern ist zugleich ein Frühlingsfest und findet immer am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt. Zitiert wird an dieser Stelle neben Johann Wolfgang von Goethe die große Mystikerin Teresa von Avila. Sie gibt den Menschen den Rat: „Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken. Alles vergeht – Gott ändert sich nicht (…).“ Die dort bereitgestellte Straßenmalkreide soll zudem Kinder animieren, Ideen und Gedanken in Bilder umzusetzen.

Doch was hat der Durchgang in der historischen Stadtmauer mit Ostern zu tun? Auch hierfür wird eine Erklärung abgegeben. Die Christen feiern an Ostern, dass Gott Jesus vom Tod auferweckt hat; dass Mauern durchbrochen wurden. Der Zwinger-Garten und die Zehntscheuern werden als Beispiele für gelebten Gemeinsinn genannt. Denn auch der Glaube lebt vom Mitmachen, so die Osterweg-Autoren.

In diesem Zusammenhang ist außerdem die Figur der Heiligen Anna beim Alten Rathaus zu sehen. Beim Sterben Jesu und seiner Auferstehung fielen Frauen wichtige Rollen zu. Ein paar Schritte weiter machen die Schaufenster der Häuser Hauptstraße 23 und 26 auf sich aufmerksam. In Letzterem, dem Flohmarkt „Fräulein Wunsch“, tummeln sich Hasen jedweder Ausprägung. Im Gebäude gegenüber – im Kunst Raum – findet das Werk von Annegret Kalvelage in dem aus einem Baumstamm herausgearbeiteten gekreuzigten Jesu seinen österlichen Ausdruck.

Taufbecken dient als letzte Station

Miteinbezogen in den Osterweg wird auch das Marienhaus als Mittelpunkt des Gemeindelebens. An dieser Stelle veranschaulicht das Lamm Gottes, dass Jesu für die Menschen unschuldig am Kreuz starb. Einem roten Band gleich ziehen sich Kunstwerke, Gedanken und Gebete zu Ostern durch die Gernsbacher Altstadt.

Ein letzter Anlaufpunkt ist die Liebfrauenkirche. Im nördlichen Seitenschiff entfaltet das dreiteilige Glasfenster die Kreuzigung Christi Leuchtkraft. Hinter dem Altar wird die Schmerzensmutter (Pietà), ein weitverbreitetes mittelalterliches Symbol, sichtbar. Am Ende des Osterwegs steht das Taufbecken. In der Taufe bekennen sich die Christen zum Sterben und Auferstehen Christus und feiern das österliche Fest des Lebens.

Die Installation „Lamm Gottes“ ist am St. Marienhaus Teil des Osterwegs. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Die Installation „Lamm Gottes“ ist am St. Marienhaus Teil des Osterwegs. Foto: Veronika Gareus-Kugel


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