Kuppenheimer Feuerwehr zieht in Wörtelhalle

Kuppenheim (sawe) – Weil das Feuerwehrhaus in Kuppenheim komplett umgebaut wird, muss die Feuerwehr für zwei Jahre in die Wörtelhalle ausweichen. Der Umzug läuft bereits auf vollen Touren.

Als Schreiner betätigen sich derzeit Feuerwehrkameraden in ihrer Freizeit, vorne der frühere Kommandant Erich Huck: Sie bauen Wände in die Wörtelhalle. Fotos: Sabine Wenzke

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Als Schreiner betätigen sich derzeit Feuerwehrkameraden in ihrer Freizeit, vorne der frühere Kommandant Erich Huck: Sie bauen Wände in die Wörtelhalle. Fotos: Sabine Wenzke

In der Wörtelhalle geht es derzeit zu wie in einer Schreinerei: Feuerwehrkameraden sägen Spanplatten zurecht und bauen sie als Wände ein. So entstehen abgetrennte Räume in dem einstigen Kuppenheimer Musentempel, der nach der Fieberambulanz nun in den nächsten zwei Jahren die Freiwillige Feuerwehr Kuppenheim beherbergen wird. Deren Domizil wird im kommenden Jahr komplett umgebaut und saniert. Der Umzug ist bereits in vollem Gange und soll bis Ende Januar 2021 vollzogen sein. „Dann beginnen wir mit dem Regelbetrieb hier“, sagt Kommandant Daniel Peter.
Es sieht zwar noch nach sehr viel Arbeit aus, doch Bedenken, dass der Zeitplan nicht eingehalten werden könnte, hegt der 39-Jährige überhaupt nicht: „Wenn wir eine Aufgabe haben, dann ziehen wir die auch durch. Anders kenne ich das nicht von der Feuerwehr.“ Dennoch ist es eine Mammutaufgabe, die viele fleißige Floriansjünger in ihrer Freizeit bewältigen: Denn auch das alte, im Jahr 1969 erbaute und 1970 eingeweihte Feuerwehrhaus in der Adlerstraße muss geräumt sein, wenn im Februar die Abbruchbagger anrollen.

Arbeit in Kleingruppen

Damit alles reibungslos klappt, hat das seit 2017 bestehende Planungsteam für den Umbau praktischerweise auch den Umzug übernommen. „Jeder kümmert sich dabei um einen speziellen Bereich und hat dafür auch gezielt Leute gesucht, die helfen,“ erläutert Peter. Coronabedingt könne zwar nur in Kleingruppen gearbeitet werden, „aber es läuft“. Die ersten Kisten seien bereits im Oktober gepackt worden. Das Archiv sei als erstes in die Wörtelhalle umgezogen, die Einsatzfahrzeuge werden als letzter Schritt folgen. Sie werden während der Interimszeit in einer Zelthalle, die die Stadt für über 100 000 Euro gekauft hat, auf dem einstigem Festplatz eingestellt. Dort wird der Boden noch von einer Firma entsprechend vorbereitet, damit die Fläche mit den Großfahrzeugen befahrbar ist. Bis dahin muss die Wörtelhalle „feuerwehrtauglich ertüchtigt“ sein im Hinblick auf EDV, Telefon und Licht.

