Kuppenheim will Modellkommune werden

Kuppenheim (sawe) – Klimaschutz im Verkehr ist ein Ziel der vom Durchgangsverkehr stark belasteten Stadt Kuppenheim. Sie hat sich daher als Modellgemeinde des Kompetenznetzes Klima Mobil beworben.

Rund 15 000 Fahrzeuge, darunter viele Lkw, rollen jeden Tag auf den beiden Landesstraßen  L67 und L77  durch Kuppenheim. Foto: F. Vetter

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Rund 15 000 Fahrzeuge, darunter viele Lkw, rollen jeden Tag auf den beiden Landesstraßen L 67 und L 77 durch Kuppenheim. Foto: F. Vetter

Die Stadt Kuppenheim will Modellgemeinde des Kompetenznetzes Klima Mobil werden und hat kurzfristig ihre Bewerbung eingereicht. Der Gemeinderat hat diesen Schritt in seiner Sitzung einhellig begrüßt. Bürgermeister Karsten Mußler sieht darin eine große Chance für die künftige Gestaltung der Innenstadt. Im Rahmen des Modellprojekts könnte neben der Umsetzung zahlreicher verkehrsrechtlicher Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung auch das selbstgesteckte Klimaziel der Stadt erreicht werden, sagte er. Das Kompetenznetz Klima Mobil wurde von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) in Kooperation mit der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) ins Leben gerufen. Das Bundesministerium für Umwelt sowie das Land Baden-Württemberg unterstützen finanziell und inhaltlich dieses Projekt. Teilnahmeberechtigt sind alle Kommunen aus Baden-Württemberg, elf Bewerber werden von einer Jury ausgewählt.

„Intelligente Konzepte“ erforderlich

Bürgermeister Mußler erinnerte daran, dass das Regierungspräsidium Karlsruhe mit den Planungen für eine B 3-neu-Ortsumfahrung begonnen habe. Daher werde sich eines Tages die Frage stellen, wie die Innenstadt künftig aussehen soll. Dabei gehe es dann um den Rückbau von Hauptverkehrsstraßen in Kuppenheim, die Reduzierung des Quell- und Zielverkehrs, mehr Verkehrsraum für Fußgänger und Radfahrer, bessere Aufenthaltsqualität und weniger Emissionen. Aber auch Spannungsfelder sind zu lösen wie Erhalt eines gut sortierten Einzelhandels, wenn der Durchgangsverkehr reduziert wird. Es sollen „intelligente Konzepte“ gefunden werden, die den öffentlichen Raum neu ordnen und somit den CO²-Ausstoß reduzieren. Im Falle einer Zusage erhält die Stadt Kuppenheim fachliche Unterstützung und Begleitung zu Planung und Umsetzung der angestrebten Klimaschutzmaßnahmen durch Experten. Fachbereichsleiter Simon Mauterer und Bürgermeister Mußler hatten die Bewerbung kurzfristig erarbeitet – mit ausführlicher Vorhabenskizze für ein Modellprojekt zum Klimaschutz im Verkehr und mit einer Maßnahmenliste zur Lösung dieser Problemlage in der Innenstadt.

Wohnqualität gemindert

Rund 15 000 Fahrzeuge, darunter viele Lkw, rollen jeden Tag auf den beiden Landesstraßen 67 und 77 durch Kuppenheim. Bei Baustellen oder Störungen auf der Autobahn oder der B 462 entstehen in der Innenstadt regelmäßig lange Staus. Entlang der Landesstraßen gibt es so gut wie keine Aufenthaltsqualität, die Wohnqualität sei wegen Abgasen und Lärm stark gemindert und die Nutzung des Fahrrads an vielen Stellen im Ortskern lebensgefährlich. So beschreibt die Stadt in ihrer Bewerbung die aktuelle Situation. Und: Der Verkehrsbereich hat laut Klimaschutzkonzept mit 44 Prozent den größten Anteil am Endenergieverbrauch.

Die Stadt Kuppenheim, Mitbegründerin der Regio-Energie GbR, „möchte vorausschauend im Sinne des Klimaschutzes agieren und als Modellkommune den Umbau der Hauptverkehrsachsen mit dem Ziel der Reduzierung der innerörtlichen Verkehrsströme gemeinsam mit dem Träger der Straßenbaulast angehen“, heißt es weiter. Das Land bereite aktuell die Sanierung der Landesstraße 67 (Friedrichstraße) vor. In diesem Planungsprozess soll bereits die Umgestaltung der Straßenführung berücksichtigt werden. Kuppenheim sei bereit, aktiv und unterstützend mitzuwirken.

Auch Kommunen, die nicht als Modellkommunen ausgewählt werden, können von der Beratung durch das Kompetenznetz, dem Wissenstransfer und dem Austausch profitieren, wenn sie Teil des erweiterten Kommunennetzwerks werden. Hierfür hat die Stadt Kuppenheim bereits ihr Interesse kundgetan, falls sie als Modellkommune nicht zum Zuge kommen sollte.

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Erstellt:
16. Juli 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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