Kuppenheimer als Klimabotschafter unterwegs

Murgtal (ans) – Kai Lierheimer hat sich als einer der Ersten zum Naturpark-Klimabotschafter ausbilden lassen. Im Interview mit BT-Volontärin Anna Strobel berichtet er, was ihn dazu motiviert hat.

Frischgebackener Klimabotschafter: Kai Lierheimer möchte für das Thema Naturschutz sensibilisieren. Foto: Kai Lierheimer

Frischgebackener Klimabotschafter: Kai Lierheimer möchte für das Thema Naturschutz sensibilisieren. Foto: Kai Lierheimer

In einem Pilotprojekt sind 16 Schwarzwald-Guides in den vergangenen Wochen zu Naturpark-Klimabotschaftern weitergebildet worden. Der Kuppenheimer Kai Lierheimer ist einer von ihnen. Im Gespräch mit BT-Volontärin Anna Strobel erzählt er, was ihn dazu motiviert hat und welche Botschaft er in die Bevölkerung tragen möchte.

BT: Herr Lierheimer, welchen Ort im Murgtal, der unter Naturschutz steht, mögen Sie am liebsten?
Kai Lierheimer: Für mich ist das Hohlohmoor und der Hohlohsee wichtig. Da kann man von Frühjahr bis Winter unterwegs sein und es sieht immer anders aus. Das ist schon ein Highlight. Außerdem sind Moore CO2-Speicher. Aber auch dort sieht man, dass die Schneehäufigkeit weniger wird und die Temperaturen nicht mehr so extrem sind, wie sie früher waren.

Das Hochmoor bei Kaltenbronn im Oktober 2021. Foto: Thomas Senger

© tom

Das Hochmoor bei Kaltenbronn im Oktober 2021. Foto: Thomas Senger

BT: Die Moore um den Kaltenbronn gehören zu den bekanntesten in Mitteleuropa. Wird das für Sie in Zukunft ein Schwerpunkt sein?
Lierheimer: Wahrscheinlich nicht, weil die Strecke zu weit ist. Man kann nicht auf der einen Seite sagen, ich mache Führungen zum Thema Klimaschutz und dafür dann jedes Mal 30 Minuten mit dem Auto fahren. Das fände ich kontraproduktiv. Ab und zu werde ich sicherlich welche anbieten, aber ein Schwerpunkt wird es definitiv nicht sein. Es gibt dafür viele Touren, die ich in Kuppenheim anbiete. Da kommen dann Leute aus der näheren Umgebung, aus Rastatt oder Baden-Baden.

BT: Seit einiger Zeit wird versucht, diese Moore zu renaturieren. Wie funktioniert das?
Lierheimer: Über eingeschlagene Hölzer wurde ein Entwässerungskanal zugemacht. Dadurch wird dafür gesorgt, dass sich das Moor ausbreiten kann. Ein Hektar Moorboden mit 30 Zentimeter Dic speichert so viel CO2 wie ein Hektar hundertjähriger Tannenwald. Beim Wildsee sehen wir Mächtigkeiten von bis zu acht Metern Torf. Die Entwässerungsgräben dort sollen geschlossen werden. Es ist erstaunlich, wie schnell sich ein Moor zurückbilden kann.

„Man könnte mehr Wild essen“

BT: Was hat Sie dazu motiviert, eine Weiterbildung zum Klimabotschafter zu absolvieren?
Lierheimer: Ich habe durch meine Interessengebiete Imkerei, Wald und Wiesen festgestellt, dass sich Phänomene zeigen, die auf Klimaveränderung hindeuten. Die Wälder versuchen, mit höheren Temperaturen und weniger Wasser auszukommen, das klappt nicht immer. Man sieht es zum Beispiel deutlich, wenn man nach Ebersteinburg fährt. Da gibt es Buchen, die sind inzwischen ziemlich ausgetrocknet. Außerdem habe ich Kinder, die 15 und 19 sind. Man muss an die Generationen, die nachfolgen denken. Wenn das 1,5 Grad-Ziel nur knapp verfehlt wird, dann kommen wir schon auf 200 Millionen Klimaflüchtlinge weltweit. Da muss man global denken.

BT: Sechs ganztägige Module haben Sie nun abgeschlossen. Wie lief die Fortbildung zum Klimabotschafter ab?
Lierheimer: Der erste Tag war ein Schock. Da wurde aufgezeigt, was passiert, wenn wir die Klimaziele nicht erreichen. Am zweiten Tag ging es um Landwirtschaft, das war sehr spannend. Wir haben einen Demeter-Hof und einen konventionellen Betrieb besucht. Am dritten Tag ging es um Hochwasserszenarien und darum, welche Tiere in Gewässern leben. Am vierten Tag ging es um Moore. Wir haben uns angeschaut, wie das Kaltenbronner Moor renaturiert wird.

BT: Worin liegen die Unterschiede zwischen Schwarzwald-Guide und Naturpark-Klimabotschafter?
Lierheimer: Schwarzwald-Guides bieten Führungen für den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord an. Da gibt es Kräuterwanderungen, geologische Themen, Führungen zu Burgen oder Insekten. Der Klimabotschafter ist eine wohl einzigartige Ausbildung in Deutschland. Das wichtige Thema Klima soll dadurch unter die Leute gebracht werden. Es geht darum, zu sensibilisieren, ohne belehrend zu sein. Bei vielen Themen spielt Klima mit hinein. Das wollen wir faktenbasiert verstärkt bei Führungen ansprechen.

BT: Wo im Murgtal zeigen sich bereits jetzt die Auswirkungen der Klimakrise?
Lierheimer: Es gibt Tiere, die es vor 30 Jahren noch nicht hier gab. Fast in jedem Ort im vorderen Murgtal gibt es inzwischen Gottesanbeterinnen, die hat man vorher nur beim Kaiserstuhl gefunden. Wenn man durch das Murgtal fährt und sich Baumwipfel anschaut, fällt es auf, dass sie oben dürr werden. Man sieht die Auswirkung, wenn man den niedrigen Wasserstand der Murg im Sommer anschaut.

BT: Was würden Sie jemandem ans Herz legen, der selbst mehr für das Klima machen möchte?
Lierheimer: Man muss aktiv werden. Streuobstwiesenerhaltung, Landflächen müssen offenbleiben, Wiesen müssen gepflegt werden. Man kann auch torffreie Blumenerde kaufen, man muss keinen Torf benutzen. Jeder könnte den Konsum etwas einschränken. Eher reparieren statt wegschmeißen. Bevor ich etwas kaufe, kann ich hinterfragen, ob das wirklich notwendig ist. Das muss in den Köpfen ankommen. Ernährung ist auch so ein Thema. Man könnte mehr Wild essen, das ist ein hervorragendes Lebensmittel. Oft sind die Leute erstaunt, dass ein Wildschwein mageres Fleisch hat. Man kann auch im Kleinen etwas machen.

Ihr Autor

BT-Volontärin Anna Strobel

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Erstellt:
21. Oktober 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 23sec

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