Neue Funkeinsatzzentrale und Spinde

Nicht mit in die Wörtelhalle umziehen wird die alte Funkeinsatzzentrale, deren Technik mit dem alten Haus „verwachsen ist“ und somit ausgedient hat. Die Wehr erhält daher eine neue Funkeinsatzzentrale, die später mit einem geringen Aufwand im Technikraum des sanierten Feuerwehrgerätehauses integriert werden kann. Auch neue Spinde werden gleich in die Wörtelhalle geliefert. Die Alten stammen noch aus dem Jahr 1969 und sind fest in der Wand eingenagelt. Die Küche hingegen wird abgebaut, eingelagert und im modernisierten Haus dann wieder aufgebaut. Sie ist gerade mal zehn Jahre alt und wurde aus der Kameradschaftskasse bezahlt, berichtet der Kommandant beim Rundgang. Neu angeschafft wurden eine Industriewaschmaschine und ein neuer Trockner, in denen drei komplette Einsatzanzüge gewaschen und getrocknet werden können – in herkömmliche Haushaltsmaschinen passe gerad einmal ein einziger hinein, bringt Peter einen Vergleich. Hier hat Kuppenheim die Gunst der Stunde genutzt und von der Mehrwertsteuersenkung in diesem Jahr um drei Prozent profitiert. Überhaupt: „Wir versuchen die Kosten im Rahmen zu halten“, verdeutlicht der Kommandant mit Blick auf die Investitionen in die Übergangslösung. Was selbst gemacht werden kann, wird daher auch erledigt. „Bei der Feuerwehr gibt es alle Handwerker“, berichtet Peter und erzählt von der Heizung in der Wörtelhalle, die am Anfang nicht funktioniert habe, von einer Firma wieder zum Laufen gebracht wurde, aber von den Feuerwehrleuten dann „den Feinschliff“ erhalten habe. Ganz in Eigenregie repariert worden sei die defekte Hallenbelüftung, zudem wurden Malerarbeiten übernommen, wo es nötig war, ergänzt der stellvertretende Kommandant Stefan Huck. Dessen Vater Erich Huck, der als Kommandant jahrzehntelang an der Spitze der Kuppenheimer Feuerwehr stand, betätigt sich nun mit anderen Kameraden der Altersabteilung als ehrenamtlicher Trockenbauer. So haben die Herren bereits zügig einen Wäscheraum, die Werkstatt und einen Raum für den geräuschstarken Kompressor geschaffen sowie das Treppenhaus abgetrennt. Die Spanplatten für die Wände mussten im Übrigen nicht neu gekauft werden. Sie lagen zuvor als Schutz auf dem Boden der neuen Veranstaltungshalle, wurden dann im Bauhof gelagert und finden nun als Wandteile zum zweiten Mal eine Verwendung.

Künftig kein Schlauchturm mehr

Ein Haus nach über 50 Jahren auszuräumen, das macht schon Arbeit. Da hat sich einiges an Altlasten und Utensilien angesammelt. Vieles, was nicht mehr zu gebrauchen ist, wurde bereits in Containern entsorgt. Auch die schweren Tische und Stühle, die ein früherer Floriansjünger einst gemeinsam mit Kollegen zusammengeschweißt hat, haben nach einem halben Jahrhundert Nutzung ihren Zweck erfüllt und werden gar nicht erst in die Wörtelhalle transportiert, in der sich bereits unzählige Kisten mit Einsatzmaterial stapeln. Bereits umgezogen und in einer Vitrine hinter Glas gesichert sind die historischen Fahnen der Feuerwehr. Andere Utensilien werden erst einmal zwischengelagert, dazu gehören unter anderem auch eine von den Pompiers der französischen Partnerstadt Raon L‘Etape geschenkte Figur, alte Feuerwehrhelme und ein historischer Pumpenwagen. Ein Ehrenplatz auch im neuen Haus wird das Bild des Künstlers Thomas Grochowiak erhalten, das er als Dankeschön der Kuppenheimer Wehr nach deren Einsatz bei einem Brand in seinem Archiv im Jahr 2003 gewidmet hatte.

Zwei Dinge wird das modernisierte Haus allerdings nicht mehr haben: die Atemschutzübungsstrecke des Landkreises, die neu in Baden-Baden entstehen wird, und einen über 20 Meter hohen Schlauchturm. Künftig werden die Schläuche nach Rastatt zum Reinigen und Prüfen gegeben, informiert der Kommandant. Das sei auf viele Jahre gesehen günstiger als eine erforderliche Sanierung des Turms. Die Kosten für den Komplettumbau des Feuerwehrhauses sind mit 4,8 Millionen Euro angesetzt, für die Zwischenunterbringung wird mit rund 250 000 Euro gerechnet. Der Umzug ist bereits zu etwa 70 Prozent vollbracht.

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Erstellt:
8. Dezember 2020, 14:00 Uhr
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